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Kochen, Spanisch, Schinderhansl ziang - Erdings  Trainer in der Lockdown-Phase

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Endlich bleibt  Zeit für Familie und Hobby. Wir verraten, was unsere Coaches derzeit tun - und was sie tun könnten.

Kein Training, kein Spiel – was fangen unsere Fußball-Trainer nun mit ihrer Zeit an? Keine Angst, Kunstmärkte werden jetzt nicht mit Laubsägearbeiten oder aus Streichhölzern gefertigten Pisa-Türmen überschwemmt. Unsere Fußballlehrer wissen mit der neuen Freizeit durchaus etwas anzufangen.

Leo Balderanos etwa freut sich aufs Kochen. Thai Curry, Jägerschnitzel in Champignonsoße, Calamari mit Reis – für den Coach von Aspis Taufkirchen kein Problem. Nur an den Namen seiner Gerichte könnte er noch arbeiten. Ex-Nationalspieler Arne Friedrich zum Beispiel hat Gerichte geschaffen wie „Chili con Kahn“, „Chicken Frings“ und „Trappa-Thuni“. Wie wär’s mit „Tauf-Curry“, oder zu Ehren von Keeper Florian Dillis oder Verteidiger Klaus Tafelmeier „Schnitzel in Dillissoße“ respektive Tafelspitz? Und falls er – wie übrigens Kevin de Bruyne – gern bäckt, hat er noch statt Anis- halt Aspisplatzerl im Ofen.

Schlechte Nachricht für alle Schüler von Armin Feckl (FC Inning) und Thomas Bachmaier (FC Hohenpolding): Die beiden Lehrer haben jetzt mehr Zeit zum Korrigieren. Tja, da wird wohl keine fehlende Hausaufgabe durchrutschen – zumal Feckl auch schon seinen Umzug nach Wasserburg hinter sich gebracht hat. Aber keine Angst, liebe Schüler, die beiden werden sich nicht mit einem Stapel Hefte im Keller verkriechen: Feckl freut sich auf mehr Zeit für Freundin und Familie. Bachmaier joggt alle Pfade in und um Taufkirchen ab. „Grundsätzlich genieße ich die freien Sonntage, die ich gern mit der Familie verbringe. Ansonsten spiele ich aber noch viel zu gern Fußball, sodass mir der Ball am Fuß schon fehlt“, sagt Bachmaier, Feckl sieht’s ähnlich.

Und bei Kosta Papantaniou ist das auch nicht anders. Endlich habe er mal Zeit, die beste Mannschaft Griechenlands zu sehen: PAOK Saloniki. Und sonst? „Viel spazieren mit meiner Frau und den Umzug im Dezember planen.“ Außerdem freut sich der Steinkirchener Spielertrainer auf viel Zeit mit seiner dreieinhalb Monate alten Tochter.

Martin Grasser hat gleich zwei kleine Mädels (1 und 4). Langweilig werde ihm gewiss nicht, versichert der Spielertrainer des FC Hörgersdorf. Am Haus und in der Firma gebe es immer was zu tun. Aber natürlich sind die beiden Töchter die größere Herausforderung. Gegen die Große habe er keine Chance beim „Schinderhansl ziang“. Und wegen ihr musste er auch seine Inlineskates aus dem Elternhaus kramen. Bei der Kleinen reiche es noch, ein bisserl gegen den Gummiball kicken. Für alle, die „Schinderhansl ziang“ nicht kennen: Es ist deutlich spannender als das Hobby des großen Cristiano Ronaldo, der mal behauptete: „Bingo spielen kann sehr aufregend sein.“

Valentina (9) und Anna (12) sind das Wichtigste im Leben von Walpertskirchens Coach Sepp Heilmaier. Und für seinen Bucher Kollegen Florian Leininger sind es dessen drei Kinder: Beide freuen sich, endlich mehr Zeit für den Nachwuchs zu haben. Vielleicht wird ja die gute alte Lego-Kiste ausgepackt. Nicht zeitgemäß? Juve-Torjäger Paulo Dybala baut noch heute gerne Sehenswürdigkeiten nach. Wir freuen uns also auf die „Bucher Sportarena“, auf den „Walpertinger“ oder auf Visionäres wie die Walpertskirchener Spange. Mit Letzterer könnte Sepp Heilmeier im Gemeinderat imponieren, denn da sitzt er ja auch noch. Es habe Wochen gegeben, an denen er an drei Abenden nicht daheim gewesen sei. „Dazu noch das Spiel am Sonntag, und als Bayernfan ist der Samstagnachmittag auch meistens ausgebucht.“ Ja, gesteht er, Fußball, nehme schon sehr viel Zeit ein im Hause Heilmeier. Und Kollege Leininger lässt durchblicken, dass Lockdown nicht gleich Fußballpause total bedeutet: „Gespräche mit möglichen Neuverpflichtungen, Vorbereitungsspiele ausmachen“– da gebe es einiges zu tun in einer Zeit, in dem für den Kaminkehrermeister auch die arbeitsreichsten Monate des Jahres anstehen.

Benji Tas hingegen stellt sich wirklich die Frage: „Was soll ich am Sonntag machen? Der Spielertrainer von Türkgücü Erding outet sich als „Fußballverrückter, denn ich will immer spielen und trainieren“. Auch die Gespräche mit dem Co, die Kaderbesprechungen und das Erstellen von Trainingsplänen – er vermisse jetzt schon alles.
Und jetzt? Vielleicht Gesangsstunden. Die nahm der ehemalige ManCity-Trainer Manuel Pellegrini, weil er davon überzeugt ist, dass die Stimme für einen Fußballehrer von großer Bedeutung ist. Und wenn Tas’ Trainerstab wie Ex-Bayern-Profi Rafinha dazu auch noch die Ukulele auspackt, hätte der Club eine eigene Band: die Türk Bee Gees (oder Türkbücüs?).

Weniger Sorgen machen wir uns um Ewald Rupprecht, der im Trainer-Triathlon „Wandern, Rad fahren, Vorbereitung planen“ aufgeht. Wobei dem Wörther Coach Letzteres schon wohl etwas auf den Zeiger gehen dürfte. Es ist ja schon die vierte Vorbereitung für diese Saison.

Suchen Sie nicht nach der Domain www.Gelassenheit.de! Damit fassen wir hier nur Wojtek Woichiechowskis Winterpause zusammen. Der Finsinger Coach der Zweiten genießt entspannt die Zeit mit der Familie – insbesondere das Sonntagsessen, das an Spieltagen nicht möglich ist. Und hier noch sein Rat an die jungen Kollegen: „Ich bin schon lange Trainer und habe immer diese Pause versucht zu genießen, weil ich wusste, dass das alles schnell wieder vorbei ist.“ Wir drücken die Daumen, dass er da auch diesmal Recht hat.

Mit Squash vertreibt sich Michael Fugmann sonst die Winterpause. „Aber da schaut´s eher schlecht aus“, fürchtet er. Wir könnten ihm ja hier verraten, dass Einzel im Squash sehr wohl erlaubt sind (wir berichteten). Ist aber nicht wichtig, denn der Coach der Lengdorfer Reserve schwärmt eh von seinen „wunderbaren Kindern“. Die beiden sind eineinhalb und viereinhalb Jahre alt. „Da wird es schon nicht langweilig“, weiß er. Und wenn doch? Wir hätten noch Fechten (David Beckham), Modellflieger (Tim Wiese) oder Angeln (Miro Klose) im Angebot.

Oder mal sein Spanisch auffrischen? Das hat sich jetzt Stefan Lechner, Trainer des FC Moosinning 3, vorgenommen. Es ist allerdings nur ein Punkt auf seiner To-Do-Liste. Zeit mit der Familie, Garten winterfest machen, Fitnessübungen und Ausdauerläufe stehen da ebenso drauf wie angefangene Bücher mal fertig zu lesen. Wie wär’s mal mit selber schreiben? Theo Walcott und Thomas Müller sind auch schon Kinderbuchautoren. Herr Lechner, Trainer der Schwarz-Gelben, wir würden uns auf „Biene Maja, Episode 2“ freuen.

Falls andere Trainer noch Tipps für Hobbys brauchen: Andrei Arshavin, der großartige russische Kicker, hat mal eine eigene Damen-Mode-Linie entworfen. Und Andrea Pirlo hat seinen eigenen Wein. Ja genau, das wär doch was. Ein Chateau Grünbach, ein Zustorfer Spätburgunder oder ein Müller-Torgau würden gewiss zum Tauf-Curry von Leo Balderanos passen.

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