Martin Lanzinger prägte die goldenen Zeiten des FC Moosinning.
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Martin Lanzinger prägte die goldenen Zeiten des FC Moosinning.

Nachruf einer lokalen Legende

Martin Lanzinger († 60): Familienmensch, Unternehmer, Torwartlegende

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Martin Lanzinger ist mit 60 Jahren viel zu früh von uns gegangen. Der ehemalige Aufstiegsheld des FC Moosinning war eine Koryphäe im Erdinger Amateurbereich.

Walpertskirchen – „Eigentlich hat er für sich den schönsten Tod gehabt“, sagt Angela Lanzinger. „Aber der kam zu früh. Viel zu früh.“ Im Mai hätte Martin Lanzinger seinen 60. Geburtstag gefeiert. Vergangene Woche ist er gestorben. Beim Langlaufen. Die Angehörigen, die Freunde – alle sind fassungslos, niemand versteht, wie das passieren konnte.

Martin Lanzinger war durchtrainiert und topfit. Eine Langlaufrunde in Bayrischzell war für den Walpertskirchener doch kein Problem, sondern sein größtes Vergnügen. Das Skaten im Winter, Radfahren im Sommer – das war sein Sportvergnügen, seitdem er nicht mehr Fußball spielte.

Martin Lanzinger: Der beste Torhüter im Landkreis

In den 1980ern und 1990ern war er Torwart – er galt als der beste im Landkreis. Nach seiner Jugendzeit beim SV Walpertskirchen prägte er die goldene Ära des FC Moosinning, den er bis in die Landesliga – damals die vierte deutsche Liga – brachte. Martin Lanzinger im Tor, sein Bruder Rupert im Sturm.

„Wenn es mal nicht so lief, dann haben sich die beiden Lanzingers angeschaut, und dann wussten wir, was los war“, erzählt Weggefährte Karl Thumbs von dem dann folgenden Donnerwetter. „Ein Gegentor war für Martin immer eine persönliche Beleidigung.“ Entsprechend schwer hat er es auch den Gegnern gemacht. „In unserem Aufstiegsjahr hat er in Freilassing drei Elfmeter gehalten. Wir haben dann 4:3 gewonnen“, erinnert sich Thumbs, damals Libero beim FCM. 13 Jahre spielte Martin Lanzinger für den FCM, danach folgten noch Jahre beim FC Falke Markt Schwaben, mit dem er auch noch in der Bayernliga spielte.

Martin Lanzinger: Zu klein für den FC Bayern München

Vielleicht wäre für den Hochtalentierten noch mehr drin gewesen. „Der FC Bayern wollte ihn mal zum Probetraining einladen“, erzählt seine Frau Angela. Das sei dann aber doch nicht zustande gekommen, „weil ihnen Martin mit seinen 1,86 Meter für einen Torwart zu klein war“.

Das habe ihren Martin schon gefuchst. Denn die Bayern wussten offensichtlich nicht, was ihnen da entging: ein Sportler, der alles aus sich rausholte. Und das galt auch beruflich. Vom Kfz-Mechaniker wurde er schnell zum Autoverkäufer. Als sein Vater erkrankte, übernahm er dessen Immobiliengeschäft. „Er konnte immer gut mit Leuten umgehen, hatte für jeden einen freundlichen Ratsch übrig“, sagt Angela Lanzinger. Grantig sei er – sehen wir mal von Gegentoren ab – selten gewesen. Ihr fällt eine Geschichte von der Bundeswehr ein, als Martin Lanzinger während der Grundausbildung bei Schießübungen nur den Boden anvisierte und seinen Vorgesetzten anblaffte: „I schiaß auf koane Menschen. Ihr könnt’s mi nausjagen aufs Feld, in die Berge. Koa Problem, aber schiaß’n dua i ned.“

Lanzinger: Bau einer eigenen Soccerhalle

Zurück zum Beruflichen: 2003 kam Martin Lanzinger die Idee mit der Soccerhalle. Weit und breit gab es so etwas zu dieser Zeit nirgends. Gut drei Jahre tüftelte er daran, ehe die zweistöckige Anlage in Walpertskirchen in Betrieb ging.

Und wie schlug das ein? „Bombe!“, sagt Angela Lanzinger. „Er kannte ja vom Fußball her so viele Leute.“ Und die brachten ihre Teams nach Walpertskirchen. Die beiden Plätze waren immer belegt. Bis Corona kam. „Dass niemand mehr Fußball spielen durfte, das hat ihn schon sehr geärgert“, erzählt seine Frau. Vom finanziellen Schaden abgesehen – „er hat den Ratsch mit den Fußballern einfach vermisst“. Die Soccerhalle war aber nicht sein einziges Standbein.

Sein Amt als Jugendtrainer – die A-Jugend der JFG Sempt Erding führte er in die Bezirksoberliga – hatte er inzwischen aufgegeben. Doch auf den Fußballplätzen war er immer noch unterwegs, denn er kümmerte sich um die Rasenpflege.

Martin Lanzinger: Ein Familienmensch

Auch hier: Von der Idee bis zur Umsetzung ließ er sich Zeit. „Martin hat sich auf den Golfplätzen umgesehen, welches Gerät sie nutzen und hat sich dann den entsprechenden Aufsitzmäher gekauft“, erzählt Angela Lanzinger. Seitdem kümmerte er sich um die Sportplätze in Moosinning, Eichenried, Kirchasch, Langengeisling, Hörlkofen und Ottenhofen.

Wie die Seinen jetzt zusammenhalten, sich gegenseitig unterstützen, das würde auch Martin Lanzinger mit Stolz erfüllen, „denn die Familie war für ihn immer das Allerwichtigste“, sagt seine Tochter Eva. Sie denkt an die gemeinsamen Urlaube zurück, die der Vater immer gern und großzügig finanzierte. Die ganze Großfamilie – also Martin und Angela, aber auch ihre Kinder Eva, Josef und Lena mit ihren Partnern und die drei Enkelkinder Annelie, Theresa und Josepha – „wir sind immer eine Einheit gewesen“, sagt Eva.

Martin Lanzinger habe seine Rolle als Opa genossen, mit seinen Enkelinnen gespielt und gescherzt. Und er liebte weiter den Sport: das Rad fahren (Angela Lanzinger: „Er war ein lebendes Navi, hat jeden Weg gekannt“) und eben das Langlaufen. „Natürlich das Skaten, also schon die sportliche Variante“, sagt seine Frau.

Inzwischen war er auch wieder fit, nachdem er sich im November die Hüfte hatte operieren lassen. Also fuhr Martin Lanzinger mit vier Freunden nach Bayrischzell. Er führte die Gruppe an, als er auf der Kloo-Ascher-Loipe auf einer kleinen Abfahrt urplötzlich hinfiel und liegenblieb. Eine Krankenschwester, die zufällig auf der Loipe war, begann sofort mit der Reanimation, eine zweite kam hinzu. Gleichzeitig wurde der Rettungsdienst informiert, was nicht so einfach war, weil Handys auf dieser Strecke kaum Netz haben. „Dann war auch noch Nebel, so dass kein Hubschrauber landen konnte.“

40 Minuten dauerte es, bis es Sanitäter und Bergwacht zu diesem hintersten Eck der Loipe schafften. So lange hatten die Krankenschwester und Freunde um Martin Lanzingers Leben gekämpft. Aber es war alles vergebens. Das Herz hat aufgehört zu schlagen. Viel zu früh.

(Dieter Priglmeir)

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