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Dino Oruc, Fußballchef von Türkgücü Erding.

Fußball

Massenschlägerei bei Erdinger Testspiel? „Mehr als Schubsereien waren da nicht“

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Die Polizei ist nach einem Hinweis mit zehn Streifen angerückt. Wäre nicht nötig gewesen, meint Dino Oruc von Türkgücü Erding.

Erding– Den Großeinsatz am späten Sonntagnachmittag konnte die Erdinger Polizei gar nicht allein bewältigen. Sie bat Kollegen aus Poing, Dorfen, Freising und Ebersberg zur Hilfe und rückte mit zehn Streifen zum Städtischen Stadion. Die Lage: Beim Fußballspiel zwischen Türkgücü Erding und Türkspor Mainburg soll es angeblich zur Massenschlägerei gekommen sein.

So jedenfalls umschrieb auch Polizeisprecher Harald Pataschitsch die Information, die er am Montagmorgen rausgab. Dino Oruc, Fußballchef von Türkgücü Erding, räumt zwar ein, „dass sich das Ganze etwas hochgeschaukelt hat“. Eine Massenschlägerei habe er aber nicht gesehen. „Und sonst auch keiner, denn die Polizei hat keine entsprechenden Hinweise erhalten, obwohl sie fast alle auf dem Platz gefragt hat.“

Rund 70 Leute seien als Spieler, Betreuer oder Fans im Erdinger Stadion gewesen, die zuerst ein ansehnliches Spiel gesehen hatten. Der Kreisklassist aus Erding habe den A-Klassisten beherrscht und auch verdient die beiden Tore zum 2:0-Sieg erzielt, so Oruc. Atahan Celik traf in der 32. Minute und legte kurz vor Schluss nach.

In der 89. Minute aber verletzte sich ein Gästespieler schwer. „Er ist unglücklich gefallen und hat sich die Schulter gebrochen“, berichtet Oruc. „Wir war allen schockiert von der offenen Wunde.“

Von den Gästen seien dann einige Spieler auf den Schiedsrichter losgegangen, weil dieser nicht einmal ein Foul gepfiffen hat. „Aber es war auch kein Foul“, meint Oruc. Referee Florian Neubert würde auch jetzt nicht anders entscheiden: „Es war ein normales Laufduell, bei dem der Erdinger eher am Ball war und der Mainburger Spieler anscheinend blöd auf die Schulter gefallen ist“, so Neubert. Er habe schon mitbekommen, „dass rumgeschrien wurde, aber da war ich schon in der Kabine“, erzählte der erfahrene Schiedsrichter, der bemerkte, dass die Stimmung das ganze Spiel über schon recht aufgeheizt gewesen sei. Als Neubert nach dem Spiel aus der Umkleide kam, „haben die zwar noch gestritten, aber ich bin dann auch gleich gefahren“.

Aber wie heftig waren die Streitereien? Es habe schon Wortgefechte gegeben, „aber als Bosnier verstehe ich leider kein Türkisch“. So viel zu eventuellen Beleidigungen. Aber für Schlägereien braucht man eigentlich keinen Übersetzer. Oruc dazu: „Ich war nach dem Spiel mit dem Trainer und der Mannschaft wie immer zur Spielanalyse auf der Gegenseite der Tribüne. Ich war also 70 Metern entfernt. Da konnte ich nichts sehen.“ Seine Einschätzung: „Mehr als Schubsereien waren da nicht.“

Es hat auch sonst niemand etwas gesehen. Zumindest wollte niemand der 40 Leute, die von der Polizei vernommen wurden und ihre Personalien hinterlassen haben, irgendetwas von einer Schlägerei gesehen haben. Das bestätigte Pataschitsch, der aber auch berichtete, dass die Beamten im Stadion auf „eine sehr angespannte Situation“ getroffen seien. Sollte es doch Zeugen für Körperverletzungen geben, bittet die PI Erding um Hinweise unter Tel. (0 81 22) 968-0. Sehr wahrscheinlich, dass das Ganze im Sande verläuft. Sollte sich aber doch noch ein entsprechender Sachverhalt ergeben, dann würde die Polizei aufgrund der Anzahl der Personen sogar wegen „gefährlicher Körperverletzung oder Landfriedensbruch ermitteln“, so Pataschitsch.

Dino Oruc geht nicht davon aus, dass es so weit kommt. „Bei uns ist doch niemand wegen einer Prügelei auf den Platz gekommen. Wir wollen alle nur ein Fußballspiel sehen.“ Ganz besonders liege ihm der gegnersche Spieler am Herzen, der direkt vom Platz ins Krankenhaus gebracht wurde. „Wir wünschen ihm alle gute Besserung.“

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