Bad in der Menge: Die SpVgg Landshut mit Kurt Dworschak (Foto oben; M.) machte vor 4000 Zuschauern den Bayernliga-Titel perfekt.
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Bad in der Menge: Die SpVgg Landshut mit Kurt Dworschak (Foto oben; M.) machte vor 4000 Zuschauern den Bayernliga-Titel perfekt.

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Kurt Dworschak: Meister mit Landshut und den Löwen

  • vonEicke Lenz
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Er war ein wieselflinker Stürmer und spielte die Verteidiger reihenweise schwindlig. Kurt Dworschak feierte nicht nur mit den Münchner Löwen tolle Erfolge, sondern auch mit der SpVgg Landshut und seinem Heimatverein BSG Taufkirchen.

Taufkirchen – Es war ein Löwen-Titel für die Geschichtsbücher – auch wenn es „nur“ die A-Junioren waren. In der Saison 1981/82 rüstete der TSV 1860 München im Nachwuchs auf, um dem alles beherrschenden FC Bayern und dem kaum schwächeren FC Augsburg in der Bayernliga Süd Konkurrenz zu machen. Unter anderem kam Kurt Dworschak aus Landshut. Der Plan ging auf: Im Saisonfinale überflügelte der TSV 1860 die Bayern und Augsburg. Im Finale um die Bayerische Meisterschaft gegen den Nord-Meister und haushohen Favoriten 1. FC Nürnberg hielten die Löwen bis acht Minuten vor Schluss gegen drückend überlegene Nürnberger ein 1:1, dann sorgte Dworschak mit seinem Treffer zum 2:1 für den Sieg des Außenseiters.

Gern denkt er an die BSG-C-Jugend Ende der 70er-Jahre zurück mit (hinten, v. l.) Trainer Gustl Möschl. Klaus Losert, Bernhard Messer, Gerhard Patermann, Albert Bartl, Rudolf Pyrkosch, Kurt Dworschak, Helmut Kratzer, (vorne, v. l.) Franz Reh, Alfred Kobeck, Peter Sinseder, Robert Mairhofer, Norbert Hübner.

Der fußballerische Weg ist für Dworschak nicht vorgezeichnet. Seit früher Kindheit läuft er, wie etwa sein Cousin Werner Huber und seine Freunde Norbert Heigl, Rainer Fleck, Manfred Heilmeier, Alfred Rath und Albert Bartl, auf Bolzplätzen und unbebauten Grundstücken in Taufkirchen dem Ball hinterher. Dworschak hat oft „Heimvorteil“, weil Vater Silvester den eigenen Garten als Spielfeld zur Verfügung stellt. Kurts Wunsch, in Taufkirchen bei der BSG zu spielen, scheitert an seinem Alter, denn in der Schülermannschaft (C-Jugend; ab 14 Jahre) hat er mit seinen neun Jahren absolut keine Einsatzchance.

Albert Eichinger lotst seinen Neffen daraufhin zum Nachbarverein SC Moosen. Nach einem Jahr erfolgt der Wechsel in die neu gebildete C 2-Jugend der BSG Himolla Taufkirchen, wo der junge Bursche später als B-Jugendlicher bereits in der A-Jugend spielt und mit Manfred Heilmeier auch in der Kreisauswahl. Dworschaks Talent fällt auf, und die SpVgg Landshut holt ihn 1980/81 ins A-Jugend-Bayernligateam.

Beeindruckt von Walter Hainer

Dort beeindruckt ihn vor allem Walter Hainer („Er war der beste Spieler mit dem ich je zusammengespielt habe“), der noch im gleichen Jahr als Profi zum TSV 1860 wechselt. Jahre später spielen beide wieder zusammen in der Bayernliga-Mannschaft der „Spiele“ Landshut, die zur Überraschung aller vor den Münchner Löwen Bayernliga-Meister wird. Mit Landshut folgen Einladungen zur Bayernauswahl, und bei einem internationalen Turnier in Südtirol wird Dworschak als bester Torschütze ausgezeichnet.

Doch die Jugendkarriere des Taufkircheners hat noch andere Höhepunkte parat. Richard „Richie“ Müller, damals Jugendleiter und später Präsident des TSV 1860 München, sowie Trainer Kurt Schwarzhuber überzeugen Dworschak 1981 zum Wechsel in die Landeshauptstadt. In der Vorrunde dominieren wie immer Dauermeister FC Bayern und der FC Augsburg. das Geschehen. Die Winterpause nutzen die Löwen zu einer Reise mit Spielen auf den Philippinen und in Singapur. Die Begegnungen vor Tausenden von Zuschauern und das Ambiente hinterlassen bei den Nachwuchsspielern bleibende Eindrücke, „und es entwickelte sich ein Teamgeist, der entscheidend im Meisterschaftsrennen wurde“, erinnert sich Dworschak. Am Ende steht die Bayerische Meisterschaft. Nachdem sich der TSV 1860 im Achtelfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen Bayer Leverkusen durchgesetzt hat (2:3, 3:0), ist im Viertelfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern Schluss (0:2, 2:1). Noch heute besteht übrigens ein sehr guter Kontakt zu dem inzwischen 84-jährigen Müller, erzählt Dworschak. Während die A-Jugend ein Hoch erlebte, ereignet sich gleichzeitig mit dem insolvenzbedingten Zwangsabstieg der Profimannschaft in die Bayernliga, als Viertplatzierter der Zweiten Liga, eine Tragödie für die 1860er-Fans.

Einige Jugendspieler, so auch Dworschak, werden in den Bayernligakader übernommen, wo es jedoch schwer war, sich gegen etabliertere Spieler durchzusetzen. „Der TSV 1860 war die Attraktion der Bayernliga“, erinnert sich Dworschak. „Besonders beeindruckend waren die Zuschauermassen. Bis zu 15 000 Fans begleiteten uns bei den Auswärtsspielen, und das in Stadien, die dafür nicht geeignet waren.“ Ein besonderes Spiel der laufenden Saison ist für ihn das DFB-Pokalspiel bei seinem Heimatverein BSG Himolla Taufkirchen, wo der Favorit 4:1 gewinnt und er einen Treffer beisteuert.

Dreimal niederbayerischer Pokalsieger mit Landshut

Nach zwei ereignisreichen Jahren bei den Löwen entscheidet sich Dworschak für das Medizinstudium und kehrt in der Saison 1983/84 zur SpVgg Landshut zurück, die ebenfalls in der Bayernliga spielt. In den folgenden sechs Runden wird die „Spiele“ dreimal niederbayerischer Pokalsieger. 1985/86 legt die Mannschaft eine fabelhafte Saison hin, mit einem Zuschauerschnitt von mehreren Tausend pro Heimspiel, und sichert sich mit mit einem Zähler Vorsprung den Meistertitel vor dem TSV 1860. Die Freude ist jedoch getrübt, denn die Vereinsverantwortlichen haben keinen Lizenzantrag gestellt, und so ist die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 2. Liga nicht möglich. Zumindest an der deutschen Amateurmeisterschaft darf die „Spiele“ teilnehmen und erreicht immerhin das Halbfinale.

Auch Grätschen konnten Dworschak nichts anhaben, leichtfüßig wurden die Hindernisse in einem Spiel gegen den ESV Ingolstadt Anfang der 90er Jahre.

Dworschak hat in den sechs Jahren bei der Landshuter Mannschaft mehrere Trainer und ist voll des Lobes speziell über drei seiner Übungsleiter: „Spielertrainer Sigi Gmahl war eigentlich seiner Zeit voraus. Er bot ein abwechslungsreiches, technisch anspruchsvolles Training mit realitätsnahen Spielsituationen. Er legte den Grundstock für den späteren Erfolg der Bayernligameisterschaft.“ Carsten Wettberg, den Trainer der Landshuter Meistermannschaft, erlebt Dworschak als „genialen Motivator und Fußball-Verrückten“, darüber hinaus außerhalb des Platzes als sehr differenzierten, angenehmen Menschen. „Horst Pohl war Fußballer durch und durch, er hätte am liebsten selbst noch gespielt. Bewundernswert seine Nervenstärke während einer Niederlagenserie, die der guten Stimmung in der Mannschaft nichts anhaben konnte“. In all den Jahren sind die Belastungen in der damaligen dritten Liga „nicht unerheblich“, dennoch betreibt Dworschak zielstrebig sein Medizinstudium, stets unterstützt von seiner Ehefrau Conny.

Nach der Winterpause 1988/89 steht das zweite Staatsexamen an. Der Taufkirchener unterbricht vorübergehend seine Kicker-Laufbahn und konzentriert sich ausschließlich auf die Medizin. „Immer wenn ich Lernstress hatte, war ich auf dem Platz eine Klasse schlechter“, erzählt Dworschak lachend. Die Landshuter erreichen in dieser Saison nur Platz 15 und steigen in die Landesliga Nord ab. Zeitgleich schafft sein Heimatverein BSG Himolla Taufkirchen den Aufstieg in die Landesliga Süd, und für Dworschak ergibt sich die Möglichkeit, wieder mit seinen Spezln aus Jugendtagen kicken zu können.

Aushilfe im Abstiegskampf

Besonders habe er sich gefreut, mit Rainer Fleck wieder zusammenspielen zu können. „Rainer ist ein herausragender Fußballer und Freund. Es war ein Vergnügen mit ihm und eine Herausforderung gegen ihn zu spielen. Wir waren beide fußballbesessen und selbst im Urlaub auf unsere Fitness bedacht“, erinnert er sich. „Wir genossen die gemeinsamen Winterurlaube in Oberndorf in Tirol. Am Morgen holten wir joggenderweise Semmeln zum Frühstück, nach dem Skifahren ließen wir den Tag mit einem abendlichen Berglauf ausklingen.“

Mit Ehefrau Conny fährt Kurt Dworschak gerne Ski.

In Taufkirchen folgen schöne Jahre in der Landesliga mit erfahrenen Mitspielern, wie Fleck, Oliver Hampe, Gerald Kaiser, Wolfgang Oberndorfer, Helmut Otto, geprägt durch den „hervorragenden Spielertrainer“ Albert Ostermaier, seinem Nachfolger Hans-Peter Alt („Ein genialer Fußballer“) und zuletzt Anton Bönig, zu dessen Familie sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.

1991 startet Dworschak seine berufliche Tätigkeit in der Chirurgie in Vilsbiburg. Zwei Jahre später scheint das Ende der Fußballkarriere vorgezeichnet, denn er wechselt an die Orthopädie der Uniklinik Essen. Als die BSG in Abstiegsgefahr gerät, ist ihm der Weg nach Taufkirchen am Wochenende nicht zu weit, um bei der Mannschaft auszuhelfen. Das geht zwei Saisonen hintereinander gut, trotz fehlendem Training mit der Mannschaft. 1995 lässt sich der Abstieg der BSG aus der Landesliga jedoch nicht mehr verhindern. Nach höchst intensiven 15 Jahren als aktiver Fußballer beendet Dworschak seine Karriere. Er ist sicherlich nicht nur seinen Mit-, sondern auch Gegenspielern in Erinnerung geblieben, darunter auch Namen wie Christian Hochstätter, Herbert Waas, Karl-Heinz Riedle, Michael Rummenigge, Erich Beer oder Armin Veh.

Fußball-Ratsch mit Markus Fischbeck

Die Folgejahre stehen im Zeichen von Familie und Beruf. 1995 kommt Tochter Annika, 1999 Sohn Konstantin zur Welt, im gleichen Jahr erfolgt die Niederlassung als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Erding, wo Dworschak weiterhin praktiziert, seit einigen Jahren zusammen mit Dr. Markus Fischbeck, ebenfalls kein Unbekannter in der Fußballszene.

Im DFB-Pokalspiel trifft der gebürtige Taufkirchner Kurt Dworschak im Trikot des TSV 1860 München beim 4:1 Sieg der Löwen.

Als 2007 ein Co-Trainer für die E-Jugend der BSG Taufkirchen gesucht wird, in der sein Sohn Konstantin spielt, kommt Dworschak an dieser Aufgabe nicht vorbei. Das ist der Startschuss für eine bis 2018 dauernde Trainertätigkeit im Jugendbereich. Mit Wolfgang Peschke, Manfred Heilmeier und Thomas Daimer betreut Dworschak die Mannschaften bis zur D-Jugend, mit Klaus Unterreitmeier folgt die Zusammenarbeit von C- bis zur A-Jugend. Ziel ist technisch guter, fairer Fußball, um mit den besten Mannschaften im Landkreis konkurrieren zu können und so auch talentierte Spieler im Verein zu halten. Der Erfolg stellt sich ein. Und so holt Dworschak mit der A-Jugend, eine Spielgemeinschaft aus Taufkirchen, Moosen und Hohenpolding, die Meisterschaft sowie den Kreispokal gegen den Bezirksoberligisten Altenerding und scheitert erst bei der Qualifikation für das Bezirksfinale im Elfmeterschießen am Landesligisten SE Freising.

Offen und ehrlich ist Dworschak im Blick auf seine Laufbahn und den Fußball. „Ich habe die Erfolge und schönen Zeiten genossen, aber auch gesehen, dass alles seinen Preis hat. Die gesundheitlichen Risiken im Fußball sind nicht zu leugnen, die Folgen sehe ich jeden Tag in der Praxis“, weiß der Orthopäde. „Ich hatte Glück, dass ich keine schwere Knieverletzung hatte, zwei Sprunggelenkverletzungen reichten aber auch, um mich in meinem Interesse für die Medizin zu bestärken.“ Abschließend meint der 57-Jährige: „Fußball ist nicht so wichtig, aber dennoch gibt es nichts Schöneres, als mit meinem Praxiskollegen Markus Fischbeck – ebenfalls Träger des Fußballer- und BSG-Gens – in einer Arbeitspause kurz ein paar Sätze über dieses unwichtige Thema zu wechseln.“ Und dabei dürfte sicherlich auch das bayerische A-Jugendfinale 1982 zwischen dem TSV 1860 und dem 1. FC Nürnberg – mit „Matchwinner“ Dworschak – das eine oder andere Mal ein Thema sein.

Eicke Lenz

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