Aus dem Buch der Werte zitieren hier die Fußballmädels des FC Moosinning.
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Aus dem Buch der Werte zitieren hier die Fußballmädels des FC Moosinning.

Wenn brave Eltern plötzlich ausflippen – Ein Beitrag aus dem „Buch der Werte“

Merkur CUP: Disziplin muss vorgelebt werden

  • vonReinhard Hübner
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  • Dieter Priglmeir
    Dieter Priglmeir
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Der Merkur CUP wurde aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Ein Blick in das „Buch der Werte“ zeigt, was beim Fußball, neben Toren und Punkten, wichtig ist.

Kein Sportbetrieb in ganz Bayern. Das heißt auch: kein Merkur CUP in diesem Jahr. Wie berichtet, müssen wir heuer auf das größte E-Jugendturnier der Welt verzichten. Wir wollen dennoch die U 11-Teams aus dem Kreis vorstellen (siehe unten). Außerdem bleibt nun in dieser entschleunigten Zeit Platz für Dinge, die neben den Toren und Punkten auch den Fußball ausmachen. Dinge, die wir im „Buch der Werte“ zusammengefasst haben. In den kommenden Wochen wollen wir dazu einige Beiträge bringen. Der erste handelt von überehrgeizigen Eltern.

Die U 11-Partie fand im Landkreis Erding statt, ist aber schon einige Jahre her. Der Tabellenerste war zu Gast beim Vorletzten, und lag nach einer Viertelstunde 0:2 zurück. Ein Freistoß und ein Torwartfehler – so schnell kann’s gehen. Die Gäste stürmten, vergaben dickste Chancen und liefen in einen Konter. Ein Verteidiger jagte dem gegnerischen Mittelstürmer hinterher, da schrie ein Papa: „Hau ihn um!“

Tumulte am Spielfeldrand

Tumulte am Spielfeldrand. Kurze Unterbrechung. Der Spitzenreiter kam noch zu einem 2:2. Aber nicht nur wegen des Ergebnisses hatte das Spiel keinen Gewinner. Die meisten Eltern schämten sich für das, was gerade passiert war. Und die Kinder waren ohnehin fassungslos.

Der Sport, so hat man ihnen erzählt, vermittle Tugenden wie Teamgeist, Anstand und Fairness. Der Sport lehre sie, mit Erfolgen, aber auch mit Niederlagen umzugehen. Haben ihre Eltern das nicht begriffen, haben sie selbst nie Sport getrieben? Oder sind sie so sehr zerfressen vom Ehrgeiz, dass sie es nicht ertragen können, wenn ihr Kind ein Spiel verliert?

Eltern flippen aus

Überall lässt sich dieses Phänomen entdecken, überall dort, wo Kinder Sport treiben, nicht nur im Eishockey, auch im Fußball, im Handball, sogar beim Tennis. Auch da sollen schon Väter ausgeflippt und Mütter übergeschnappt sein, wird von bösen verbalen Entgleisungen und kleineren Rangeleien berichtet. Manchmal auch von großen. Was aber ist es nur, das den seriösen Banker plötzlich um die Contenance, die unbescholtene Geschäftsführerin aus der Fassung bringt, den freundlichen Versicherungsvertreter zum pöbelnden Proleten und die brave Hausfrau zur Furie werden lässt? Wird das Spiel der Kinder missbraucht als Möglichkeit, einmal richtig Dampf ab- und die Sau rauszulassen? Dass das der richtige Ort dafür bestimmt nicht ist, wissen sie hinterher selbst. Und meist ist es ihnen peinlich.

Warum sind Eltern so?

Aber warum sind Eltern so? Warum können sie ihre Kinder nicht einfach spielen, sich ganz normal entwickeln, ihren Weg gehen lassen? Vielleicht weil wir unsere unerfüllten Träume, unsere Wünsche und Hoffnungen in die Kinder projizieren, von ihnen das erwarten, was wir nicht geschafft haben. Sie sollen stark sein, erfolgreich, bewundert, sie sollen zu Stars werden, Deutschland sucht doch Superstars. Und deshalb müssen wir sie siegen sehen, immer und immer wieder.

Deshalb schicken wir sie ins Gefecht wie kleine Gladiatoren, die unseren Stolz mehren sollen. Und wir vergessen, dass es für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen Wichtigeres gibt als ein gewonnenes oder verlorenes Fußballspiel.

Dazu passt auch eine Szene aus einem Spiel beim Merkur CUP im Kreis Erding, an die sich der langjährige Spielgruppenleiter Rudi Simbeck gern erinnert. Ein Spielervater wanderte ständig an der Auslinie auf und ab und gab taktische Hinweise. Bis sein Sohn um etwas Ruhe bat: „Jetzt halt endlich die Klappe! Wir wollen doch den Fairnesspreis gewinnen.“ Diesen Wert haben mache Eltern noch nicht kapiert.

REINHARD HÜBNER DIETER PRIGLMEIR

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