Mit dem TSV Ampfing spielte Rainer Fleck mehrmals gegen die Münchner Löwen (hier gegen Rainer Leitl).
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Mit dem TSV Ampfing spielte Rainer Fleck mehrmals gegen die Münchner Löwen (hier gegen Rainer Leitl).

Rainer Fleck wird in der Serie „Erdings Top 100“ porträtiert

„Ich bin ein rationaler Mensch“ - Rainer Fleck über treue Karriere

  • vonRedaktion Münchner Merkur
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Rainer Fleck verdiente sich seinen Platz in der Serie „Erdings Top 100“. In der Bayernliga verzückte er sogar den Gegner – Angebote von Proficlubs lehnte er ab.

Taufkirchen Es winkt die große Fußballbühne. Der 1. FC Saarbrücken und der VfB Stuttgart wollen ihn holen, auch Christoph Daum ruft in Taufkirchen an. Doch der bodenständige Rainer Fleck entscheidet sich für seinen Beruf und die Karriere in der Bayernliga, und die kann sich mehr als sehen lassen.

Dabei wäre es beinahe nichts geworden mit der Sportart, in der er seine Gegner reihenweise schwindelig spielen, zahlreiche Tore erzielen und noch mehr vorbereiten sollte und der er sehr viel untergeordnet hat.

Fußballkarierre begann mit Umzug nach Taufkirchen

Erst im Alter von zwölf Jahren hat Fleck richtig mit dem Fußballspielen angefangen. Nachdem er als Sechsjähriger einen Schädelbruch erlitten hatte, wollen seine Eltern zunächst nicht, dass er Fußballer wird. Deshalb bolzt er nur auf dem Platz des Bezirkskrankenhauses in Haar bei München mit Freunden. Doch 1974 zieht die Familie nach Taufkirchen um, wo sein Vater die Verwaltungsleitung im Bezirkskrankenhaus übernimmt, und Rainer darf sich der damaligen BSG Himolla anschließen.

Recht schnell integriert er sich in der Schülermannschaft, lernt zwei Jungs kennen, zu denen bis heute eine tiefe Freundschaft besteht: Kurt Dworschak und Manfred Heilmeier. In den 1970ern gibt es im Jugendbereich nur die Unterteilung Schüler (bis 14 Jahre) und Jugend (bis 18 Jahre). So muss sich Fleck zuerst in der A2-Jugend gegen wesentlich ältere, aber technisch nicht ganz so versierte Spieler behaupten. Das meistert er mit Bravour. Von der A1 geht es für ihn mit 17 und einer Sondergenehmigung zu den Bezirksliga-Herren, die Robert Stöckl trainiert. „Der Trainer stellte mich in den ersten zwei Jahren als Manndecker für den gegnerischen Spielmacher auf“, erzählt Rainer Fleck.

Rainer Fleck: Wechsel zum TSV Ampfing

Schnell wird klar, dass er zu mehr als zum Manndecker berufen war. Fleck ist nun der Spielgestalter und spielt bis zum Alter von 22 Jahren in der Bezirksliga Ost. Zusammen mit Teamkollege Albert Ostermaier wird er in die Bezirksliga-Auswahl des Bayerischen Fußballverbands berufen. So macht sich der Spätberufene einen Namen über die Bezirksliga hinaus.

Gemeinsam mit seinem Freund Albert wechselt er im Doppelpack zum Bayernligisten Ampfing. Die beiden Klubs können sich nicht auf eine Ablösesumme einigen. Die beiden werden für drei Monate gesperrt, spielen in dieser Zeit in der dritten Mannschaft der Ampfinger, was ihnen Verein und Zuschauer hoch anrechnen.

Vier Jahre kickt Fleck in der damals dritthöchsten Liga des Landes. „Wir hatten einen unglaublichen Zusammenhalt in der Mannschaft. Auch die damalige „Münchner Fahrgemeinschaft“ um den Ex-Bayern-Profi Norbert Janzon sei gerne nach den Spielen im Kreis der Mannschaft sitzen geblieben, um die Erfolge aber auch die Misserfolge in geselliger Runde ausklingen zu lassen.

Rainer Fleck: „Unglaublich tolle Zeit gewesen“

„Es ist eine unglaublich tolle Zeit gewesen“, schwärmt Fleck. „Die Saison vorher spielte Ampfing noch gegen den Abstieg. Ein Jahr später waren wir plötzlich Dritter in der Bayernliga. Die Saison 85/86 war für mich das Jahr schlechthin“, sagt Fleck. Er wird in die Bayern-Auswahl berufen, die sich beim Länderpokal in Berlin gegen die Gastgeber 4:0 durchsetzt – auch dank zweier Treffer von Rainer Fleck. Zum Weiterkommen gegen Bremen reichte es aber an der Seite von Werner Lorant und Armin Veh nicht.

Ein Jahr später geht es in neuer Besetzung nach Barsinghausen gegen Mittelrhein und Bremen. Bei diesen Spielen werden auch Proficlubs auf Fleck aufmerksam. In Saarbrücken, beim damaligen Absteiger aus der 1. Bundesliga, bekommt er nach einem Probetraining einen unterschriftsreifen Vertrag vorgelegt. Der stets sehr geerdete Taufkirchener entscheidet sich jedoch dagegen. „Zwei, drei unverbindliche Anfragen gab es auch noch. Blau-Weiß Berlin (damals 1. Liga, die Red.) hatte Interesse, der VfB Stuttgart wollte mich als Vertragsamateur verpflichten. Und dann, an einem Sonntagmorgen, bekam ich in meinem Elternhaus einen Anruf von Christoph Daum. Er war damals Co-Trainer beim 1. FC Köln. Er fragte mich, ob ich Interesse habe und ich sagte ‘ja, schon’. Er sagte mir, dass sie mich beobachten würden und gegebenenfalls auf mich zurückkommen würden.“

Rainer Fleck: „Ich bin ein rationaler Mensch“

Daraus aber wird nichts. Die Frage nach einer verpassten Chance oder Zweifel, damals richtig gehandelt zu haben, stellt Fleck sich nicht. „Ich bin ein rationaler Mensch. Damals war ich 24 Jahre alt und hatte zwei Jahre zuvor mein Studium zum Betriebswirt abgeschlossen, anschließend leistete ich noch 18 Monate Wehrdienst ab. Mit einem Profivertrag wäre ich vier Jahre aus dem Studium heraus gewesen. Das war mir damals einfach zu ungewiss. Außerdem bin ich viel zu selbstkritisch. Meine große Schwäche war das Kopfballspiel. Auch deswegen, weil ich immer versucht hatte, aufgrund meines Schädelbruchs, dem zu entgehen“, erklärt Fleck. „Vielleicht hätte es anders ausgesehen, wenn ein wirklich großer, namhafter Verein gekommen wäre.“ Das „egoistische Profigeschäft“ und Rainer Fleck – das will irgendwie nicht zusammenpassen.

Im kleinen Ampfing ist das anders, dort spielt er bis 1988 in der Bayernliga. Es ist seine größte Zeit, mit Spielen vor knapp 15 000 Zuschauern etwa beim 3:3 im Grünwalder Stadion gegen 1860 München. Nach einer Partie gegen die SpVgg Fürth (mit dem späteren HSV-Spieler Dietmar Beiersdorfer) überschlägt sich die fränkische Presse und lobt den „jungen Spielmacher Rainer Fleck“, von dem man noch viel hören werde, wovon auch der Fürther Coach Günter Gerling überzeugt war. Es geht auch gegen Unterhaching mit Mani Bender (später Profi beim Karlsruher SC) oder gegen die SpVgg Bayreuth mit Armin Eck (FC Bayern, HSV). „Das war schon interessant, gegen solche Größen zu spielen. Die Routine und Klasse hat man bei Ex-Profis wie Lorant, Veh oder in Ampfing bei Janzon einfach gemerkt“, erzählt der bescheidene Spielmacher. „In Ampfing war Franz Schick, ein Mittelstürmer mit Torgarantie, dabei, der wurde dann Profi beim VfL Bochum. Franz schoss in drei Bayernliga-Saisons 90 Tore“, so Fleck – viele davon auf Vorlage des Taufkircheners.

Es gibt aber auch andere Begegnungen, etwa mit einem seiner engsten Freunde. „Kurt Dworschak war ein überragender Fußballer, er wurde mit Landshut damals Bayernliga-Meister. Gegen uns hat ihn Karsten Wettberg, ein gewiefter Trainerfuchs, auf mich angesetzt, weil er wusste, dass wir beide gute Freunde waren und uns gegenseitig neutralisieren würden.“

Rainer Fleck über Rückkehr zur BSG: „Das war eine wirklich sehr erfolgreiche Zeit“

Geld sei übrigens nie die Motivation gewesen, sagt Rainer Fleck. „Klar, war die Unkostenpauschale für mich als Student ein Wahnsinn. Mir ging es jedoch immer nur um den Fußballsport.“ Den spielt er nach vier erfolgreichen Jahren in der Bayernliga schließlich wieder bei seinem Heimatverein. Zusammen mit Albert Ostermaier, der Spielertrainer wird, wechselt er 1988 zurück zur BSG, die von der Bezirksoberliga auf Anhieb in die damals vierthöchste Liga aufsteigt. In dieser Landesliga Süd spielt Rainer Fleck noch sechs weitere Jahre für die BSG. „Das war eine wirklich sehr erfolgreiche Zeit“, erzählt er. Es sollte auch die erfolgreichste Zeit der BSG bleiben. „Der Sportkurier, eine damals angesagte Sportzeitschrift, wählte mich neben Stefan Reich von Unterhaching zum besten Spieler der Landesliga Süd.“

1995 ist Schluss. Die BSG ist abgestiegen. Zwar lässt sich Fleck noch einmal kurzzeitig reaktivieren. Es habe ihm aber wesentlich mehr Spaß gemacht, „ohne Zwang“ in der Altherren-Mannschaft der Taufkirchener zu kicken. Zuvor hatte er zwischen seinem 17. und dem 33. Lebensjahr dem Fußball alles untergeordnet.

In seiner Bezirksliga-Zeit in Taufkirchen trainierte Rainer Fleck fünf bis sechs Mal in der Woche

Um überhaupt so erfolgreich geworden zu sein, spielte für Fleck die große Bereitschaft, sich über das geforderte Maß hinaus im Training immer noch etwas mehr zu geben, die entscheidende Rolle. In seiner Bezirksliga-Zeit in Taufkirchen habe er zum Beispiel fünf bis sechs Mal in der Woche trainiert. „Jeden Tag ging ich im Reckenbacher Wald zum Laufen. Bei meinem Freund Norbert Heigl haben wir in der elterlichen Firmenhalle zwischen Maschinen Eins-gegen-Eins gespielt oder in seinem selbst gebauten Fitnessraum Krafttraining gemacht.“

Auch ungewöhnliche Trainingsmethoden habe er in sein Programm aufgenommen. „Zum Beispiel hat uns Franz Woller, unser damaliger Trainer, mit den Bällen in den Wald am Waldbad geschickt. Wir sollten die Bäume und Wurzeln umdribbeln, um technisch besser zu werden“, erzählt Fleck schmunzelnd. „Disziplin und Fleiß sind Grundvoraussetzungen“, sagt er. „Eine extreme Freude am Fußball und das Glück, von größeren Verletzungen verschont zu bleiben, sind die Schlüssel für meine erfolgreiche Karriere“, so der 59-Jährige. „Erst nach meiner aktiven Zeit habe ich mir in der AH das Kreuzband gerissen“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Rainer Fleck nahm gerne an Benefiz-Fußballspielen teil

Er habe dem Fußball immer alles untergeordnet. Urlaube und alle anderen Planungen waren immer auf den Spielplan ausgerichtet, was ohne das Verständnis und die Unterstützung seiner Frau Bärbel sowie der beiden Kindern Constanze und Kilian nicht umzusetzen gewesen wäre.

Immer besonders gerne hat Fleck an Benefiz-Fußballspielen teilgenommen, wenn etwa Robert „Terrier“ Glasl, ehemaliger Mitspieler in der Bezirksligamannschaft, zu Spielen zugunsten der DKMS-Stiftung eingeladen hat. Ebenso nehme er mit großer Freude an den jährlichen Spielen der Behinderteneinrichtung in Algasing teil. Zu sehen, welche Freude der Fußball bei vielen Menschen, egal mit welchem Können, hervorruft, erfülle ihn selbst mit Freude.

Das Schönste aber sei nun, 45 Jahre später, für ihn der Moment gewesen, als die drei Spezln Manfred, Kurt und Rainer zusammen auf der Tribüne saßen und bei einem Spiel der zweiten Mannschaft der BSG zuschauten. Auf dem Feld waren ihre Söhne Julius, Thomas, Konstantin und Kilian. Ein „unbeschreibliches Gefühl“ sei das gewesen, „und so schließt sich jetzt der Kreis. Die durch den Fußball gewonnenen Freundschaften sind mir mehr wert, als jeder verdiente Euro im Profigeschäft“.

(Tobias Fischbeck)

ERDINGS 100 GRÖSSTE SPORTLER ALLER ZEITEN

Bisher erschienen:13. Platz: John Samanski (Eishockeyprofi aus Erding); 14. Albert Gröber (Fußballprofi aus Moosinning/Eitting); 15. Andreas Voglsammer (Bundesliga- Fußballer aus Dorfen); 17. Maxi Dallinger (Schütze aus Lengdorf); 18. Leonhard Nunberger (Fußballer FC Bayern); 19. Patrick Dogue (Moderner Fünfkämpfer aus Oberdorfen); 20. Heinz Klupp (Kickboxer aus Erding); 21. Amelie Zachenhuber (Schwimmerin aus Reisen); 22. Hans Bruckmeier (Leichtathlet aus Altenerding); 23. Horst Soika (Boxer aus Eitting); 24. Sepp Berg (Fußballer des FC Bayern, später BSG Taufkirchen); 25. Annette Zweck (Tennisspielerin aus Erding); 26. Petra Müller (geb. Scharl, Schützin aus Taufkirchen); 27. Susie Falkenstein (Mittelstreckenläuferin aus Erding); 28. Prof. Dr. Ulrich Haevecker (Marathonschwimmer); 29. Martin Rötzer (Kickboxer aus Erding); 31. Alexandra Engelhardt (Ringerin aus St. Wolfgang); 35. Sebastian Bönig (Zweitliga-Fußballer aus Erding); 38. Sebastian Busch (Eishockeyprofi aus Langengeisling); 39. Heidi Schneider (Bundesliga-Volleyballerin); 40. Vitus Eicher (Fußballprofi aus Langengeisling), 43. Karl Pfeiffer (Radsportler aus Langengeisling); 44. Alexandra Mitschke (Extremsportlerin aus Erding); 48. Erwin Müller (Tennisspieler aus Erding); 51. Tuan Dang (Gewichtheber aus Erding); 53. Albert Ostermaier (Fußballer u.a. BSG Taufkirchen); 56. Pascal Winter (Schwimmer aus Erding); 57. Günter Eberhard (Turner TSV Isen/1860 München); 59. Valentin Busch (Eishockeyprofi aus Langengeisling); 60. Arnd Zabka (Triathlet aus Erding); 62. Julia Thiem (Tennisspielerin aus Erding); 63. Sebastian Schwarz (Eishockey-Spieler aus Erding); 65. Rainer Fleck (Fußballer u.a. BSG Taufkirchen), 67. Anton Bönig (Fußballer, u. a. beim FC Moosinning); 69. Philipp Michl (Eishockeyspieler aus Erding); 73. Günter Krzizok (Motorsportler aus Erding); 75. Georg Schatz (Ringer aus Aufkirchen); 78. Andreas März (Schwimmer aus Wörth); 80. Attila Babos (Tennisprofi aus Erding); 81. Martin Brandlhuber (Ski-Ass aus St. Wolfgang); 83. Michael Obermeier (Langstreckenläufer aus Inning); 84. Maria Eiglsperger (Turnsportlerin des TSV Dorfen); 90. Stefan Leitner (Handballer aus Altenerding); 91. Florian Betzl/Sepp Wiesmeier (Motorsportler aus Eichenried); 92. Fabian Seidl (Skispringer des SC Auerbach); 93. Susanne Schneider (Handballerin aus Erding); 96. Savas Kepic (Fußballer, u.a. TSV Erding); 97. Franz Herbst (Eisschwimmer aus Pemmering); 98. Florian Maurer/Christian Zach (Highspeed-Skifahrer, Granting.

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