Geht’s bald wieder los? Das Bild stammt vom August 2020 und zeigt Moosinninger Fußballer.
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Geht’s bald wieder los? Das Bild stammt vom August 2020 und zeigt Moosinninger Fußballer.

Vereine beobachten die kommende Tag mit Skepsis

Re-Start: „Das ist mir zu schwammig“ - Stimmen zur Lockerung im Sport

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Am 8. März beginnt der Fünf-Stufen-Plan der Bayerischen Staatsregierung. Die Vereine  aus dem Raum Erding bewerten die Lockerungen unterschiedlich.

Erding – So recht wissen die Sportler im Landkreis noch nicht, was sie mit den Lockerungen im Amateur- und Breitensport anfangen sollen, die nach dem Bund-Länder-Gipfel in Aussicht gestellt wurden. So könnte etwa ab 22. März Kontaktsport bei einer Inzidenz unter 50 möglich sein, bei einem Wert von 50 bis 100 ebenfalls, allerdings mit Schnell- und Selbsttest. Kontaktsport in Hallen würde ab 5. April bei einer stabilen Inzidenz unter 50 erlaubt sein. Schon ab 8. März sollen bis zu 20 Kinder bei einer Inzidenz unter 100 im Freien, allerdings noch ohne Kontakt, trainieren dürfen. Wie gehen die Sportvereine und Fitnessstudios damit um? Wir haben uns umgehört.

BLSV-Kreisjugend: Teamsport in der Halle?

Werner Lauer, Chef der BLSV-Kreisjugend, zeigte sich erfreut, „dass es langsam wieder los geht“. Für den Mannschaftssport in der Halle sieht er allerdings erst einmal schwarz: „Kontaktfreier Mannschaftssport, wie soll denn das funktionieren? Da sehe ich Probleme.“

Warten auf das Go vom Sportamt

Die Erdinger Leichtathleten warten noch auf die die Rückmeldung der Stadt. „Erst wenn das Sportamt uns ein Go gibt, dürfen wir ein bisschen loslegen“, sagt Kerstin Weber. Ohnehin seien die Angaben noch nicht konkret genug. Zehn Personen dürften ins Stadion. „Pro Trainer?“, fragt Kerstin Weber. „Welche Altersgruppe ist gemeint. Mal heißt es nur die U 14, aber was ist mit unseren U18 und U16?“ Momentan sei das Wetter ohnehin viel zu unbeständig für Outdoor-Training. Weber gab zudem zu bedenken, dass mangels Flutlicht im Stadion momentan ab 17.45 Uhr ohnehin nichts mehr geht. Sie würde sich wünschen, dass ein paar Sportler zusammen mit den Kaderathleten in der Halle mittrainieren dürften. „Es wird auch nicht unkompliziert, jeden Tag nachzusehen, ob Erding über oder unter der Inzidenz von 50 liegt. Entsprechend muss man dann Sportler per WhatsApp zügig wieder vom Training ausladen. Wer macht das jeden Tag?“

Schollbach: Endlich ein fixer Termin

Ein wenig Erleichterung herrscht im Sportpark Schollbach. „Mit dem 22. März haben wir jetzt einen Zeitpunkt, an dem wir unsere Planungen ausrichten können“, sagt Simon Klawe. Zwar würden dann auch da noch keine Präsenz-Aerobicstunden mit Großgruppen möglich sein, „aber der Gerätebereich kann dann wieder genutzt werden. Für die entsprechenden Abstände werden wir natürlich sorgen“, sagt Klawe, der auch davon ausgeht, dass Tennis, Badminton und Squash wieder möglich sind, „weil es ja Ballsportarten mit höchstens vier Leuten sind“.

Altenerdings Jugend beginnt am 15. März

Altenerdings Fußballchef Andreas Heilmaier freut sich über das von der Politik gesendete Signal, „dass wir zeitnah wieder rauskommen“. Allerdings hält er den nächsten Schritt für die Amateurvereine „für schwer umsetzbar“, wenn – sollte man unter der Inzidenzgrenze bleiben – Tests von Spielern und Zuschauern erforderlich seien. Er bezweifle auch, dass man aufgrund der Erhöhung der Tests, dauerhaft unter der inzidenzgrenze von 100 bleiben wird.

Zudem seien die Vorgaben der Regierung noch sehr schwammig formuliert. Heilmaier erhofft sich vom Fußballverband konkrete Informationen. Zudem müsse man noch abwarten, wann die Stadt Erding die Anlagen wieder freigibt. „Einen Start am kommenden Montag sehen wir als zu früh an.“ Für den Fußballnachwuchs bis zur U 14 sei der Trainingsstart nun am 15. März anvisiert, „alles andere ist noch völlig offen“.

Forstern wünscht sich konkretere Vorgaben

Auch Albert Bowinzki (FC Forstern) findet es „grundsätzlich positiv, dass es wieder in Richtung Fußball geht und ein bisserl einen Leitfaden gibt“. Allerdings seien die Regelung so vage, dass man davon keine konkreten keine Trainingsstart ableiten könne. „Bedeutet ,regional‘ landkreis- oder bayernweit? Was ist mit ,kontaktlos‘ gemeint? So lange das nicht geklärt ist, kann man kein Training planen.“ Für „fragwürdig“ hält er auch die These von Sportwissenschaftlern, dass drei Wochen Saisonvorbereitung genügen würden (wir berichteten).„Wir kommen von einer sechsmonatigen Pause, sind im niedrigen Amateurbereich angesiedelt, in dem sich nicht jeder täglich fit hält.“ Bowinzki, selbst Sportwissenchaftler, befürchtet eine Verletzungswelle.

Türkgücu und Hörgersdorf starten

Benji Tas, Spielertrainer des Fußball-Kreisklassisten FC Türkgücü Erding gibt zu, dass er sich noch mehr Lockerungen gewünscht hätte. „Die Hoffnung für mehr war da, aber realistisch war es nicht.“ Sobald die Plätze offen sind, „werden wir langsam anfangen. Viele meiner Spieler wollen einfach nur auf den Platz – ich genauso. Wir teilen uns ins Gruppen und trainieren an mehreren Tagen“. Martin Grasser zeigte sich überrascht, „dass es nun doch etwas schneller geht als erwartet“. Der Spielertrainer des Fußball-Kreisklassisten FC Hörgersdorf will nach Absprache mit seinem Trainerteam nächste Woche in Gruppen starten. „Ich freue mich darauf.“ Er trage die Coronamaßnahmen grundsätzlich mit, wünsche sich aber von der Politik mehr Entschlossenheit. „Wir priorisieren uns Tode, während Impfstoff auf Halde liegt. Ebenso legen wir immer noch massig zweite Impfdosen zurück. Ein guter Impfstoff wird nur bis 64 Jahre zugelassen, und wir machen nach der Zulassung erst eine Taskforce zur Beschaffung von Selbsttests.“ Das führe dazu, dass unnötig Zeit vergeht und keine Konzepte zur Ermöglichung von mehr und sichereren Kontakte umgesetzt werden können.

Aspis tritt auf die Bremse

Auf die Bremse tritt dagegen Aspis Taufkirchern. „Meine Jungs haben wieder richtig Lust, gemeinsam zu kicken“, sagt Spielertrainer Leo Balderanos. „Jedoch halten sich alle weiterhin selbst fit, weil es in meinen Augen keinen Sinn macht, unter diesen Voraussetzungen ins Mannschaftstraining zurückkehren. Den Mannschaftssport nur abhängig von den Inzidenzzahlen zu machen halte ich nicht für sinnvoll. Das ist mir zu schwammig.“

Klettham: Start mit Kleingruppen

Die Sehnsucht nach Fußball sei natürlich groß, meint auch Kletthams Abteilungsleiter Patrick Tischer. Er werde sich in der nächsten Woche mit dem Trainerstab zusammensetzen und die nähere Zukunft planen. „Alles was machbar ist, werden wir mitnehmen und die Trainingsgruppen entsprechend verkleinern. Sobald auch das endgültige Go bezüglich der Sportstätten da ist, werden wir loslegen.“ Einen Einblick ins Seelenleben der Fußballer gewährt Samir Merdanic, Trainer des FC Langengeisling 2. Es werde schwer werden, konstant unter dem Inzidenzwert zu bleiben. „Dann spielst du endlich, dann ist nach zwei Monaten wieder Pause. Es ist ist nicht leicht, sich dazu motivieren“. Allmählich glaube er, „die Saison 2019 endet 2030“. Weitere Reaktionen folgen.

(Dieter Priglmeir)

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