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Stratege am Ball: Tim Schels war Mittelfeldmotor in Heimstetten. Er spielte in der DFB-Auswahl, war jüngster Regionalliga-Spieler aller Zeiten und wechselt nun in die USA.

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Tim Schels: Sportstudent in Michael Jordans Ex-Uni

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Das Pretzener Fußballtalent Tim Schels (21), Mittelfeldass des Regionalligisten SV Heimstetten, hat ein Stipendium für die renommierte University of North Carolina.

Erding – Im Landkreis Erding begann seine Fußballkarriere, in Israel fand sie ihren bisherigen Höhepunkt, und jetzt geht für Tim Schels in die USA. Der 21-Jährige Pretzener, der zuletzt in der Regionalliga für den SV Heimstetten gespielt hat, kann damit Studium und Sport verbinden.

2004 begann Schels als Fünfjähriger beim FC Schwaig, wechselte 2007 zur SpVgg Altenerding, bei der er ebenfalls drei Jahre lang kickte. Der Merkur CUP, für viele Kinder der Region ein absolutes Highlight ihrer Karriere – Schels durfte gleich dreimal ran. Als F-Jugendlicher half er den Schwaiger E-Kickern, zweimal war er für Altenerding im Einsatz. „Wir sind immer bis ins Bezirksfinale gekommen und dort leider ausgeschieden“, bedauert er.

Schels kam über den SE Freising zur SpVgg Unterhaching, für die er mit 16 Jahren jüngster Spieler in der Geschichte der Regionalliga wurde. 2017 folgte sein Debüt bei den Profis in der Drittligapartie gegen den SV Meppen. Am 15. Dezember 2017 debütierte er in der DFB-Juniorenauswahl. Dann bremsten schwere Verletzungen die Karriere. Schels wechselte 2018 in die Regionalliga nach Heimstetten, wo er schnell zum Stammspieler wurde und als Leistungsträger zum Vize-Kapitän befördert würde. Anfang dieses Jahres riss er sich im Training den Innenmeniskus und musste am Knie operiert werden. Nach Reha und Aufbautraining ist er wieder fit – und bereit für die USA. Der 21-Jährige, der bisher Sportwissenschaften an der TU München studiert hat, wechselt an die University of North Carolina (UNC), für die er ein Stipendium erhalten hat. Wir sprachen mit ihm.

Herr Schels, warum haben Sie sich entschlossen, in die USA zu gehen?

Das College war schon immer ein kleiner Traum von mir. Dass der Sport dort so eine tragende Rolle spielt und wie die ganze Uni hinter den einzelnen Sportmannschaften steht, das fand ich immer schon cool. Und das wurde mir auch von anderen bestätigt, die schon drüben waren. Es gibt aber nur einen bestimmten Zeitraum, in dem man das machen kann. Durch die NCAA (National Collegiate Athletic Association, die Sportprogramme in US-Colleges und Universitäten organisiert, Anm. d. Red.) sind da sehr viele Vorschriften gegeben vom Alter über Amateurstatus und Verdienstgrenzen. Da ich vor zwei Jahren mein Studium in München begonnen habe, hat sich das für mich jetzt perfekt ergeben. Ich kann Uni und Fußball verbinden.

Wann geht’s los?

So schnell wie möglich. Eigentlich wollte ich diesen Freitag fliegen. Durch Corona geht das nicht, da die Botschaft noch geschlossen ist. Aber ich hoffe mal, dass sie in den nächsten Tagen öffnet und ich mein Visum möglichst schnell beantragen kann und dann auch erhalte. Sobald ich das habe, werde ich sofort rüberfliegen. Die UNC ist eine der besten Unis für Fußball und Studium. Sie ist vielleicht einigen geläufig, weil dort Michael Jordan studiert hat.

Was sind dort Ihre sportlichen und beruflichen Perspektiven?

Die UNC ist eine der renommiertesten Unis. Ich werde Sportmanagement studieren. Wenn ich dort meinen Abschluss mache, vielleicht sogar meinen Master, werde ich eine super akademische Ausbildung haben. Danach wird man sehen, ob in diese Richtung was geht. Priorität hat aber auf jeden Fall noch der Fußball. Ich bin in der ACC – das ist die stärkste Conference in der Division 1. Es ist die beste Liga, in der man sein kann. Dazu noch eine der besten Unis – das ist sportlich für mich top. Wenn ich da ein, zwei oder vielleicht drei gute Jahre spiele, dann wird man sehen, inwieweit der Draft in die MLS (Major League Soccer, sozusagen die US-Bundesliga, Anm. d. Red.) möglich ist. Ansonsten wird man sehen, ob ich vielleicht in den USA bleibe oder wieder zurückkomme. Ob im Fußball oder eben anders – das wird sich alles zeigen.

Welchen Einblick haben Sie bereits in den amerikanischen Fußball?

Um ehrlich zu sein, relativ wenig. Klar, ich habe schon ein paar Spiele gesehen, auch von meiner künftigen Uni sowie von ein paar anderen, die noch zur Wahl standen. Aber man muss es einfach selbst erlebt haben, um den Fußball einschätzen zu können. Was ich schon sicher weiß, ist, dass es sehr physisch zugeht und ich mich athletisch auf jeden Fall verbessern werde und auch muss, damit ich stärker und stabiler werde.

Wovon profitieren Sie durch Ihre Zeit zum Beispiel bei der SpVgg Unterhaching?

Technisch und taktisch habe ich eine sehr gute Ausbildung genossen. Da werde ich vermutlich schon Vorteile haben. Aber im Endeffekt weiß ich das nicht genau. Ich habe nur mit Leuten gesprochen, die schon drüben waren und mich auch kennen.

Wenn Sie auf Ihre bisherige Fußballlaufbahn zurückblicken: Was waren die Highlights?

Das sind zum einen die Erfahrungen in der U 18-Nationalmannschaft, allen voran das einwöchige Vier-Länder-Turnier in Israel. Das war ein einmaliges Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Und zum anderen, dass ich mit 16 der jüngste Regionalliga-Spieler war, bei Haching im Herren-Kader stand und auch einige Spiele gemacht habe.

Auf was hätten Sie verzichten können?

Schwer zu sagen. Ganz klar die Verletzungen. Die schwerste war zuletzt der Meniskusriss. Aber auch das gehört eben zum Sport. Ansonsten kann man sich im Nachhinein fragen, ob die eine oder andere Entscheidung richtig war. Aber ich würde es wahrscheinlich wieder so machen, weil die einzelnen Stationen und Erlebnisse einen prägen. Daran wächst man, auch wenn es manchmal vielleicht negative Erfahrungen sind. Insgesamt kann ich sehr positiv auf meine bisherige, noch junge Karriere zurückblicken.

... die ja vielleicht in den USA mehr als nur eine Zwischenstation hat, wie Sie angedeut haben.

Es kommt eben drauf an, wie es im Fußball läuft. Da ich in der stärksten Conference spiele, werden auch die meisten Scouts zuschauen. Wenn man in der ACC eine gute Rolle spielt, ist der Sprung in den Draft zur MLS möglich und auf jeden Fall das kurzfristige Ziel in den nächsten zwei, drei Jahren. Deshalb kann ich mir natürlich vorstellen, in den Staaten zu bleiben. Aber im Endeffekt weiß ich auch nicht, wie mir das Leben in den USA gefallen wird. Wie ich die Leute bisher kennengelernt habe, kann ich es mir auf jeden Falls vorstellen. Das wird man aber erst vor Ort sehen.

Ganz konkret: In welchem Verein würden Sie gern in zwei Jahren spielen?

Schwer zu sagen, da man sich das selten komplett selber aussuchen kann. Wenn man es jetzt mal rein auf die USA bezieht, dann vielleicht Miami. Da steigt gerade David Beckham ein. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass in den nächsten zwei, drei Jahren der eine oder andere internationale Topstar hinwechseln wird, wenn er von Beckham gerufen wird. Von daher würde ich natürlich Miami nehmen. Aber, wie gesagt, das ist im Moment alles schwer zu sagen.

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