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„Dorfens bester Trainer“ tritt zurück: Christian Wiggerl Donbeck. 

Fußball

TSV Dorfen: Darum trat Trainer Wiggerl Donbeck zurück

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Der Coach wertet die angekündigte Etatkürzung als Vertrauensbruch. Fußballvize Schöberl beteuert: Wir wussten nicht früher Bescheid

Dorfen– Paukenschlag beim Fußball-Bezirksligisten TSV Dorfen. Trainer Christian „Wiggerl“ Donbeck hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Der 47-Jährige reagierte damit auf die Mitteilung der Abteilungsführung, die den Etat in der kommenden Saison um 20 Prozent kürzen will. Das sei in etwa der Betrag, um den der Verein den Etat im Vorjahr aufgestockt habe“, erklärte der Sportliche Leiter Markus Listl.

Ihm gehe es dabei nicht darum, dass er weniger Geld zur Verfügung habe, sagte Donbeck. Aber ihn störe, dass man ihn noch vor wenigen Wochen immer wieder um eine Entscheidung gebeten habe, ob er auch in der neuen Saison zur Verfügung stehe, ohne ihn auf die Budgetkürzung hinzuweisen. „Man hätte mich damit ins offene Messer laufen lassen.“ Der Trainer, der hauptberuflich als Geschäftsführer beim Eishockey-Zweiligisten EC Bad Tölz beschäftigt ist, wertete dies als Vertrauensbruch. „So etwas geht im Amateursport einfach nicht“, sagt er der Heimatzeitung.

Donbeck hatte den TSV vor zwei Jahren in der Winterpause übernommen und die Mannschaft noch sensationell aus dem Tabellenkeller geholt und den Klassenerhalt geschafft. In der vergangenen Saison gelang mit Rang vier in der Bezirksliga Ost die beste Platzierung in der Vereinsgeschichte. „Es hat super Spaß gemacht. Ich habe noch nie mit einer Mannschaft zusammengearbeitet, die vom Ersten bis zum Letzten immer voll durchgezogen hat. Wenn du an Allerheiligen um zehn Uhr morgens ein Training ansetzt, dann sind alle da. Ein Hönninger, ein Hartl, Heilmaier, Mittermaier, Heilmaier Wolf oder Thalmeier – das sind Traumtypen für einen Trainer.“

Auch die Zusammenarbeit mit Co-Trainer Sascha Hänle, dem Sportlichen Leiter Markus Listl und Betreuer Robert Haban sei eine Freude gewesen. Er habe die Loyalität der beiden sehr geschätzt. Umso enttäuschender sei nun die Mitteilung durch die Abteilungsleitung gewesen, dass der Etat zur neuen Saison um eine fünfstellige Summe gekürzt werden müsse. „Im November und Dezember hatten wir noch über die künftige Zielsetzung gesprochen“, erzählt Donbeck. Mittelfristig sei die Landesliga ein Thema gewesen. Er habe aber aus beruflichen Gründen („Ich muss erst die Situation in Tölz abwarten“) noch nicht für die neue Saison zusagen können. Donbeck ärgert sich, dass damals die Etatkürzung nie Thema gewesen sei. Weniger Geld würde bedeuten, „dass du drei Spieler wegschicken musst. Und das hätte ich den Jungs vor dem ersten Training dann auch gesagt. Sie haben es verdient, dass man offen und transparent mit ihnen umgeht. Nur so funktioniert es im Amateursport.“

Berni Schöberl, 2. Abteilungsleiter des TSV, bedauert Donbecks Rücktritt. „Wir haben ihm sehr viel zu verdanken. Das komplette Jugendkonzept basiert zum Beispiel auf seiner Arbeit. Dass es nun so gekommen ist, tut uns sehr leid.“ Der Fußballvize beteuerte aber, dass sich die Finanzlücke erst beim Jahresabschluss in diesem Ausmaß aufgetan habe. „Wir haben das sofort weitergegeben. Es sind im Winter einige Projekte nicht so gelaufen, wie wir uns das erwünscht haben.“

Markus Listl ist im sechsten Jahr Sportlicher Leiter beim TSV. Als Angestellter des Vereins müsse er die Finanz-Entscheidung der Abteilungsführung akzeptieren, „denn man kann nicht mehr ausgeben, als man hat“. Er habe zwei Tage gekämpft, aber Donbeck nicht mehr umstimmen können. Er bezeichnet den Rücktritt als „großen Schock. Für mich hatten wir mit Wiggerl an der Spitze das beste Trainerteam, das Dorfen je hatte“. Dessen Trainer-Partner Sascha Hänle übernimmt nun gemeinsam mit Günter Schatz, der zugleich Stützpunkttrainer ist, die Mannschaft in der Rückrunde.

Am Kader ändert sich in der Rückrunde nichts – auch wenn offensichtlich die komplette Mannschaft Donbecks Entscheidung bedauert. „Es haben sich inzwischen fast alle Spieler bei mir telefonisch gemeldet“, erzählt der Ex-Trainer, der nun hofft: „Der Verein kann sich ja jetzt mein Trainergehalt sparen. Damit kann der TSV hoffentlich alle Spieler halten.“ Er wünsche sich das für seinen Heimatverein, der eine Fanbasis habe, die es nur noch selten gibt. „200 bis 300 Zuschauer bei den Heimspielen, 60 bis 70 Leute, die auswärts mitfahren – wo findest du den so etwas noch?“, fragt er.

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