Der FC Moosinning muss wie alle Vereine nach wie vor auf Zuschauer verzichten.
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Der FC Moosinning muss wie alle Vereine nach wie vor auf Zuschauer verzichten.

Ausschluss von Fans heiß diskutiert

Thumbs: „Verband redet sich aus allem raus“ - Geisterspiele „zum Kotzen“

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Zuschauer sind bei Testspielen weiterhin nicht gestattet. Im Landkreis sind die Gemüter der Verantwortlichen deswegen mancherorts erhitzt.

VON DIETER PRIGLMEIR

Dorfen/Erding – Der Mann war sauer. Bereits zum vierten Mal sei er jetzt schon zum Dorfener Fußballplatz geradelt, doch vor dem Zauntor war wieder einmal Endstation. Der Bayerische Fußballverband (BFV) lässt bei Testspielen noch keine Zuschauer zu, und daran hält sich freilich auch der TSV Dorfen. Deshalb war auch der 4:3-Testspielerfolg gegen den SV Lerchenau (wir berichteten) nur von der Straße aus zu verfolgen. „Die Stimmung unter den Fans war schon angespannt. Da haben schon einige gemault“, berichtet ein Dorfener Augenzeuge, der aber auch sagt: „Der TSV macht das absolut richtig.“

FC Türkgücü Erding: Keiner versteht die Entscheidung - im Erdinger Stadion ist genug Platz für den nötigen Abstand

Unruhe bei den Fans – das kennt auch Benji Tas, Spielertrainer des Kreisklassisten FC Türkgücü Erding: „Da wir eine komplett neue Mannschaft aufgestellt haben, sind die Zuschauer natürlich voll motiviert und wollen auch gerne dabei sein.“ Tas kritisiert die Vorschriften, die der BFV aufgrund der staatlichen Maßgaben ausgegeben hat: „Keiner versteht die Entscheidung. Im Erdinger Stadion ist genug Platz für Zuschauer, die mit nötigem Abstand das Spiel verfolgen können.“ Aussagen wie „Drüben im Schwimmbad liegen Hunderte von Menschen nebeneinander, aber wir dürfen kein Fußball schauen“, habe er schon oft hören müssen. „Natürlich werden alle Entscheidungen des BFV akzeptiert und umgesetzt, jedoch ist es nicht für jeden selbstverständlich, die Logik zu verstehen“, fasst Tas zusammen.

FC Lengdorf: Warum bei Spielen keine Zuschauer, wenn bei Vereinsveranstaltungen im Freiein bis zu 200 Leute teilnehmen

„Bei unserem ersten Testspiel gegen den TSV Vilslern gab es mehrere Anfragen von unseren Fans“, berichtet auch Anton Bauer vom FC Lengdorf. „Einige waren sehr unglücklich, dass sie nicht kommen dürfen.“ Er fragt: „Warum dürfen bei Fußballspielen keine Zuschauer kommen, wenn bei Vereinsveranstaltungen im Freien bis zu 200 Personen teilnehmen. Wir wünschen uns sehr, dass beim Punktspielstart Zuschauer erlaubt sind“, ansonsten stehe der FCL vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen.“

FC Moosinning: Beim Derby gegen den FC Schwaig kämen 1000 Zuschauer - Verhältnismäßigkeit stimmt nicht mehr

Keine Probleme mit „illegalen“ Zuschauern vermeldet Moosinnings Vorsitzender Karl Thumbs: „Die Zuschauer benehmen sich durchwegs vorbildlich. Der eine oder andere aktive Spieler der anderen Herrenmannschaften schaut mal vorbei, das war es dann auch schon. Wenn wir am Nebenplatz spielen, schauen einige von der Stockschützenbahn aus zu. Ansonsten scheint es gar keinen mehr zu interessieren, ob es die liebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen überhaupt noch gibt oder nicht.“

Dann wird Thumbs deutlich: „Generell macht es im Amateurfußball derzeit keinen Spaß mehr, denn der Verband redet sich mit allem raus, gibt immer nur Empfehlungen ab oder hat sich an die Vorgaben der Staatsregierung und der Behörden zu halten, aber eine klare Ansage, ob ab September ohne Zuschauer gespielt werden darf beziehungsweise muss, fehlt halt immer noch.“

Thumbs blickt auf den Derby-Auftakt gegen den FC Schwaig: „Im Normalfall hätten wir da fast 1000 Zuschauer. Wenn die beiden Mannschaften das Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen sollen, dann kriegt man das Kotzen. Wenn ich daran denke, dass nebenan am Badeweiher zwischen 500 und 1000 Besucher Decke an Decke liegen und im weiten Fußballrund ein Verbot herrscht, stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht mehr.“

Thumbs: Bei Münchner Stadtvereinen kommen „eh bloß ein paar Hansel auf den Bezirkssportanlagen“

Thumbs greift Aussagen von Münchner Stadtvereinen auf, „dass sie sich Spiele ohne Zuschauer jederzeit vorstellen können“, weil sich „eh bloß ein paar Hansel auf den Bezirkssportanlagen“ rumtreiben. Für den FCM-Chef ist das ein Beleg dafür, dass die Fußballgemeinschaft im ganzen Land gespalten sei. „Dass die Leute auf dem Land aber auch zum Spiel gehen, da sie ihre sozialen Kontakte pflegen wollen. Dass sie mit den Spielern ins Gespräch kommen können. Dass den Vereinen speziell in den Derbys eine Menge Geld in der Kasse fehlt. Das alles interessiert beim Verband keinen.“

Man könne das nicht mit den Profivereinen vergleichen, die von den Fernseheinnahmen leben. „Entweder wir spielen mit Zuschauern, oder wir lassen es bleiben, denn zum einen geht der Fußball kaputt und zum anderen die Vereine.“

TSV Wartenberg: „Wenn sich am Badeweiher Hunderte Schulter an Schulter in der Sonne aalen...“

Auch Thomas Rademacher, Pressesprecher des TSV Wartenberg, berichtet von Diskussionen und Unverständnis bei den Beteiligten, „wenn sich am Badeweiher Hunderte Schulter an Schulter in der Sonne aalen, aber bei einem Amateurfußballspiel auf einem meist doch sehr großen Gelände keine 50 Personen zugelassen sind. Da schüttelt manch einer schon mit dem Kopf.“

Rademacher: „Verband übernimmt lieber blindlings alles, was das Ministerium vorgibt“

Rademacher vermutet, dass es „andere und clevere Lösungen“ gegeben hätte, „wenn man denn gefragt worden wäre. Aber der Verband übernimmt lieber blindlings alles, was das Ministerium vorgibt. Es bleibt der Eindruck, als ob man sich nicht für die kleineren Vereine einsetzen möchte.“ Die Clubs blieben auf nicht unerheblichen Kosten sitzen, haben aber keinerlei Einnahmen. „Auf Dauer ist das nicht für jeden tragbar“, meint Rademacher, der aber bestätigt, dass es bisher bei den Testspielen noch nicht zu Streitigkeiten oder dummen Kommentaren in Richtung der Verantwortlichen gekommen sei. „Jeder hält sich an die Verordnung.“

Außerdem erwiesen sich die Wartenberger Fans als besonders einfallsreich. Bei den bisherigen Testspielen haben Fans kurzerhand die Container und Palettenstapel des im Bau befindlichen Recyclinghofes außerhalb des Geländes in Tribünen umfunktioniert und sich auch noch in die Baggerschaufel gesetzt. „Sie sorgten auch gleich für einen entsprechenden musikalischen Rahmen“, berichtet Rademacher, der zudem das erste Spiel live über die Facebook Seite gestreamt hat. „Im Moment arbeiten wir daran, das zum Saisonstart noch besser hinzubekommen. Von Sporttotal haben wir eine Absage bekommen, die bedienen im Moment nur die höheren Ligen“, so Rademacher.“

SpVgg Altenerding und TuS Oberding finden alternative Lösungen

Keine Container-, sondern eine Vereinsheim-Lösung hat die SpVgg Altenerding, wie Andreas Heilmaier erklärt. „Wenn die Fußballfans von der Terrasse des Sempt-Pubs zuschauen, dann ist das Sache des Wirts, und wir sind aus der Verantwortung raus“, erklärt der Fußballchef des A-Klassisten. Der BFV akzeptiere die Lösung, die es, so vermutet Heilmaier, bei vielen weiteren Clubs im Landkreis gibt. Deshalb habe es auch keine Beschwerde gegeben.

Auch in Walpertskrichen habe es noch kein größeres Problem gegeben, berichtet WSV-Trainer Sepp Heilmeier. Das liege aber auch daran, dass man auch außerhalb des Platzes versetzt vom Auto aus zuschauen könne. „Die Heimfans wissen das sowieso.“ Als jüngst ein paar Gästezuschauer am Spielfeldrand Platz genommen haben, seien sie vom Ordnungsdienst aufgeklärt worden. „Auch das war dann kein Thema, die Leute sind bisher top vernünftig. Bis jetzt sind alle Testspiele wunderbar reibungslos gelaufen.“ Für Heilmeier ist klar: „Über diesen Weg werden sich die Infektionsketten nicht steigern.“

TuS Oberding: Schwierig, eine einheitliche Grenze für alle Ligen zu finden

Tobias Huber, Fußballchef des TuS Oberding, zeigt Verständnis für den BFV, für den es schwierig sei, „eine einheitliche Grenze für alle Ligen zu finden“. Der TuS akzeptiere die Sachlage. „Natürlich wird mal hinterfragt, warum an anderen Veranstaltungen 200 Besucher zugelassen sind und am Sportplatz nicht einmal 50 Leute, die das Spiel sehen wollen“, sagt er, „aber wir halten uns streng an alle Auflagen des BFV und hoffen bald auf eine Lösung, mit der viele Vereine leben können, denn auch der Amateurfußball ist ohne Zuschauer nicht dasselbe“. Finanziell sei es auch ein Faktor, um gewisse Nebenkosten im Spielbetrieb decken zu können.

Ein anderes Problem treibt Andreas Heilmaier um. „Wir haben die Umkleidekabinen so abgeklebt, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können.“ Sieben Spieler hätten nun Platz. „Da wir in Altenerding sechs Kabinen haben, werden wir das schon hinkriegen. Aber wie machen das andere Vereine mit nur zwei Umkleiden?“ (DIETER PRIGLMEIR)

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