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Führte den TSV in die Kreisliga zurück: Jakob Taffertshofer ist seit 2017 in Wartenberg, wohnt auch dort.

Fußball

TSV Wartenberg: Schluss mit den Taktik-Diskussionen

  • Dieter Priglmeir
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Nach dem Rücktritt der Wartenberger Trainer müssen die Spieler liefern.

VON DIETER PRIGLMEIR

Wartenberg – Dreier- oder Viererkette – war das das fehlende Glied für den Erfolg? Nach der 1:4-Niederlage in Kranzberg habe er mit seinem Co-Trainer Andreas Bitzer tagelang über die Situation geredet, erzählt Jakob Taffertshofer, Spielertrainer des TSV Wartenberg. Letztlich legten die beiden ihr Amt nieder (wir berichteten). Von der Abteilungsleitung habe sie niemand zum Rücktritt gedrängt, beteuert Taffertshofer. „Sie haben versucht, es uns auszureden, aber auch schnell gemerkt, dass wir uns das gut überlegt haben.“

Der TSV hat eine Negativserie mit acht Niederlagen, einem Remis und einem Sieg seit Beginn der Testspiele Anfang August hingelegt. In der Kreisliga liegt er auf Rang neun. Die jüngste Bilanz sei nicht der Grund für den Rücktritt gewesen, sagt der scheidende Coach. „Vor allem in den Testspielen, bei denen es nicht um das Ergebnis geht, haben wir gute Vorstellungen abgeliefert. Wenn du als Gegner Bayern-, Landes- und Bezirksligisten hast, gewinnst du halt nicht so oft.“

Schwerer wogen die Diskussionen mit den Spielern über die taktische Ausrichtung. Die Mannschaft favorisiere die Viererkette. „Wir haben uns aber für die Dreierkette entschieden. Wir hielten das für eine gute Formation, weil wir dafür die richtigen offensiven Spielertypen haben.“ Auch die Aufstellung sei mannschaftsintern kritisiert worden. „Aber die Startelf hat sich in den vergangenen Wochen oft von selbst aufgestellt, weil einige Spieler nicht zu 100 Prozent fit waren“, so Taffertshofer, der auch im Training Ermüdungserscheinungen bemerkt hat. Vor der Corona-Pandemie habe er 16 bis 20 Spieler aus dem Kreisliga-Kader im Training gehabt. Zuletzt seien es noch zwölf oder 13 gewesen, von denen auch nicht jeder etwa beim Sprinttraining sein Letztes gegeben habe. „Da haben sich Automatismen eingeschlichen“, erzählt der 30-Jährige, der seit 2017 beim TSV aktiv ist.

Schon vor fünf Wochen hatte es ein Gespräch zwischen Trainer und Spielerrat gegeben. „Die Spieler waren sich durchaus bewusst, dass sie sich an die eigenen Nase fassen müssen“, berichtet Taffertshofer. „Aber wir haben schon auch gemerkt, dass sie vom Kopf her mit der Viererkette verteidigen wollen. Also haben wir das gemacht. Im Endeffekt war das aber auch keine Lösung, denn wir haben trotzdem verloren.“ Es habe in den vergangenen Spielen auch gute Phasen gegeben. „Gegen Kirchasch hätten wir klar gewinnen müssen, dann hat der Gegner eine Chance und du verlierst 0:1.“ Zuletzt das 1:4 gegen Kranzberg. „Da haben wir sogar geführt, und dann eine desolate Halbzeit gespielt.“ Nach dieser Heimniederlage hätten er und Andi Bitzer sich gefragt. „Was machen wir eigentlich hier? Wir drehen uns seit fünf Wochen im Kreis.“ Diskussionen um Taktik und Startelf – vieles kam ihnen wie Ausreden vor. Am Montagabend – also Tage nach dem Rücktritt – saßen die beiden nochmal mit der Abteilungsleitung zusammen. „Seitdem weiß ich: Mit unserem Rücktritt haben wir die Mannschaft nicht im Stich gelassen, sondern einfach den Weg frei gemacht für neue Impulse.“

Der TSV will sich für die Trainersuche Zeit lassen. Spielführer Maxi Kronseder werde die Trainingseinheiten bis zur Winterpause leiten, Abteilungsleiter Ernst Halir ihn an der Linie unterstützen, erklärt Pressesprecher Thomas Rademacher. „Wir wollen die vier Ligapokal-Spiele mit der nötigen Energie angehen und erfolgreich bestreiten. Wir werden im Dezember beraten, wie wir weitermachen, ein Profil eines Trainers oder Spielertrainers und eines Co-Trainers erstellen und uns dann aktiv auf die Suche gehen.“

Rademacher bedauert, dass sich Team und Trainer nicht über die taktische Ausrichtung einigen konnten. „Eigentlich denke ich, wäre es nichts gewesen, was man nicht aus der Welt hätte schaffen können.“ Man habe in den Gesprächen aber nie wirklich zueinander gefunden. „Vielleicht wurde dann am Ende auch viel mehr übereinander als miteinander gesprochen.“ Und eigentlich sei sich die Mannschaft schon im Klaren, „dass sie den größeren Anteil an dem derzeitigen Tiefpunkt hat“.

Rademacher hob hervor, was Taffertshofer und Bitzer für den TSV geleistet haben. „Vielleicht ist es nach vier erfolgreichen Jahren einfach gerade an der Zeit, einen Wechsel herbeizuführen. Zumindest ging der Abschied so vonstatten, dass es keinen negativen Nachgeschmack hinterlässt.“ Rademacher geht davon aus, dass für die beiden scheidenden Trainer das Thema Wartenberg nicht beendet ist. „Jakob wohnt in Wartenberg, hat auch seinen Sohn schon in der Bambini-Mannschaft trainiert. Und für Andi ist der TSV längst zum Heimatverein geworden.“

Taffertshofer schloss gestern aus, sofort als Spieler beim TSV wieder einzusteigen. „Das wäre nicht gut. Das würde falsche Erwartungen mit sich bringen.“ Jetzt soll erstmal Ruhe einkehren – bei ihm und beim TSV Wartenberg. Einen Tipp will er seinem Nachfolger nicht geben. „Das ist schwierig. Jeder Trainer hat seine eigenen Ansichten, aber mit dem Vorstand lässt sich gut arbeiten.“

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