Tor auf: Franz Schlossniki beginnt den Arbeitseinsatz.
+
Tor auf: Franz Schlossniki beginnt den Arbeitseinsatz.

BSG-Plätze wieder überflutet – Das Ausmaß ist neu, nicht aber der Fleiß der Oldies

„Übler als beim Jahrhundert-Hochwasser“

  • Dieter Priglmeir
    VonDieter Priglmeir
    schließen

In Taufkirchen stand flutete die Vils den Sportplatz der BSG, offenbar schlimmer als 2013. Doch die Alten Herren waren zur Stelle.

Taufkirchen – Warum der FC Lengdorf das Heimrecht tauschen wollte, weiß Franz Schlossnikl nicht mehr. „Aber ich bin froh darüber, denn es wäre wohl sehr knapp geworden.“ Der Präsident der BSG Taufkirchen sagt das wenige Tage nachdem die eigene Sportanlage geflutet wurde. „Das Kassenhäusl stand 80 Zentimeter unter Wasser.“ Die Sportplätze? Eine Seenlandschaft.

Wassermassen fluteten das Kassenhäuschen.

„Wir könnten jetzt eine Schwimmsportabteilung aufmachen“, sagt er. Das Wasser habe sich den Weg bis zum Eingangsbereich des extra schon höher gebauten Vereinsheims gebahnt. Bis zur Türschwelle fehlte kein halber Meter mehr. „2013 hatten wir das Jahrhundertwasser. Aber diesmal war es noch übler“, meint Schlossnikl. Und der BSG-Chef ist wirklich Wasser gewohnt.

Das Problem gibt es, seit 1977 die Sportanlage eingeweiht wurde. „Bei uns läuft nun einmal die Vils vorbei“, erklärt Schlossnikl. Ein Wehr steuert die Wasserführung. Der Flutkanal fange vieles auf, „aber bevor ganz Taufkirchen absäuft, werden halt lieber unsere Spielfelder geflutet“, sagt Schlossnikl. Das sei ja auch richtig so, meint er, wenngleich er anregt, dass das Wasserwirtschaftsamt durchaus den Flutkanal öfter reinigen könne. Aber Wasser auf den Platzen – damit lebten und leben alle BSG-Fußball-Generationen. Deshalb hatte der Verein früher auch einen Berg von Sandsäcken gelagert, mit denen sie das Wasser abzuhalten versuchten.

Der Schlamm und der Müll sind das Problem

„Aber diesmal hätte niemand gedacht, dass es extrem wird“, berichtet Schlossnikl, „zumal wir ja auch seit 2015 eine 60 Zentimeter hohe Mauer entlang des Parkplatzes haben, die das Wasser wenigstens von dieser Seite abhält.“ Deswegen sei er auch ein wenig überrascht gewesen, als am Montagvormittag AH-Chef Roland Kobus bei ihm im Büro anrief: „Sollen wir mal zu den Plätzen schauen?“, habe er gefragt.

Das Stadion ähnelte einem Strandbad.

Und dann sei es ganz schnell gegangen. Die Vils hatte es sehr eilig, ihr Bett zu verlassen und breitete sich aus. An der Parkplatzmauer vorbei flutete es das ebenerdige Kassenhäuschen und dann ging es rein durchs Haupttor. Auch alle Nebenplätze – geflutet.

„Das Wasser allein ist nicht das Problem“, sagt Schlosnikl, „sondern das, was es mitbringt.“ Äste, Schlammbrocken, aber auch viel Müll sorgten dafür, dass zum Beispiel auf einem der Trainingsplätze ein Ballfangzaun komplett runtergerissen war. Darum konnten sich die BSG-ler aber erst später kümmern.

Das Wichtigste sei der Kampf gegen den Schlamm. „Wenn der trocknet, ist das wie Beton“, sagt Schlossnikl. Also bat er die Feuerwehr um Schläuche, um den Schlamm vom Hauptplatz zu spritzen. „Das ging auch ganz gut, aber alles bringst du da nie weg.“

Der Rest sei dann harte Arbeit mit dem Striegel, eine Art Vertikutierer, der den Schlamm aufkratzt, damit er dann vom Boden gerecht werden kann. „Das ist sehr wichtig, damit das Gras drunter nicht abstirbt“, so Schlossnikl.

Auf die Oldies ist Verlass

Wer das macht? Nicht die Feuerwehr. „Die hatten doch genügend andere Arbeit“, sagt Schlossnikl, „das machen schon unsere eigenen Leute“. Wie ist denn die Reaktion nach so einem Schaden? Schlossnikl teilt seine Pappenheimer in drei Kategorien ein. „Kategorie eins fragt: ,Wann dürfen wir wieder auf den Platz?‘“ Dann gebe es die Neugierigen, die sagen: „Oh, da habt Ihr jetzt aber viel Arbeit.“ Und dann seie eben die Leute, die sofort fragen: „Wie kann ich da helfen?“

Zu den fleißigen Helfern zählten auch (hinten v. l.) Alois Schöberl, Ferdinand Schediwy, Fred Hübner, Franz und Anton Schlossnikl, Thomas Unterreitmeier sowie Benidkt und Sophia Schöberl.

Schlossnikl weiß, „dass ich mich auf unsere AH-Fußballer immer verlassen kann“. Die Oldies treffen sich eigentlich jeden Mittwoch zum Training, „und danach sitzen sie noch beim Wirt. Da kommen auch die Passiven, die teilweise schon über 80 sind, zum Ratschen“, erzählt der BSG-Präsident. „Diesmal haben sie natürlich das Training abgesagt.“ Aber die Fußballer blieben nicht zu Hause. „Sie haben daraus einen Arbeitseinsatz gemacht. 20 Leute waren da, mehr als bei jedem Training.“

Lauftraining am Dienstag

Das mache ihn schon ein wenig stolz, sagt der BSG-Chef. Viele würden gerade in diesen Zeiten so richtig anpacken. Vize Thomas Unterreitmaier habe seinen Urlaub dafür geopfert, Ferdinand Schediwy, Fußballabteilungsleiter, Rentner und Platzwart in Personalunion sei ohnehin ständig am Platz. „Und ich höre momentan halt auch früher in der Arbeit auf, damit ich auf den Platz kann“, sagt Schlossnikl. Auch aktive Spieler hätten ihre Hilfe angeboten.

Es gibt ja auch viel zu tun. Die Parkplatz-Mauer steht stirnseitig vom Kleinspielfeld. „Da ist das Wasser nur etwa zehn Zentimeter drüber“, erklärt der BSG-Präsident. Im Gegensatz zum Hauptplatz, den es richtig schlimm erwischt habe, sei hier nur wenig Sedimente in diesem Bereich, „weil die obere Wasserschicht nur wenig Schlamm mitführt“. Aber auf den Nebenplätzen sah es ganz anders aus. „Interessant, was die Vils so alles mitbringt: Plastiktüten, Medikamentenschachtel, eine ganze Mülltonne.“ Das werde alles korrekt entsorgt. Die Stecken und das Geholz geben wir der Natur wieder zurück“, sagt Schlossnikl, sprich: Das wird wieder in die Vils zurückgeworfen. „So schnell das Wasser kommt, so schnell geht es auch wieder“, sagt er.

Die BSG-Kicker konnten nach ihrem Lauftraining am Dienstag bereits am Donnerstag wieder auf dem Platz trainieren. Dem Sonntagspiel in Lengdorf (Mathias Holzner vom FCL: „Wir wollten an sich nur auf Sonntag verlegen wegen Urlaubern, aber dann haben wir direkt Heimrecht getauscht, damit Taufkirchen am Samstagsheimspiel festhalten kann“) wird in Allershausen ein weiteres Auswärtsspiel folgen. Am 18. September wird der TSV Wartenberg in Taufkirchen zu Gast sein. Der Platz wird garantiert trocken sein. Wenn es nicht zuvor einige Tage lang regnet.

Die Oldies taten alles dafür, dass (v. l.) Julius Heilmeier, Yannik vom Hofe, Samuel Sclossnikl und Kiri Diamantidis am Donnerstag wieder trainieren konnten.

Dieter Priglmeir

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare