1. Startseite
  2. Sport
  3. Amateurfußball
  4. Landkreis Erding

Verlässt die SpVgg Neuching die JFG Speichersee?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dieter Priglmeir

Kommentare

null
Die JFG Speichersee will weiter konkurrenzfähige Mannschaften in den Spielbetrieb schicken. Mit oder ohne Neuching? © Archivfoto: Christian Riedel

Die Vereinsführung der SpVgg Neuching  macht sich die Entscheidung wahrlich nicht leicht, denn die Fußballjugend ist ihr wichtig. Am Freitag hat sie  bis kurz vor 22.30 Uhr diskutiert: Soll sie raus aus der Jugendfördergemeinschaft oder nicht? Dann hat sie den bereits ausgesprochenen Austritt wieder revidiert. Die endgültige Entscheidung soll nun am Montag fallen.

Finsing/Neuching – Jetzt also auch die JFG Speichersee? Die älteste Jugendfördergemeinschaft im Landkreis, bestehend aus der SpVgg Neuching und dem FC Finsing, gilt auch als die stabilste. Am Montag wird der Vorstand neu gewählt. Doch nun ist die Tagesordnung um einen Punkt reicher: Die SpVgg Neuching wollte raus, hat ihren Austritt zum Saisonende 2018/19 bereits erklärt. In einer Sitzung gestern Abend diskutierte die Neuchinger Vereinsführung aber noch einmal und will die endgültige Entscheidung nun erst nach der Versammlung treffen.

JFG-Vorsitzender Claus Tebart hatte diese Woche einen Brief bekommen. „Dank des hohen Engagements unserer Trainer und Funktionäre sowie angesichts der demographischen Entwicklung unserer Gemeinde sehen wir uns in der Lage, auch ohne die JFG einen leistungsfähigen Spielbetrieb über alle Jugendmannschaften zu organisieren“, heißt es darin. „Wir möchten mit diesem Schritt zudem die Identifikation unserer Jugendspieler mit der SpVgg Neuching über ihre gesamte Laufbahn in den Jugendmannschaften stärken.“

So begründeten SpVgg-Vorsitzender Pascal Gschwendtner, Fußballabteilungsleiter Rudi Weber und Jugendleiter Christian Steiner den Schritt. „Aus Gründen der Fairness und des gegenseitigen Respekts“ gebe man die Entscheidung schon jetzt bekannt. Das war auch schon das einzig Positive für Tebart: „Das traf uns völlig unerwartet. Wir hatten schon einige Diskussionen um die neue Satzung, haben dann aber eine Lösung gefunden und sind im Guten auseinander gegangen.“ Tebart war aufgebracht, sprach von einer „linken Tour einiger Funktionäre, die das auf dem Rücken der Spieler austragen“.

Das sieht auch Finsings Vorsitzender Dieter Heilmair so: „Nach unseren bisherigen Erkenntnissen haben dort nur sehr wenige Personen diese Entscheidung getroffen.“ Viele Trainer und Funktionäre der SpVgg Neuching seien übergangen worden.

Gut abzulesen war das auf der Speichersee-Facebook-Seite. „Ich habe als Vorstand der JFG und Spieler der SpVgg Neuching erst mit der offiziellen Bekanntgabe der Entscheidung erfahren. Sie wurde anscheinend ohne Kenntnis der Mitglieder getroffen, was ich persönlich in keinem Ansatz verstehe“, ärgerte sich Robert Edlfurtner. „Die tollen Mannschaften, die sich entwickelt haben und bestehen, werden mit so einer Entscheidung zerrissen. Ich bin immer noch geschockt und sprachlos.“ Ähnlich äußerte sich Josefine Lanzl, ebenfalls im JFG-Vorstand.

Ein Streitpunkt zwischen den beiden Stammvereinen sei der interne Spielerwechsel gewesen. „Bisher gab es ein Gentleman-Agreement, dass die Spieler während ihrer JFG-Zeit und auch ein Jahr danach nicht den Stammverein wechseln dürfen. Damit wollten wir ein Kannibalisieren verhindern“, erklärte Finsings zweiter Vorsitzender Robert Hartmann. In der neuen Satzung, die am Montag beschlossen werden soll, wird geregelt, dass ein Stammverein-Wechsel nur bei einem wirklich triftigen Grund erlaubt ist. Und damit sei eben nicht der günstigere Neuchinger Vereinsbeitrag gemeint. Nach der Zeit in der Jugend könne aber jeder selbst entscheiden, wohin er wechselt.“

Jugendleiter Steiner begründete, warum sich der Verein für einen Austritt entschieden hatte. So sei bei der SpVgg der Eindruck entstanden, „dass die Philosophie und Werte zwischen uns und dem FC Finsing immer weiter auseinanderdriften“. Der FC sei sportlich sehr ambitioniert. „Zum Beispiel wurden JFG-Trainern von der Finsinger Vereinsführung klare sportliche Vorgaben, zum Beispiel zum Tabellenplatz, gemacht – etwas, das uns als Jugendleitung und auch dem Neuchinger Vorstand im Jugendbereich nie einfallen würde.“ Ungünstig sei auch „der Zeitpunkt, zu dem unsere Spieler zur JFG wechseln und dann gemeinsam mit Finsinger Spielern in die D-Jugendmannschaften eingeteilt werden, im Normalfall genau mit dem Wechsel von der Grundschule in eine weiterführende Schule. Wir denken, dass es für die Kinder gut wäre, in dieser Phase, in der sie sich schon in eine neue Klassengemeinschaft einfügen müssen, zumindest ihre Fußballmannschaft als Bezugspunkt zu behalten“.

Weil die Entscheidung bei den Betroffenen so hohe Wellen geschlagen hat, traf sich die SpVgg-Führung am Freitagabend nochmals. Man nehme die Bedenken sehr Ernst, meinte Jugendleiter Steiner. Nach langer Diskussion fiel gegen 22.20 Uhr letztlich der Beschluss, die Entscheidung über den Austritt  zu vertagen. Erst einmal soll die Jahreshauptversammlung am Montag abgewartet werden. Für Finsings Vize Hartmann ist klar: Noch ist für die SpVgg ein Türchen für einen Rückzieher offen. Aber auch der Austritt würde kein Ende der JFG bedeuten. „Dann machen wir uns auf die Suche nach einem neuen Partner“, kündigt er an. Der FC Moosinning und/oder der SV Eichenried könnten Kandidaten sein. „Klar ist für uns, dass wir  mit den Jungs weiter leistungsorientiert arbeiten wollen“, erklärt Tebart. Plan B wäre die Gründung von Spielgemeinschaften, ergänzt Hartmann.

Auch interessant

Kommentare