DAS SPORTGEFLÜSTER

Walpertskirchener Spionage, Altenerdinger Telefonterror

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Wenn Fußballer schon umgezogen zum gegnerischen Platz fahren, wenn der Trainer eine Phantasie-Aufstellung an die Tafel schreibt, und wenn seltsame Lieder laufen - dann ist Derbyzeit.

„Die Zusammenarbeit in der Jugend ist super“, sagt Anton Scheckenhofer und holt kurz Luft. „Aber es ist scho a bisserl viel Harmonie.“ Was Schwaigs Fußballchef damit sagen will: Lokalderbys ohne Aufreger sind fad. So müde wie etwa einst der Elfmeter-Kullerer seines Teamkollegen. „Der Ball hat es nicht mal bis zur Torlinie geschafft.“ Doppelt bitter: Gegner war der TuS Oberding.

Für ihren Kurzauftritt waren in den 1980ern die Wartenberger Fußballer in Fraunberg bekannt. „Trainer Armin Wachter hat die Jungs zu Hause aufwärmen lassen und ist dann kurz vor Anpfiff rübergefahren“, erzählt Thomas Rademacher. „Das war einer seiner Psychotricks. Kam in Fraunberg nicht so gut an.“

Gar Spionage befürchtete einst Trainer Manuel Gomes vor dem Abstiegskampf seines SV Walpertskirchen gegen den Hörlkofen. Vergeblich forderte er, dass die Kabine abgesperrt wird. „Also hat er eine wirre Aufstellung an die Tabelle geschrieben. Unser Keeper war Mittelstürmer und umgekehrt. Und er hat Spieler aufgeschrieben, die gar nicht im Einsatz waren“, erzählt der heutige WSV-Trainer Josef Heilmeier. Die Partie wird er nie vergessen. Ein Spieler sei so aufgeregt gewesen, dass er sich eine halbe Stunde lang seinen Oberschenkel getapet hat. „Kurz vor Anpfiff hat er bemerkt, dass es der falsche war.“ Und Robert Hörmann kam als frischgebackener Vater direkt aus dem Kreißsaal, spielte die zweite Halbzeit und war damit dabei beim 2:1-Sieg vor 300 Zuschauern.

Ob das 4:0 der SpVgg Altenerding gegen den FC Erding für Thomas Eckmüller ein Happyend hatte, mögen andere bewerten. Der Sieg gegen den Tabellenführer war jedenfalls eine Sensation, zumal Altenerding mit Sebastian Ittlinger einen Feldspieler ins Tor stellen musste. „Die Erdinger hatten Schlachtenbummler, die sonst bei den Eishacklern auf der Tribüne stehen, engagiert“, erzählt SpVgg-Fußballchef Andi Heilmaier. Den Erdinger Gesang „Dreier, Du bist ein Nuller“ habe er heute noch in den Ohren. Damit hatten die Erdinger SpVgg-Spielertrainer Eckmüller gemeint. Den ließ das kalt. Da wusste er aber auch noch nicht, dass das später die Altenerdinger Fans als Ironie-Song sangen. Erst im Vereinsheim, dann nachts um eins am Telefon – um ihren Coach aus dem Heldenschlaf zu reißen.

Ein ganz anderes Lied lief in der Musikbox im Oberdinger Sportheim bis in die frühen Morgenstunden: „Die kleine Kneipe in unserer Straße“ von Peter Alexander. Es war das „We are the Champions“ der TuS-Oldies nach dem historischen Sieg gegen den FC Schwaig. „Wir haben regelmäßig die Hütte vollbekommen und sind danach trotzdem ins Sportheim gegangen“, erzählt Sebastian Held. Die Schwaiger seien dagegen nach der Pleite sofort heimgegangen. So blieb dem TuS mehr von den Rüscherln und Weißbieren – und der Fahrservice von Sportheimwirtin Roswitha Ettenauer.

Derbys leben auch von ihren Reizfiguren. Das bekam auch ein Eittinger Kicker zu spüren, der an einem Tisch mit zwei Moosinninger Spielern saß. „Wir feierten die Geburt von Albert Gröbers Sohn“, erzählt er. Er habe sich den ganzen Abend hervorragend mit den beiden verstanden. Einig seien sie sich auch darüber gewesen, dass dieser Heribert Kronthaler unmöglich sei, der schlimmste Eittinger überhaupt. Zufrieden stellten die Moosinninger fest, dass auch ihr Gesprächspartner tatkräftig mitschimpfte. Bis sich Gröber einschaltete: „Was glaubt ihr denn, wer seit Stunden zwischen euch beiden sitzt?“ Natürlich war’s dieser Kronthaler.

DIETER PRIGLMEIR

Derbygeschichten,

der zweite Teil

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