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Kicken auf Kos: Luca Fellermeier (4. v. l.) arbeitete im Robinsonclub. Manchmal blieb auch Zeit zum Fußballspielen. Sein Vater Manfred Schrot (l.), früher selbst Landesligaspieler, war auch mit dabei.

Der Super-Joker des SV Walpertskirchen

Luca Fellermeier: Vom Physio-Fall zum Fünffach-Vollstrecker

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Mit Tapeverband schießt Luca Fellermeier für den SV Walpertskirchen fünf Tore in 29 Minuten.

Walpertskirchen– Die Luca-Fellermeier-Show dauerte nicht einmal eine halbe Stunde. In 29 Minuten erzielte der Walpertskirchener fünf Tore beim 8:2-Sieg gegen Kreisklasse-Tabellenführer FC Hohenpolding. Jener Luca Fellermeier, der zwei Jahre mit dem Fußball pausiert hatte. Und jener Luca Fellermeier, der noch zwei Tage vor dem Anpfiff niemals an einen Einsatz geglaubt hatte.

„Im Spiel gegen den SC Moosen habe ich mir eine Prellung zugezogen“, erzählt der 20-Jährige. Im Laufe der Woche sei die Schwellung bis ins Sprunggelenk gewandert. „Am Freitag war mir noch klar: Ich spiele auf gar keinen Fall“, berichtet Fellermeier.

„Komm einfach mal zum Treffpunkt“, riet ihm dann sein Trainer Sepp Heilmeier. „Unser Physio soll sich das anschauen“, meinte der Coach. Der Physio ist Michael Gartner, der gleichzeitig Fellermeiers Teamkollege ist. Dessen Diagnose: Am Knochen ist nichts. Es handelt sich nur um einen Bluterguss. Gartner verpasste dem Fuß einen Tapeverband, und Fellermeier setzte sich auf die Bank – nur so für alle Fälle...

Ob sein Einsatz überhaupt nötig gewesen wäre, sei mal dahingestellt. Der WSV führte bereits 3:0, „aber ich war total heiß auf den Einsatz“, erzählt Fellermeier. „Ich war mir sicher, heute läuft’s.“ Das gab er auch seinem Coach zu verstehen, und der handelte schließlich. In der 61. Minute nahm er Routinier Robert Jovanovic raus. Seinem Jungstürmer gab er noch auf den Weg: „Du wirst jetzt deine Räume kriegen. Mach den Deckel drauf!“Goldene Worte eines Trainers? „Naja, dass er dann gleich drei Tore in fünf Minuten schießt, damit habe ich natürlich auch nicht gerechnet“, sagt der WSV-Coach lachend. Laut offiziellem Spielbericht waren es sogar nur vier Minuten.

Fellermeier gibt sich bescheiden: „Ich bin einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen.“ Dreimal hatten sich die Walpertskirchener außen durchgesetzt, in die Mitte gegeben. „Ich musste nur noch vollstrecken“, sagt der Student (Wirtschaftsingenieurwesen). Seinen Zuspielern werde er noch einen Kasten Bier hinstellen, verspricht er. Aber erstens muss man auch solche Tore erst mal machen. Und zweitens waren da noch die beiden anderen Treffer, als er nach Pässen in die Spitze davon eilte. Einmal drosch er die Kugel mit Vollspann ins Netz. Das andere Mal sah er, dass Gästekeeper Josef Stummer etwas zu weit vor dem Tor stand. Also überlistete er ihn aus fast 30 Metern. Nochmal zum mitschreiben: Fellermeier erhöhte in der 62., 65., 66. und 75. Minute auf 7:0 und setzte in der 90. noch den 8:2-Schlusspunkt.

„Ja, es war ein Sahne-Tag“, sagt der Bockhorner. Und nein, er könne sich nicht an eine ähnliche Torausbeute erinnern. Vielleicht mal in der Jugend, „aber ich weiß es ehrlich nicht mehr“.

Fellermeier hatte beim FC Grünbach begonnen, spielte nach dem Kleinfeldbereich dann in der JFG Sonnenfeld, in der neben dem FCG noch der SC Kirchasch und eben der SV Walpertskirchen vertreten waren. „Ich war immer Stürmer“, erzählt er.

Und er wollte aber auch immer schon die Welt sehen. Nach dem Abitur im Jahr 2017 arbeitete er zwei Sommer lang im Robinson-Club auf Kos. Dazwischen reiste er noch zwei Monate durchs Ausland. Und sein Praktikum machte der Student bei der Gewo. „Mein Chef war damals Andreas Stangl“, erinnert sich Fellermeier. Der Sportliche Leiter des WSV legte ihm nahe, mit dem Fußball beim WSV wieder einzusteigen.

„Ich kannte ja viele Jungs schon aus der JFG-Zeit“, sagt Fellermeier. „Und dass ich mit dem Kicken wieder anfangen werde, war eh klar.“ Wenn da nicht diese hartnäckige Leistenverletzung gewesen wäre. Ein halbes Jahr habe ihn diese gekostet.

Zu Saisonbeginn war es dann endlich soweit. Nach zwei Jahren Pause schnürte Fellermeier wieder die Stiefel – und kam zu einem Team, „in dem ich mich sofort wohl gefühlt habe“. Die Mischung aus alt und jung funktioniere einfach. Für Tipps der Routiniers sei er immer dankbar. „Der Jovo ermahnt mich immer wieder mal, dass ich auch meinen linken Fuß hernehmen soll“, erzählt er. Und genau das sei nämlich auch seine Schwäche, gesteht er. Und an das körperliche und robuste Herrenspiel habe er sich auch erst einmal gewöhnen müssen. „Aber jetzt läuft es ja ganz gut.“

Das kann man wohl so sagen. Nach der 1:2-Niederlage in Moosen („Da ist es ganz schön zur Sache gegangen“) fegte der WSV den FC Hohenpolding von der Tabellenspitze. Mit einem 8:2. „Aber so schlecht war der Gegner gar nicht“, meint Fellermeier. „Hohenpolding war vorne sehr gefährlich. Es war auch Kopfsache.“ Diesmal habe einfach auch die Mentalität gepasst.

Der WSV wisse jetzt, wie gut er ist. Es fehlt nur noch ein Punkt zur Tabellenspitze – reicht’s vielleicht für den ganz großen Coup? Und schon klingt der 20-Jährige wie Robert „Jovo“ Jovanovic: „Die Saison ist noch lange. Wir gehören aber schon zu den Mannschaften, die vorn mitspielen können, Wir haben das Zeug dazu. Es wäre schön, wenn wir uns am Ende dann auch belohnen könnten.“

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