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Drei Mannschaften, ein Team: Ausgelassen feierten die Finsinger Fußballer im Erdinger Stadion ein spontanes Fest. Hatten sie doch am Wochenende drei Siege eingefahren.

„Das war der Tag schlechthin für den FC Finsing“

Die Finsinger Philosophie

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Das vergangene Wochenende dürfte in die Finsinger Fußballgeschichte eingehen. Drei Mannschaften waren im Punktspieleinsatz, alle drei haben gewonnen. Höhepunkt war dabei der Bezirksliga-Derbysieg beim FC Erding. Doch was macht die Finsinger eigentlich so stark?

Finsing – „Das war der Tag schlechthin für den FC Finsing“, schwärmt Fußball-Abteilungsleiter Wolfgang Eberhart. „So was wird es sicher nicht mehr oft geben.“ Hat doch die Dritte in der B-Klasse 6 gegen die DJK Ottenhofen 2 mit 3:1 Toren gewonnen, die Zweite mit einem 2:1 beim FC Erding 2 die Tabellenführung in der A-Klasse 7 behauptet, und schließlich die Erste das Bezirksliga-Derby beim FC Erding klar mit 5:1 Toren für sich entschieden. Hier war auffällig, dass das Erdinger Stadion fest in Finsinger Hand war.

An der Stimmung und der anschließenden Feier war zu merken, dass beim FC Finsing ein großer Zusammenhalt herrscht. „Im Grunde ist das alles hier sehr, sehr lang gewachsen“, erzählt Vorsitzender Dieter Heilmair. Er bezeichnet es als die „Finsinger Philosophie“. Die Basis sei: „Bei uns kriegt kein Spieler außer den Trainern Geld, das ist die oberste Prämisse“, betont Heilmair. „Wir leben das alles hier sehr transparent und schaffen so eine Bindung.“ Man versuche, keine Unterscheidungen zu machen zwischen der Ersten und der Dritten. Das zeige sich schon daran, dass jeder Spieler die gleiche Ausstattung bekommen habe. „Das waren heuer 95 Sätze – für jeden Spieler das Gleiche“, betont der Vorsitzende und erzählt ein Beispiel: „Neulich ist ein Sponsor gekommen und wollte der Ersten eine Spende zukommen lassen. Das haben wir abgelehnt, denn wir sind zwar drei Mannschaften, aber ein Team. Das wollte der Mann gar nicht glauben. Aber wenn, dann kommt eine Spende allen zugute.“

Und noch ein Beispiel hat Heilmair parat. „Wenn es der Spielplan zulässt, dann trainieren am Freitag alle drei Mannschaften gemeinsam, und nachher kümmern sich immer ein paar Spieler abwechselnd ums Essen“, erzählt der FCF-Chef. „Ich glaube nicht, dass es das woanders gibt.“ Die jungen Spieler fühlten sich wohl, wobei nicht auszuschließen sei, dass der eine oder andere den Sprung höherklassig wagt.

Heilmair nennt es „Mia san Wir: Ein Mia gibt es in Finsing aber nur, wenn das ,Wir‘, also die Gemeinschaft, im Mittelpunkt steht.“ Er weiß aber auch, dass es „ein sehr sensibles Konstrukt“ ist. „Wenn es anfängt zu bröckeln, dann fällt es auseinander.“ Aber dank eines „super funktionierenden Trainerduos“ mit Thomas Eckmüller und Christian Rickhoff sowie einer „super Führungsmannschaft im Verein“ habe er keine Angst davor, dass sich an diesem „unglaublichen Gemeinschaftsgefühl“ etwas ändere. Was nach dem Erfolg der Zweiten und Ersten beim FC Erding und später auf dem Herbstfest abgegangen sei, war für Heilmair „ein Paradebeispiel“.

So sieht es auch sein Fußball-Abteilungsleiter. „Das, was bei uns gerade los ist, dürfte im Moment die größte sportliche Leistung im Umkreis sein“, glaubt Eberhart. „Ich glaube nicht, dass es irgendwo ein Bezirksliga-Team gibt, wo es keine Punkteprämie oder sonstige Geldzahltungen gibt.“ Er findet es bemerkenswert, dass ganz junge Spieler schon tragende Rollen im Bezirksliga-Team übernehmen. „Es macht Spaß, wie die jungen Burschen einschlagen.“

Was die Zweite betrifft, so soll in dieser Saison endlich der Aufstieg gelingen. „Sie profitiert natürlich vom relativ großen Kader der Ersten“, sagt der Abteilungsleiter. Fünf Siege nach fünf Spielen sind schon eine Hausnummer. Aber Eberhart will nicht zu euphorisch werden. „In den letzten Jahren waren wir auch immer vorne dabei, und am Ende ist uns die Luft ausgegangen. Wir sind zweimal praktisch direkt vor dem Loch verhungert.“

Und dann ist da noch die Dritte, die „Party-Fraktion“, wie Eberhart mit einem Lachen sagt. „Aber bitte nicht missverstehen“, ergänzt er. „Auch in diesem Team spielt keiner ohne Training, manche schaffen es sogar, dreimal zu kommen.“ Zwischen fünf und zehn Spieler kämen derzeit nicht zum Zug, weil sie nicht oder nicht regelmäßig trainieren könnten – „und das in der B-Klasse“. Aber auch diese Reservisten seien ein Teil der Finsinger Fußball-Familie. Sie alle haben das „Finsing-Gen“ in sich, wie es Heilmair formuliert. Deshalb ist es nicht auszuschließen, dass es in naher Zukunft weitere Finsinger Fußballtage gibt. Auf dem Herbstfest kann aber erst nächstes Jahr wieder gefeiert werden.

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