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Yannik Angenend löst das Olympia-Ticket

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Auf dem Weg nach Peking: Beim Weltcup in Österreich schaffte der Lengdorfer den zweiten Teil der Olympia-Qualifikation.
Auf dem Weg nach Peking: Beim Weltcup in Österreich schaffte der Lengdorfer den zweiten Teil der Olympia-Qualifikation. © Miha Matavz/FIS

Es ist wohl der Traum für jeden Sportler: die Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Lengdorf – Für den 21-jährigen Snowboarder Yannik Angenend vom FC Lengdorf wurde dieser Traum nun Wirklichkeit. Er ist einer der deutschen Teilnehmer im Parallel-Riesenslalom in Peking. Der Start des Lengdorfers ist auf Dienstag, 8. Februar, gegen 7 Uhr morgens deutscher Zeit terminiert.

Die Qualifikation schaffte Angenend quasi auf den letzten Drücker, denn erst mit einem 16. Platz beim vorletzten Weltcup erfüllte er die Norm und durfte mit dem Packen für Peking beginnen.

Seine Leidenschaft fürs Snowboarden erkannte der Lengdorfer bereits im Alter von neun Jahren. Sein großes Talent auf der Piste wurde schnell bemerkt, und bereits mit 13 Jahren wechselte er ins Sportinternat nach Berchtesgaden, wo er neben der Schule optimale Trainingsbedingungen vorfand. Neben dem Snowboarden standen Kraft und Athletik im Vordergrund. Der 21-Jährige betont: „Ohne die richtige Athletik ist es unmöglich, das Board auf der Fahrt zu halten.“ In dieser Zeit bestritt Angenend seine ersten Wettkämpfe, an die er schöne Erinnerungen hat – speziell an die Erfolge im U15-Bereich: „Da landeten wir bei internationalen Rennserien in Österreich, Italien und Deutschland fast immer auf den vorderen Plätzen.“

Mit 15 Jahren ging es dann schon zu den Großen bei den FIS-Wettkämpfen. Gegen die erwachsene Konkurrenz aus der ganzen Welt sei es anfangs schon ein Erfolg gewesen, in die zweite Runde unter die besten 32 zu kommen, erzählt der Lengdorfer. Mit den besten Nachwuchs-Snowboardern duellierte er sich parallel bei den Juniorenweltmeisterschaften, die beste Platzierung sprang dabei mit dem fünften Platz im Jahr 2020 heraus.

Vorfreude auf Olympia: Übers ganze Gesicht strahlte der 21-jährige Yannik Angenend bei der Einkleidung der Olympiateilnehmer in München.
Vorfreude auf Olympia: Übers ganze Gesicht strahlte der 21-jährige Yannik Angenend bei der Einkleidung der Olympiateilnehmer in München. © Privat

Nach seiner ersten kompletten Weltcup-Saison 2020/21 startete Yannik Angenend schließlich in diesen Winter mit dem großen Ziel Olympia in Peking. Die Normen lauteten: Ein Platz unter den besten 30 im Gesamtweltcup und zusätzlich zweimal mindestens Rang 16 bei einem Einzelwettbewerb. Die Weltcups beginnen jeweils mit der Qualifikation, im Anschluss kommt die Ausscheidungsrunde, ehe mit dem Achtelfinale dann die K.o.-Läufe losgehen.

Mit großen Ambitionen flog der Lengdorfer zum Saisonauftakt nach Russland, doch dort gab es einen großen Dämpfer. Ein Österreicher fuhr ihn gleich im ersten Lauf über den Haufen. Angenend durfte zwar noch einmal starten, aber wegen der Schmerzen nach dem Sturz war nicht mehr viel drin. Besser lief es anschließend in Carezza (Italien): „Mein Gefühl war zwar etwas weg, aber ich schaffte nach einem guten ersten Lauf den 16. Platz.“ Im zweiten Durchgang gelang ihm sogar die Bestzeit, was ihn auf den siebten Rang nach vorne brachte: „In meinen allerersten Finals war ich dann aber zu nervös, am Ende konnte ich mit dem erreichten zehnten Platz aber sehr zufrieden sein“, erzählt Angenend. Dieser bedeutete die halbe Olympianorm.

Bei den nächsten Wettkämpfen aber musste sich der Lengdorfer mit hinteren Rängen begnügen, ehe am 11. Januar der Weltcup in Bad Gaststein auf dem Programm stand. Dort startete Angenend auch im nicht-olympischen Parallelslalom – ein Platz unter den ersten 16 zählte dort aber ebenfalls für das Ticket nach Peking: „Ich fuhr ohne große Erwartung, aber mir gelangen zwei wirklich gute Läufe.“ Am Ende landete der 21-Jährige exakt auf dem ersehnten Rang 16, und der Jubel war im Anschluss riesengroß: „Ich konnte es erst einmal kaum glauben. Ein Traum ging für mich in Erfüllung.“

Dass es bei seinen ersten Olympischen Spielen ziemlich schwer werden dürfte, einen Platz ganz vorne zu erreichen, das ist dem Lengdorfer klar: „Natürlich ist es schon der Traum, eine Medaille zu holen. Aber ich bin realistisch und will mit zwei soliden Läufen einfach zeigen, was ich kann.“ Das Achtelfinale wäre dabei schon ein großer Erfolg.

Was bedeutet das Snowboarden für den jungen Olympioniken? „Es ist einfach meine große Leidenschaft von Kindheitsbeinen an. Ich fühle mich absolut wohl auf der Piste, und es macht einen Riesenspaß.“ Der Weltcuptross sei für ihn wie eine zweite Familie geworden, wo jeder mit jedem gut klarkomme. Natürlich vermisst Angenend die wegen der Corona-Pandemie fehlenden Zuschauer: „Wenn du aber an den Start gehst, dann bist du so fokussiert, dass man das kaum mehr merkt.“ Snowboarden ist aber auch eine Kopfsache: „Ich bin bei meiner Olympiapremiere garantiert sehr nervös. Daher arbeiten wir mit Sportpsychologen zusammen“, betont der Lengdorfer.

Jetzt überwiegt aber erst einmal die Vorfreude auf die Spiele. Alleine schon der Einmarsch bei der Eröffnungsfeier werde ein Ereignis, das nur wenige erleben dürfen: „Darauf und natürlich auf die Erlebnisse im olympischen Dorf freue ich mich gigantisch.“

Bei seinem Start werden ihm dann sicherlich alle Lengdorfer, aber auch seine Kollegen von der Bundespolizei die Daumen drücken. Dort ist der Spitzensportler angestellt und findet die besten Voraussetzungen vor: „Mit einem normalen Job wäre der Aufwand nicht machbar. Im Winter sind wir schließlich fast jede Woche unterwegs“, sagt Angenend. Jetzt geht’s für ihn erst einmal ins Abschlusstrainingslager nach Italien, ehe am 2. Februar der Flieger in Richtung Peking abhebt. Sechs Tage bleiben dem 21-Jährigen zum Akklimatisieren, dann heißt es volle Konzentration auf ein gutes Abschneiden bei seiner olympischen Premiere.

VON BERND HEINZINGER

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