Eching II gegen Unterbruck: Am 31. August 2019 trennten sich beide A-Klassisten in einem mitreißenden Spiel 4:4. In ihren Reihen finden sich auch Trainer, die für eine Saisonfortsetzung plädieren. 
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Eching II gegen Unterbruck: Am 31. August 2019 trennten sich beide A-Klassisten in einem mitreißenden Spiel 4:4. In ihren Reihen finden sich auch Trainer, die für eine Saisonfortsetzung plädieren. 

Freisinger A-Klassisten größtenteils für Saisonabbruch

VfR Haag: Das Vorgehen des BFV ist ein „Kasperl-Theater“ 

  • vonSebastian Dobler
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Die Verantwortlichen der Freisinger A-Klassisten blicken dem Vier-Punkte-Plan des BFV kritisch entgegen. Der Großteil ist für einen Saisonabbruch.

Landkreis – Vor einer Woche hat der Bayerische Fußball- Verband (BFV) seinen Vier-Punkte-Plan vorgestellt: Eine Fortsetzung der laufenden Saison wird immer unwahrscheinlicher, der zusätzlich geplante Ligapokal scheint sogar inzwischen so gut wie unmöglich: Eine Fortsetzung von Pokal und Liga sei laut neuem Beschluss nur umsetzbar, wenn spätestens ab dem 19. April – also in gut zehn Tagen – ein flächendeckender Trainingsbetrieb mit Kontakt möglich wäre. Dies scheint aufgrund der aktuell ununterbrochen steigenden Inzidenzen und Corona-Fallzahlen mehr als unwahrscheinlich. Der Pokalwettbewerb wäre damit hinfällig.

Der für die Fortführung des Saison-Spielbetriebs definierte „Deadline-Day“ ist der 3. Mai. Sollte auch dann noch immer kein bayernweit gleichmäßiger Trainings-Betrieb möglich sein, muss über den endgültigen Abbruch der Spielzeit entschieden werden.

Anton Hirschfeld: „Ich könnte mich echt nur noch ärgern“

So also der neueste Verbands-Beschluss. Was aber sagen die Freisinger Vereine zu den neuen Terminierungen und Plänen? Bei den A-Klassen-Vertretern des Landkreises wächst der Unmut über das ewige Hinauszögern der Spielzeit.

Anton Hirschfeld, Trainer der Vötting-Reserve ärgert sich, dass nach wie vor kein Schlussstrich unter diese Spielzeit gezogen werden kann: „Jetzt endlich die Saison abzubrechen, gäbe den Vereinen Zeit, sich auf die neue Saison vorzubereiten: Hygienekonzepte entwickeln, neue Trainer oder Spieler finden sowie andere bereits lange, geplante Arbeiten endlich anzugehen, die aufgrund der Unsicherheit, ob ein Spielbetrieb in Kürze stattfindet, immer wieder aufgeschoben wurden.“ Dass der BFV in seinem Vier-Punkte-Plan zudem der Durchführung des Ligapokals nach wie vor eine kleine Wahrscheinlichkeit zuspricht, ist für Hirschfeld ein absolutes Unding: „Es ist unfassbar, dass dieser Ligapokal immer noch nicht endgültig begraben ist. Wir sprechen hier von einem ohnehin schon engen Zeitplan, wenn wir im April mit dem Training beginnen würden – und der Ligapokal ist immer noch auf der Agenda? Das finde ich unglaublich.“ Auch den eigentlichen Ligabetrieb stellt Hirschfeld in Frage. „Zum Thema Trainingsstart im Mai: Hier wird von weitgehend flächendeckendem Training gesprochen. Wenn es also bei ein paar Vereinen noch nicht geht, ist das egal, oder wie?“, so der Vöttinger, der – wie viele andere seiner Trainer-Kollegen auch – die sehr knapp angesetzte Vorbereitungszeit für die Vereine besonders kritisch sieht. „Drei Wochen Vorbereitungszeit für Amateursportler, die sechs Monate lang nicht gespielt haben und auch damals nur zwei Monate im Wettkampfbetrieb nach einer Halbjahrespause waren, ist viel zu kurz angesetzt. Es wird Verletzungen hageln. Ich könnte mich echt nur noch ärgern.“

Volker Lippcke: BFV-Vorgehen „Kasperl-Theater“

Ähnlich erbost über die Hinhalte-Taktik des Verbandes ist der Haager Übungsleiter Volker Lippcke. Er bezeichnet das BFV-Vorgehen nicht erst seit dem aktuellsten Beschluss als „Kasperl-Theater“. „Ich kann mich da nur wiederholen. Meiner Meinung nach gehört die Saison abgebrochen. Es hat schon jetzt nichts mehr mit Fußball zu tun, bei der ganzen drohenden Verletzungsgefahr. Ich gehe außerdem davon aus, dass die Zahlen vor Pfingsten wieder hochgehen werden. Ich finde es mittlerweile einfach nur lächerlich: Der BFV sollte endlich den Mut haben, die Spielzeit abzublasen. Dann gibt es eben Mannschaften, die sich ärgern, weil sie nicht aufsteigen können und andere, die sich darüber freuen, dass sie nicht mehr absteigen können, aber so ist das halt dann. Wir können froh sein, wenn wir dann im August wieder eine normale Saison haben.“

VfB Hallbergmoos III: „Abhaken, abschließen, fertig aus die Maus“

Eben diese Gefahr, dass auch die kommende Saison, die im Spätsommer starten soll, zumindest gefährdet sein könnte, erkennt auch Robert Kühnel, Trainer des VfB Hallbergmoos III: „Ich glaube nicht mehr daran, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Jetzt sind Ferien, danach haben Schule, Arbeit und das öffentliche Leben Priorität. Ich sage: Abhaken, abschließen, fertig aus die Maus. Wann und ob dieses Jahr noch eine neue Saison beginnen kann, wird sich auch erst herausstellen und ist nicht gewiss.“

Durch die hohen Fallzahlen und die zeitliche Nähe zum Stichtag 19. April scheint der Ligapokal de facto abgesagt zu sein. Trauer löst das bei den wenigsten Vereinen aus. „Dem Ligapokal weine ich nicht hinterher“, so Massenhausens Trainer Andreas Fritsch, dessen Team im Pokal sogar noch dabei ist. „Ich fände es allerdings sehr schade, sollten wir die Saison nicht zu Ende spielen dürfen. Ich bezweifle, dass die Dead–lines realistisch sind. Ich glaube nicht, dass die Zahlen in vier, fünf Wochen so weit unten sind, dass ein Training möglich wäre. Es wäre schlauer, wenn wir, wie alle anderen Verbände auch, einfach abbrechen würden.“

Plädoyer für flexiblere Lösungen

Eine nochmals neue Seite der Medaille bringt Jan Ziob, Trainer vom BC Attaching II, hervor: Laut ihm schießt sich der Verband mit der Nennung von konkreten Stichtagen selbst ins Knie: „Ich sehe die neueste Ankündigung mit gemischten Gefühlen: Es führt einerseits natürlich zu Planungssicherheit. Durch den starren Plan setzt man sich aber andererseits natürlich auch einen Rahmen, auf den man selbst keinen Einfluss mehr hat. Denn letztendlich wird nun durch die Politik entschieden, ob es eine sportliche Entscheidung in den Ligen gibt oder nicht: Was passiert, wenn die nächste Saison wieder nicht gespielt werden kann? Dann gibt es zwei abgebrochene Saisons. Ich bin deshalb in diesen Zeiten immer für flexible Lösungen.“

Aufgrund der stetig steigenden Corona-Fälle ist auch für BCA-Coach Ziob der Saisonabbruch so gut wie sicher: „Ich denke, dass mit dem vorgegebenen Plan der Liga-Abbruch mehr oder weniger feststeht. Die Inzidenzen müssten innerhalb eines Monats so weit heruntergehen, dass mit Kontakt trainiert werden kann. Aktuell steigen aber die Zahlen nach wie vor und ein erneuter Komplett-Lockdown ist im Gespräch. Das kann nicht funktionieren.“

Hoffnung noch nicht aufgegeben in Eching und Unterbruck

Neben all diesen Meinungen, die der Gesamtsituation eher negativ gegenüberstehen und fest mit einem Abbruch rechnen, gibt es zwei Vereinsvertreter, die die Hoffnung auf die Fortsetzung des Ligabetriebs noch nicht komplett aufgegeben haben: Marcus Heiss vom TSV Eching II und Alfons Deutinger vom FCA Unterbruck. „In fünf Wochen kann viel passieren und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Saison vielleicht doch noch wiederaufgenommen werden kann“, zeigt sich der Echinger Trainer teil-optimistisch. „Schön wäre aber, wenn sich alle Spieler nach sechs Monaten endlich mal wieder sehen könnten. Das ist im Amateursport ohnehin das Wichtigste.“

Der Unterbrucker Übungsleiter Deutinger möchte in Bezug auf den A-Klassen-Spielbetrieb noch keine voreiligen Schlüsse ziehen: „Ich denke nicht, dass der Pokal noch zu Ende gespielt wird. Bei der Liga aber stehen die Chancen meiner Meinung nach 50:50. Es ändert sich noch so viel bis zum Mai, also können wir ohnehin nur die weiteren Entwicklungen abwarten. Wir finden es gut, dass man Termine nennt und die Vereine dadurch ein wenig besser planen können. Allerdings hätten wir uns etwas mehr Flexibilität beim Ende der Spielzeit gewünscht und nicht, dass stur am 30. Juni festgehalten wird.“

Der neue Beschluss des Bayerischen Fußball Verbandes zog also trotz neu kommunizierter Stichtage und einer damit verbundenen Teil-Planungssicherheit überwiegend negatives Feedback der Vereine mit sich. Die meisten fordern demnach einen baldmöglichen und finalen Abbruch von Pokal und Liga.

Dominik Grimm: Vereine hängen in der Luft

Dominik Grimm, seines Zeichens Abteilungsleiter beim SV Pulling, fasst das Meinungsbild der Freisinger Vereine wie folgt nüchtern zusammen und spricht damit den meisten Vertretern aus der Seele: „Grundsätzlich ist es nie verkehrt, dass es jetzt einen Plan gibt, damit man halbwegs eine Richtlinie hat. Warum hier immer noch vom Ligapokal die Rede ist, ist allerdings äußerst fraglich. Wenn man die aktuelle Situation betrachtet, ist selbst die Fortsetzung des normalen Ligabetriebs fast nicht mehr realistisch, da es von der Regierung keine Aussicht auf baldigen Kontaktsport gibt. Vielleicht sollte man doch mal einen Cut machen und die Saison abbrechen, damit die Vereine für die neue Saison planen können. Jeder Verein hängt wohl aktuell in der Luft und weiß nicht wirklich, wie es weitergehen soll. Alles in allem würden wir es trotzdem schade finden, wenn die Saison auf diese, nicht sportliche Weise zu Ende gehen würde.“

(Sebastian Dobler)

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