Die Zeit wird knapp: Wenn es in dieser Saison noch mit Punktspielen etwas werden soll, muss nach Vorstellungen des BFV am 3. Mai einheitlich in ganz Bayern mit dem Training begonnen werden können. 
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Die Zeit wird knapp: Wenn es in dieser Saison noch mit Punktspielen etwas werden soll, muss nach Vorstellungen des BFV am 3. Mai einheitlich in ganz Bayern mit dem Training begonnen werden können. 

Verantwortliche der Kreisliga können mit dem Vier-Stufen-Plan des BFV wenig anfangen

Martin Braun: „Der BFV steht mittlerweile alleine da“

  • vonRedaktion Freising
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Die Verantwortlichen der Kreisligisten im Raum Freising können mit der Entscheidung des BFV wenig anfangen. Sie vermissen eine klare Entscheidung.

Landkreis – Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbands hat sich am vergangenen Dienstag zum weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie geäußert. In einem Vier-Punkte-Plan wurde das Vorgehen bezüglich Ligapokal, Verbandsspielrunden und Toto-Pokal geregelt. Unter anderem wurde der Liga-Pokal faktisch gestrichen, denn nur wenn ab dem 19. April flächendeckender Trainingsbetrieb mit Kontakt in Bayern möglich sein sollte, würde eine Fortsetzung aus Sicht des BFV noch Sinn machen. Angesichts der derzeitigen Inzidenzwerte ist daran wohl nicht mehr zu denken. Der Möglichkeit eines Spielbetriebs unter der Maßgabe, dass tagesaktuelle negative Corona-Tests vorzuweisen sind, erteilte der BFV eine Absage. Dies sei nicht realisierbar. Die noch ausstehenden Spiele der Punkte-Runden würde der Verband gerne durchführen. Dazu müsse aber ein uneingeschränkter Trainingsbetrieb ab spätestens 3. Mai gegeben sein. Sollte das nicht der Fall sein, würde unter Einbeziehung aller Vereine über einen Abbruch der Verbandsspielrunde entschieden werden. Eine Vorgehensweise, die nicht bei allen Vereinen auf Gegenliebe stößt.

Martin Ricks, Techn. Leiter BC Attaching: „Ich gehe davon aus, dass die Saison abgebrochen wird“

Ich glaube man kann davon ausgehen, dass der Ligapokal damit vorbei ist. Aber der Wettbewerb war ja von vornherein so ausgelegt, dass es sein könnte, dass der Pokal gestrichen werden muss, wenn es das Infektionsgeschehen nicht anders zulässt. Ich bin auch relativ skeptisch, dass der anvisierte Trainingsstart mit Kontaktsport Anfang Mai klappen wird. Das sind nur noch vier Wochen, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Von daher geh ich schwer davon aus, dass die Saison abgebrochen werden muss. Es wäre natürlich für alle schöner gewesen, wenn wir das hätten sportlich beenden können, aber ich glaube es ist auch gut, jetzt mal ein Ende zu finden. Wie das dann passieren soll, da warten wir jetzt einfach ab, wie sich das weiterentwickelt. Irgendwann wird es vom BFV eine Umfrage geben und dann machen wir uns mit den Verantwortlichen im Verein Gedanken, was für uns in Attaching die sinnvollste Variante wäre.

Andreas Apold, Trainer SC Kirchdorf: Die Verletzungsgefahr wäre zu groß

Ob der Ligapokal praktisch beendet ist oder die Saison abgebrochen werden soll, ist für mich gar nicht so das Wesentliche. Vielmehr stellt sich die Frage, wann wir irgendwann mal dran sind, dass wir wieder normal unter freiem Himmel trainieren dürfen. Und das dann so, dass es auch umsetzbar ist und nicht mit so einem Schwachsinn, wie tagesaktuellen Schnelltests aller Trainingsteilnehmer, wo weder geklärt ist, wer das zahlt, noch wer es kontrolliert und damit haftbar ist. Für mich als Trainer ist die Diskussion über eine schnelle Saisonfortsetzung extrem fragwürdig. Ich bin der allerletzte, der sofort nach dem Abbruch schreit. Aber langsam muss ich mir auch Sorgen um die Gesundheit meiner Spieler machen. Die Verletzungsgefahr wäre bei einer kurzen Vorbereitungszeit von nur drei Wochen extrem hoch und kaum zu verantworten. Denn nach einer mehr als sechsmonatigen Trainingspause brauchst du gerade im Amateurbereich eine ausgiebige Vorbereitung. Unsere Spieler sind ja keine Profis, die da rund um die Uhr sportmedizinisch betreut werden. Sie halten sich zwar schon fit, aber die Belastung und Einflüsse während eines Fußballspiels kannst du beim Joggen im Wald nicht nachstellen. Dazu kommt, dass der Verband ja plant, mit mehreren englischen Wochen am Stück die Spiele durchzubringen. Also auch noch eine erhöhte Belastung mit wenig Regenerationszeit, was mich das Ganze noch kritischer sehen lässt.

Ein einheitliches Meinungsbild wird es zum Thema Saisonabbruch nicht geben. Ich persönlich würde sagen, lasst uns das Ganze abbrechen. Doch ich red mich natürlich leicht, weil bei uns weder nach vorne noch nach hinten was geht. Das sehen die Vereine, bei denen es noch um etwas geht, anders, die wollen natürlich weiterspielen.

Stephan Schikowski, Pressesprecher SVK: Es gibt keine klare Ansage vom BFV

Ich find es komisch, dass wieder keine klare Aussage vom BFV kommt. Alles schwammig in einem Vier-Punkte-Plan, der wieder in Abhängigkeit von irgendwelchen Ereignissen in der Zukunft vieles offen hält. Es wird wieder nicht konkret etwas abgesagt. Für uns Vereine ist das blöd, denn wir sollten uns eigentlich um die Vorbereitung der neuen Saison kümmern. Doch wir hängen noch voll in der Alten fest, wissen noch gar nicht, wie es weitergeht und haben keine Planungssicherheit. Ich denke, der BFV macht es sich da ein bisschen zu einfach. Während andere Verbände das ganz klar entscheiden und kommunizieren, schiebt unserer das weiter vor sich her. Eine Entscheidung wäre da schon mal gut, und eine Meinungsabfrage zum Abbruch wird da nicht weiterhelfen. Denn je nachdem wo der Verein gerade in der Tabelle steht, können die Sichtweisen komplett unterschiedlich sein.

Martin Braun, Sportleiter Neustadt: Das Vorgehen passt zum BFV

Es passt zur Situation beim BFV, dass in der derzeitigen Lage noch nicht einmal der Ligapokal konkret abgesagt, sondern wieder mit einer Frist bis 19. April versehen wird. Ich habe es schon häufiger gesagt, es muss eine klare Entscheidung her. Doch der bayerische Verband bleibt bei seiner Linie und wartet immer weiter auf mögliche, aber sehr unwahrscheinliche, positive Entscheidungen in der Politik. Mit dieser Herangehensweise stehen wir im bayerischen Amateurfußball mittlerweile ziemlich allein. Andere Landesverbände haben inzwischen ihre zweite Saison am Stück abgebrochen. Bei denen könnte sich der BFV möglicherweise Praxistipps bezüglich der Umsetzung eines Saisonabbruchs einholen. Damit würde man sich auch die erneute Abfrage eines Meinungsbildes bei den Vereinen sparen. Denn darüber wirst du nie einen Konsens finden.

Aus meiner Sicht geht es auch nicht darum, wann und ob wir die Punktspiel-Saison 19/21 fortsetzen. Viel wichtiger wäre es, dass wir bald wieder unser Trainingsgelände betreten dürfen und eine gewisse Zeit einfach nur trainieren können.

(Josef Fuchs)

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