„Damals gab’s noch keine Kette“: Christian Berndl als Vorstopper. F
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„Damals gab’s noch keine Kette“: Christian Berndl als Vorstopper.

Ex-Bayern Spieler über seine Karriere

Christian Berndl: Wunderbare Erinnerungen an Moosburg

  • Margit Conrad
    vonMargit Conrad
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Christian Berndl hat in Sachen Sport und Fußball viel erlebt. Ein Rückblick auf seine Karriere.

Nandlstadt – „Ich bin in einer fußballverrückten Familie aufgewachsen“, sagt Christian Berndl, der wie sein acht Jahre ältere Bruder Georg mit dem Fußball beim Heimatverein TSV Nandlstadt angefangen hat. Dass seine beiden Cousins, Sepp und Günther Weiß, in den 1970ern bei den Bayern Profi-Verträge hatten, habe die Leidenschaft für die schönste Nebensache der Welt „natürlich befeuert“, sagt der gebürtige Nandlstädter. Auch seinen zweitgeborenen Sohn Maximilian konnte er dafür begeistern. Trotzdem hat der mittlerweile 56-Jährige nicht nur aktiv das Faible für Tennis entdeckt, sondern für eine Sportart, die ihm wegen der Schnelligkeit „manchmal den Nerv raubt“: Gemeint ist Handball, und dort ist Moritz, sein Ältester, auf der Königsposition, im Rückraum links, beim TSV Mainburg sehr erfolgreich.

Der Fußball begleitet Christian Berndl eigentlich von Kindesbeinen an, und es war tatsächlich so, dass sowohl schulische als auch berufliche Entwicklung immer zeitgleich mit der fußballerischen Karriere zu tun hatte. Denn als Teamleiter „Kundenportal“ der Agentur für Arbeit in Freising seit 2005, hat er stets versucht, Familie, Fußball, Sport und natürlich vor allem die Herausforderungen, die sich durch seine verantwortungsvolle Tätigkeit ergeben haben, in Einklang zu bringen.

Das „geht aber nur mit der Marianne“, gibt er offen zu. Marianne, seine Frau, mit der er drei sportliche Kinder – Moritz (22), Max (20, Fußballer beim SVA Palzing), Melina (15, Handballerin beim TSV Mainburg und Tennisspielerin beim TV Nandlstadt), ist der eigentliche Fels in der Brandung. „Wenn sie nicht über viele Jahre diejenige gewesen wäre, die den Moritz, als er bei der TG Landshut Handball gespielt hat, ständig gefahren, Trikots gewaschen hätte und vieles mehr“, hätte das Leben der sportlichen Familie nicht so gut funktioniert, sagt er voller Dankbarkeit über seine Frau, die auch immer Zeit gefunden hat, ihren Mann zu den Spielen zu begleiten.

Christian Berndl trainierte unter Toni Plattner

Die fußballerische Anfänge waren – wie gesagt – beim TSV Nandlstadt, wo er von 1973 bis 1982 bei den Schülern und in der Jugend gekickt hat. Ein Jahr spielte er bei den A-Junioren des FC Bayern München. Danach wechselte er zum TSV Eching in die Bayernliga, später Landesliga, und blieb dort vier Saisonen. Trainer war bis 1986 Toni Plattner, danach kam Erich Beer. Damals arbeitete er bei der Deutschen Post, bevor er über den zweiten Bildungsweg (BAS/FOS) das fachgebundene Abitur baute.

Irgendwie scheint es schon eine besondere Beziehung zwischen Fußballern und Postlern zu geben. Ob Siegfried Gmahl, Günther „Gi“ Weiß, Christian „Crico“ Radlmaier (gest. 2015), um nur einige Fußballer zu nennen, waren bei der Post tätig. Christian Berndl war in seiner Zeit bei Eching für den Bezirk Dietersheim zuständig. „Vormittags habe ich dort Post zugestellt, und Samstagnachmittag dann in Eching Fußball gespielt“, erinnert er sich lachend an die für ihn perfekte Symbiose von Beruf und Fußball.

Der junge Christian Berndl (Zweiter von links) im Dress des TSV Eching: Die Mannschaft um Kapitän Hans Mühlbauer gratuliert ihm zum Treffer zum 5:3 im Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Bayernliga gegen den MTV Ingolstadt. Der Sieg besiegelte 1985 den Sprung ins bayerische Oberhaus.

Das für ihn „Prägendste“ war allerdings die Zeit in Moosburg: „Dort habe ich beruflich die ersten Schritte beim Arbeitsamt gemacht, und auch mit dem Fußball bei der damaligen Spielvereinigung wieder begonnen.

Schmunzelnd erinnert sich Christian Berndl, der wegen seines Studiums zum Diplom-Verwaltungswirt in Mannheim von 1988 bis 1994 den Fußballsport eher ruhen ließ, und mit Unterbrechungen in dieser Zeit in Nandlstadt kickte, an die „Verpflichtung“ für die Spielvereinigung. „Die Gerlsbecks – der Wacko und der Hans – haben erfahren, dass ich beim Arbeitsamt in Moosburg bin, und überredeten mich im Stüberl am Platz am Bahnhof – ich bin mit dem Radl hingefahren – wieder anzufangen.“ Das war bereits der zweite Anlauf, denn ein paar Jahre zuvor wollte ihn der damalige Bezirksliga-Trainer Franz Schmucker nach Moosburg holen.

Die Gerlsbeck-Brüder hatten Erfolg: Christian Berndl wechselte zur Spielvereinigung nach Moosburg, und schwärmt noch heute „von meiner schönsten Zeit mit nachhaltigen Erinnerungen. Etwa der Festabend 1995: 75 Jahre SpVgg Moosburg, der Stüberl-Umbau 2002/03, bei dem alle Aktiven mitgeholfen haben, an das Saison-Auftaktspiel 1996 gegen den SE Freising II, das er wegen Hausbau ohne ein einziges Training bestritten hat, an die McDonalds-Besuche mit Spielerkollege Martin Hack, der schon einige Jahre in den USA lebt, und mit dem er noch regen E-Mail-Kontakt hat, an das Weißwurst-Frühstück jährlich an Heiligabend im Stüberl, oder eben die Abstimmung über die Fusion 2007/08. Gut im Gedächtnis sind aber auch der Beinbruch von Ex-1860er-Profi Walter Hainer (1. und 2. Liga) oder der überraschende Tod des SpVgg-Vorsitzenden Hans Gerlsbeck im Oktober 2003.

Christian Berndl und Cousins Sepp und Günther Weiß

Durch die Bekanntschaft – auch über die Löwen – ergab es sich, dass Walter Hainer vom damaligen Trainer Wacko Gerlsbeck (beide spielten zusammen bei der SpVgg Landshut) fürs Kreisligateam in der Saison 1995/96 gewonnen werden konnte. „Es war irgendwo schon eine außergewöhnliche Mannschaft“, sagt Berndl, der sich insbesondere an die „tolle Kameradschaft und vor allem die guten Fußballer“ erinnert.

Aber ganz besonders bleiben ihm die Feste in Erinnerung: „Bei der 75-Jahr-Feier haben der Hilz Fredi und ich Emmentaler geschnitten, obwohl wir keinen Strom hatten, also haben wir die Scheiben mehr oder weniger durchgedrückt“, weiß er es, als wäre es gestern gewesen.

Und dann waren da die legendären Ausflüge, sogenannte „Trainingslager“ mit der Spielvereinigung: Etwa auf Mallorca, als „ich gefühlt drei Sekunden auf einem Plastikbullen ausgehalten habe“. Seitdem hat er den Spitznamen „Hoss“ (einer der Cartwright-Söhne aus der Bonanza-Serie aus den 1960er und 1970ern) weg. Spontan eingefallen ist dieser seinem Mitspieler Hans „Haxo“ Schimpfle.

Chris Bernd wird im Trainingslager zum Papa

Ganz besonders erinnert sich Berndl noch an das Trainingslager auf Kreta. Da war ausgemacht, wenn das „Sportliche“ vorüber war, würde seine Frau Marianne nachreisen. Als er sie am Flughafen in Empfang genommen hat, bevor die SpVgg-Kicker abreisten, „hat sie mich mit zwei kleinen gestricken Söckchen begrüßt“, erzählt Berndl. Während er die Botschaft nicht gleich geschnallt hatte, wusste Mitspieler Max Kiermaier sofort die Lösung: „Hey, Chris“, sagte er, „ich glaube, Du wirst Papa“. Natürlich hatte „der Max“ recht.

Und welche Position im Fußball? „In der Bayernjugend und beim TSV Eching immer rechter Verteidiger, damals gab es noch keine Kette“, erläutert er. In Nandlstadt (3. Platz, frühere A-Klasse) war er in der Saison 1989/90 als Kapitän mit zehn Treffern sogar „torgefährlich“. Bei der SpVgg Moosburg fungierte Berndl allerdings immer mit der Nummer 4 als Vorstopper: „Hinter mir Walter Hainer, vor mir Wacko Gerlsbeck.“

Fairness-Preis für den Ausrichter: Christian Berndl (stehend, li.) mit seinen E-Junioren beim Merkur-CUPKreisfinale 2011 mit Ex-Nationalspieler Jimmy Hartwig (Mitte).

1999 ging Berndl dann für zwei Jahre als Spielertrainer zum SV Oberhaindlfing-Abens. Doch die SpVgg Moosburg und überhaupt seine Kumpel, mit denen er soviel erlebt hatte, ließen ihn nicht los. Nicht zuletzt wegen seiner beruflichen Verpflichtung als Geschäftsstellenleiter des Arbeitsamts Moosburg. Diese wurde 2004 im Zuge von Hartz IV aufgelöst.

Dass er fortan in Freising arbeitete, tat der sportlichen Beziehung keinen Abbruch. Während er sich als Jugendtrainer bei seinen Söhnen beim TSV Nandlstadt engagierte, war er gleichzeitig bei der SpVgg noch aktiv. „Am Freitagnachmittag habe ich die F- oder E-Jugend gecoacht, aber die Sachen fürs AH-Training oder Spiel waren schon gepackt, und dann bin ich eben nach Moosburg gefahren“, sagt er.

Als er in Oberhaindlfing aufgehört hat, bettelten alle um seinen Pass: Doch Christian Berndl hat ihn nach Moosburg gegeben, oder dort belassen: „Du bist hoit a Moosburger“, haben die Verantwortlichen seiner weiteren Vereine (TSV Nandlstadt und SV Oberhaindlfing) gesagt. „Das stimmt, dazu stehe ich“, sagt der 56-Jährige.

Und nicht zu vergessen sein Engagement als Jugendtrainer. Zwei Mal erreichte er mit den TSV-Junioren das Kreisfinale im Merkur CUP. 2009 in Allershausen war sein Sohn Moritz im Team, 2011 in Nandlstadt der Maximilian. „Das war natürlich der Hammer, das Kreisfinale auszurichten und dann auch noch den Fairness-Preis zu gewinnen“, sagt Berndl. Wurde doch der Preis von einem ganz besonderen Gast überreicht: Ex-Nationalspieler Jimmy Hartwig (1860 und HSV), warb beim Kreisfinale für die Fairness. „Mia ham dann Karten für ein Spiel von Sechzig in der Allianz-Arena bekommen. Na ja, muss auch mal sein“, lacht Berndl, er, der eingefleischte Bayern-Fan.

(Margit Conrad)

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