Fabijan Hrgota (M.) im Dress des TSV Eching: Der Stürmer band in fast allen Partien gleich mehrere Gegenspieler – Tore für den TSV schoss er sogar noch mit 40 Jahren.
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Fabijan Hrgota (M.) im Dress des TSV Eching: Der Stürmer band in fast allen Partien gleich mehrere Gegenspieler – Tore für den TSV schoss er sogar noch mit 40 Jahren.

Serie: Was macht eigentlich ...?

Fabijan Hrgota: Der lockere Typ mit dem großen Potenzial

  • vonMoritz Stalter
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Was macht eigentlich Fabijan Hrgota? Der 44-Jährige spielte bis 2017 beim TSV Eching in der Landesliga, mittlerweile holt er den Ball nur noch zum freundschaftlichen Kick heraus.

Eching Er ist eine Legende in der jüngeren Vereinsgeschichte des TSV Eching. Ein Stürmer, der die gegnerischen Abwehrreihen stresste und der sogar noch als 40-Jähriger für die Zebras einnetzte. Fabijan Hrgota (44) liebt den Fußball. Das runde Leder holt er aber höchstens noch zum Kick mit Freunden aus dem Regal. Dafür joggt er neuerdings. „Wenn man in diesem Alter nichts macht, kann man sich die Kilos auch gleich drauf klauben“, meint Hrgota und lacht. Während seiner Fußballer-Karriere waren Ausdauerläufe noch lästige Pflicht – „ich habe die Vorbereitung gehasst“. Hätte er sie geliebt, wäre er wohl nie beim TSV Eching gelandet – und dort letztlich heimisch geworden. Denn eigentlich war er immer unterwegs.

Hrgota wurde 1977 im saarländischen Neunkirchen geboren, als Sohn eines Wanderarbeiters aus dem kroatischen Teil des ehemaligen Jugoslawiens. Seine Kindheit verbrachte er im heutigen Kroatien. Dort gab es gute Fußballer wie den Mittelfeldspieler Robert Prosinecki, der für Real Madrid und den FC Barcelona kickte – und wie Hrgota in Deutschland geboren wurde. Kein Wunder, dass auch Fabijan beim Fußball landete. „Ich habe erst mit zwölf Jahren angefangen, war also ein richtiger Spätstarter“, erzählt Hrgota. 1992 kam er zurück, nach München. Er brauchte einen Verein – und startete bei der Suche ganz oben.

Fabijan Hrgota: Vom FC Bayern zum TSV 1860 München

„Wir haben einfach beim FC Bayern nach einem Probetraining gefragt. Das ging damals noch. Es hat geklappt, ich habe dort aber nur drei Monate gespielt“, sagt Hrgota. Er wechselte zum anderen großen Fußballclub der Landeshauptstadt. „Für 1860 habe ich drei oder vier Jahre gespielt.“ Und ganz diplomatisch schiebt er nach: „Beide Vereine sind mir sympathisch.“ Als A-Jugendlicher kickte er für die Amateure der Sechzger und stieg in der Saison 1995/96 als Meister in die Bayernliga auf. Vierter wurde in jener Landesliga-Saison übrigens der TSV Eching – und Hrgota schenkte den Zebras als damals 18-Jähriger ein Tor ein. Dass er später in Eching sein Glück finden würde, ahnte er damals noch nicht.

Hrgota hatte andere Ziele. „Das war einer der ganz Großen im Amateursport“, sagt Sepp Summerer, der zu Beginn der 90er Jahre den TSV Eching trainierte und heute den SVA Palzing coacht. Zum direkten Duell mit Hrgota kam es zwar nicht, aber „ich habe seine Karriere immer verfolgt“. Hrgota kämpfte um einen Platz im Bundesliga-Kader von Trainer Werner Lorant. „Leider hat er überhaupt nicht auf die Jugend gebaut“, bedauert Hrgota. Er wechselte in die Bayernliga zum SV Lohhof. Der Trainer: sein früherer Mitspieler und spätere Zweitliga-Coach Gino Lettieri. Hrgota verletzte sich jedoch schwer. Diagnose: Wadenbeinbruch und Syndesmosebandriss. „Es war nicht sicher, ob ich weitermachen kann. Eigentlich wollte ich aufhören“, sagt Hrgota.

Fabijan Hrgota: „Ich hatte andere Angebote, aber nach so vielen Stationen reicht es irgendwann“

Doch dann fragte Gianni Lettieri, der Bruder von Gino, ob er nicht in die Kreisliga zur SpVgg Moosburg wechseln wolle. Hrgota sagte zu, fand die Freude am Fußball wieder und spielte stark auf. Er verpasste mit den Moosburgern 1999 in der Relegation knapp den Aufstieg zur Bezirksliga. Über die SpVgg Landshut mit Highlights wie einem DFB-Pokalspiel gegen den Zweitligisten Hansa Rostock landete er 2000 beim damaligen Bayernligisten FC Augsburg – trainiert von Gino Lettieri. „Wir kannten uns lang. Gino war eher ein Kumpel als eine Respektsperson. Und ich war nicht zielstrebig und bin mal in Urlaub gefahren. Ein Fehler im Nachhinein. Aber so bin ich halt“, sagt Hrgota.

Nach einem Jahr in Augsburg schloss er sich dem SC Baldham an, wo er erstmals auf Trainer Ivo Bacic traf. Es passte, doch auch dort blieb Hrgota nicht lange. Es folgten Spiele für den TSV Ampfing sowie den TSV Großhadern – und sogar ein Auslandseinsatz: „Mit 27 wurde ich von der kroatischen Bundeswehr eingezogen.“ Danach ging es zurück nach Deutschland und im Sommer 2007 zum TSV Eching. „Ivo hat den Wechsel miteingefädelt“, so der Torjäger über Bacic, der in der Zwischenzeit für die Zebras aktiv war. „Ich hatte andere Angebote, aber nach so vielen Stationen reicht es irgendwann“, sagt er mit Blick zurück. In Eching wurde er glücklich. „Es hat einfach alles gepasst.“

Was war der schönste Moment in der Karriere von Fabijan Hrgota?

Mit dem TSV stieg er in seiner ersten Saison von der Bezirks- in die Bezirksoberliga auf. „Der Aufstieg war für den Verein ein Muss – auch aus finanzieller Sicht“, erzählt Hrgota. Er und seine Teamkollegen hielten dem Druck stand. Die Erleichterung war riesig: „Der Aufstieg mit Eching war der schönste Moment in meiner Karriere.“ Wenige Jahre später folgte ein ganz bitterer: Trainer Wolfgang Donders verlor 2011 den Kampf gegen den Krebs. Sein Tod geht Hrgota noch heute nahe: „Er ist leider viel zu früh gegangen.“ Donders war eine Vereinslegende. Und Hrgota auf dem besten Weg dorthin.

Der Goalgetter erzielte Tore wie am Fließband. Matthias Koston, Trainer der SpVgg Kammerberg und damals mit dem ASV Dachau gegen den TSV Eching auf dem Feld, erinnert sich: „Unser Trainer hat explizit vor Fabijan gewarnt. Wir waren in dem Spiel 80 Minuten lang besser, haben ihm aber einmal zu viel Platz gelassen – und das weit weg vom Tor. Aber dann hat er ihn aus 26, 27 Metern reingehauen“, erzählt Koston. „Das war einer der komplettesten Spieler. Er ist nie viel gelaufen, aber konnte aus jeder Situation Tore machen. Und er war auf dem Platz und nach dem Spiel ein sehr angenehmer Typ.“

Sein letztes Tor erzielte Hrgota 2017 im Hinspiel der Landesliga-Abstiegsrelegation beim TSV Jetzendorf. Dreieinhalb Monate nach seinem 40. Geburtstag machte das Schlitzohr noch einmal den teilweise halb so alten Mit- und Gegenspielern vor, was einen guten Stürmer auszeichnet. Nach einem zu weiten Ball in die Spitze setzte er nach, spitzelte dem Keeper den Ball weg und schob ins leere Tor ein. Nach dem 2:2 verloren die Zebras das Rückspiel mit 0:4. Es war sein letzter Auftritt. „Ich war schon länger überfällig“, blickt er zurück. „Und dann habe ich mich mit dem Abstieg verabschiedet – das war nicht optimal.“

Fabijan Hrgota: Nicht gemacht für den Trainerjob

Einer, der so viel erlebt hat und so erfolgreich war, wäre bestimmt ein guter Trainer. Der 44-Jährige denkt aber das Gegenteil. „Ich bin nicht gemacht für den Trainerjob. Ich würde mich schwertun, Kumpels auf die Bank zu setzen. Und ich möchte in den Urlaub fahren.“ Da ist er wieder, der lockere Typ. Und zeitlich wäre es ohnehin nicht machbar. Hrgota arbeitet als CNC-Dreher in einem Karlsfelder Unternehmen. „Im Schichtbetrieb ist es unmöglich, immer ins Training zu kommen. Das würde keinen Sinn machen“, sagt Hrgota. Und das hat auch was Gutes: Er hat Zeit für seine Freundin und seine Hobbys, Schach und Basketball.

Und für die Laufrunden mit seinen Arbeitskollegen. „Zwei, drei Mal in der Woche joggen wir um den Karlsfelder See. Das sind 5500 Meter, die tun gut“, betont Hrgota. Im Willi-Widhopf-Stadion in Eching ist er immer noch gerne. Dann schüttelt er viele Hände und tauscht sich mit den Leuten aus. „Ich freue mich immer, dorthin zu fahren. Eching war wie eine Heimat. Und ist es immer noch.“

(Moritz Stalter)

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