Die ersten Jahre nach dem Krieg: (v. l.) Hans Gerlsbeck (einer der besten Verteidiger), Gust Stiefenhofer (Markenzeichen Stirnband) und Torwart Schorsch Weindl († 2017).
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Die ersten Jahre nach dem Krieg: (v. l.) Hans Gerlsbeck (einer der besten Verteidiger), Gust Stiefenhofer (Markenzeichen Stirnband) und Torwart Schorsch Weindl († 2017).

Vor 100 Jahren begann die Geschichte des Vereinsfußballs in Moosburg

FC Moosburg: 100 Jahre Vereinsfußball in der Dreirosenstadt

  • Margit Conrad
    vonMargit Conrad
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Vor 100 Jahren hat man in Moosburg erstmals - vereinsmäßig - Fußball gespielt. Doch ein 100-jähriges Vereinsjubiläum kann nicht gefeiert werden.

Moosburg – 100 Jahre ist es her, dass in Moosburg zum ersten Mal – vereinsmäßig – Fußball gespielt wurde. 1920 im damals seit 1862 bestehenden Turnverein als neue Sparte aus der Taufe gehoben, machte sich die Gruppierung ein Jahr später als Spielvereinigung Moosburg von 1920 selbstständig. Doch gefeiert werden kann dieses Jubiläum nicht mehr: 2008 ging der einst älteste Fußballverein der Stadt in der Fusion mit dem FC Real in den FC Moosburg auf – und fand dort im Stadtteil Bonau auch eine neue Bleibe.

Tristes Dasein im Schatten der Türme

Seitdem ist der Fußballplatz gegenüber dem Bahnhof verwaist, das angestammte Gelände im Herzen der Innenstadt mit dem Blick auf die Moosburger Kirchtürme fristet ein trauriges Dasein dahin. Der Sport wird auf diese Fläche nicht mehr zurückkehren. Mehr als zehn Jahre nachdem dort der Ball rollte, liegt das Areal brach und ist alles andere als ein Willkommensgruß für Reisende.

Ewige Suche nach einer sportlichen Bleibe

Die Suche nach einem geeigneten Gelände begleitete den Fußballsport und dessen Gründungsväter und Verantwortliche von Anfang an: Der Tag X, auch dem Fußballsport in Moosburg eine Heimat zu geben, datiert auf den 23. Februar 1920. An jenem Tag, es war ein Montag, lud der Vorstand des Turnvereins von 1862 seine Mitglieder zu einer Versammlung ins Vereinslokal, das Gasthaus Zacherl am Viehmarktplatz, ein.

Fußball war nicht bei allen willkommen

Der Tagesordnungspunkt vier „Fußballsport in Moosburg“ scheint damals manchem Magengrummeln verursacht zu haben. Befürchteten wohl die eingefleischten Turnvereinsmitglieder, die bis dahin eindeutig das Sagen hatten, eine Konkurrenz durch diese neue Sportart. Deshalb waren sie froh, dass diese nur innerhalb des Turnvereins ausgeübt werden sollte und die Fußballer keine Bestrebungen verfolgten, sich selbstständig zu machen. Die Vorarbeiten waren vorbildlich erledigt worden, sodass einstimmig die Gründung einer Spielvereinigung im Turnverein beschlossen wurde.

Festgelegt wurden Satzungen und Spielregeln, und man einigte sich darauf, dass jeden Mittwoch und Samstag auf dem Viehmarktplatz, bei Regen in der Viehhalle, trainiert werden sollte. Erster Trainer war Otto Schneider, genannt „Laura“.

Stadt fällt Kastanien für Fußballfeld

Um den Viehmarktplatz für den Fußballsport nutzen zu können, hatte der TV bereits früher den Stadtrat ersucht, dort Kastanien fällen zu lassen. Und in seiner Sitzung am 18. Februar 1920 hatte das Ratsgremium von Moosburg diesem Antrag auch stattgegeben.

Bald stellte sich jedoch heraus, dass der Viehmarktplatz, weil zu klein, für die Austragung von Spielen nicht geeignet war. Deshalb fand das erste Match nicht dort, sondern auf der Wiese von Bäckermeister Heinrich hinter der Villa Hummel (jenseits der Bahnlinie) statt. Heinrich hatte sein Grundstück uneigennützigerweise zur Verfügung gestellt.

14.3.1920: Erstes Spiel gegen den SC Freising II

Eigentlich hätte zu diesem ersten Wettspiel am 14. März 1920 – die SpVgg-Fußballer waren gleich für den Verbandsspielbetrieb eingeteilt worden – der FC Wacker München III kommen sollen. Wegen der schlechten Zugverbindung wurde dieses Match jedoch abgesagt und eines mit dem SC Freising II vereinbart. In der Domstadt „war schon ein Jahr früher dem Fußballsport gehuldigt worden“, verrät die Chronik, in der es weiter heißt: „Die hiesige Mannschaft konnte nur zweimal üben, und infolge Platzmangels konnte bei diesen Übungen nicht richtig gespielt werden.“

Aufruf an alle, die Fußball spielen wollen

Aber nicht nur die Aktiven waren Neulinge, auch für die Zuschauer – das herrliche Wetter lockte viele auf die Wiese hinter der Villa Hummel an – gab’s Hilfe. Denn zum ersten Fußballwettspiel wurden Zettel mit Spielregeln verteilt, damit sich jeder vom Verlauf unterrichten konnte, ist in der Chronik nachzulesen. Mit 1:5 ging dieses Match verloren. Am 11. April erging dann „ein Aufruf an alle Herren, die Fußballspielen wollen, sich am Viehmarktplatz einzufinden“.

Aber noch immer fehlte ein geeigneter Spielplatz. Doch das Gesuch der SpVgg an den Moosburger Stadtrat auf ein Grundstück in der Größe von 100 x 60 Metern wurde abgeschmettert. Begründung: Die Stadt besitze kein geeignetes Grundstück dieser Größe.

Pachtvertrag mit dem Gastwirt „Zur Lände“

Glücklicherweise konnte mit dem Gastwirt „Zur Lände“, Roman Huber, ein Pachtvertrag abgeschlossen werden. Darin erklärte sich Huber bereit, eine hinter seiner Gastwirtschaft an der Isarbrücke gelegene Wiese von etwa zwei Tagwerk Größe für 800 Mark pro Jahr zur Verfügung zu stellen. Wie sehr das Herz der Moosburger für den Fußballsport schlug, zeigt sich sicherlich darin, dass zwecks der Anpachtung eines Platzes bei einer Haussammlung insgesamt 1376 Mark zusammengebracht wurden.

Große Klubs auf der Weide am Amperbad

Der Platz an der Lände konnte 1920 noch nicht genutzt werden. Deshalb wurden die Spiele entweder auf der Heinrichs- und Bahnhofswiese oder auf der Weide am Amperbad ausgetragen, die Ökonomierat Schweiger zur Verfügung gestellt hatte. Die Historie bietet laut Chronik namhafte Gegner auf: Der TSV 1860 München 1b oder die Reserve des FC Bayern München kickten schon auf der Wiese am Amperbad.

Neugründung der Spielvereinigung

Mitte des Jahres 1921 war ein Zusammenwirken der aufstrebenden Fußballer mit dem traditionsverhafteten TV nicht mehr möglich. Deshalb fand am 4. Juni im Gasthaus Zur Lände die Neugründung der Spielvereinigung Moosburg statt – zu diesem Zeitpunkt zählte die SpVgg bereits 80 Mitglieder.

Platzeröffnung auf der Wiese hinter der Lände

Mit einem gesellschaftlichen und sportlichen Fest wurde am 30./31. Juli die Platzeröffnung auf der Wiese hinter der Lände gefeiert. Diese trug noch zusätzlich zum Fußballboom in Moosburg bei. Schon zwei Monate nach der Neugründung umfasste der Verein 180 Mitglieder, davon 99 Aktive. Diese neun Mannschaften waren für das eine Spielfeld viel zu viele. Deshalb wurde das sechs Tagwerk umfassende Gelände auf der Kippe (längst Heimat des Fliegerclubs) für die Dauer von zehn Jahren gepachtet. Mit dem Sportplatzwechsel wurde auch das Vereinslokal Zur Lände aufgegeben. Man fand ein neues beim Andräbräu am Stadtplatz (seit mehr als 20 Jahren steht dort das Sparkassen-Gebäude). Hier zogen sich die Fußballer um und liefen gut einen Kilometer zur Kippe, um dort Fußball zu spielen. Auf der Kippe gab es weder Umkleidekabinen noch fließendes Wasser. In der Generalversammlung am 14. Januar 1926 tauchte erneut die Frage nach einem Platz auf, weil die Spielfelder auf der Kippe zu weit vom Stadtzentrum entfernt seien. Bis jedoch ein neuer Platz gefunden war, zogen einige Jahre ins Land.

Zum Zehnjährigen: Plätze am Bahnhof  

1930 zum zehnjährigen Bestehen tat sich endlich etwas: In einer außerordentlichen Versammlung ging es um den Erwerb eines neuen Spielplatzes auf den Kirchammer-Wiesen hinter der Bahnhofsrestauration.

Vertrag erlaubt nur Kirchammer-Bier

Der Pachtvertrag aus dem Jahr 1930 für den Fußballplatz am Bahnhof beinhaltete eine damals übliche Klausel. So heißt es darin unter Punkt 3: „Der Pächter, das ist die Spielvereinigung Moosburg e.V., verpflichtet sich, auch auf dem Spielplatze, zum ausschließlichen Bierbezug aus der Brauerei Kirchammer durch den Restaurator Zellner oder eventuell dessen Nachfolger.“ Am 13. April 1930 fand dann das erste Spiel (es gab ein 2:2 gegen den Post SV München) gegenüber dem Bahnhof statt, und damit begann für die SpVgg eine Ära nahe dem Zentrum, immer mit Blick auf die beiden Moosburger Kirchtürme Hansl und Kastl.

Anfang der 1960er Jahre erfuhr die Bahnhofsrestauration einen Anbau, in der die Fußballer ungestört von den restlichen Gästen feiern oder Spielersitzungen abhalten konnten. Nachdem viele Jahre ein von der Reichsbahn erstandener Eisenbahnwaggon als Umkleide- und Waschgelegenheit gedient hatte, entstand ein eigenes Umkleidegebäude mit Schiedsrichterkabine und eine Einheit für den Ballwart.

Als die Bahnhofsrestauration mangels Pächternachfolger geschlossen wurde, waren die Fußballer auf Vereinsheim-Odyssee – bis Mitte der 1970er Jahre das Hotel Kirchammer (anstelle der Holzkegelbahn) entstand. Als es auch da ab Mitte der Jahrtausendwende keinen Pächter mehr gab, wurde in Eigenleistung das Umkleidegebäude nebst Stüberl neu gestaltet, doch längst schon war das Vereinsheim der Gasthof Drei Tannen, damals unter der Familie Freudenstein.

Horrende Pacht für Kirchammer-Erben

Quo vadis, SpVgg-Fußballer, war weiterhin die Frage. Denn: Als der Verpächter-Sohn Erwin Kirchammer und dessen Frau Maria im Jahr 1988 kurz hintereinander starben, gab es in zahlreichen Gerichtsterminen Streitigkeiten über die Aufteilung des Erbes zwischen den beiden Kirchammer-Töchtern. Der verheirateten Schwester und deren Ehemann fielen in letzter Instanz auch die Fußballplätze am Bahnhof zu, doch die gab es nicht zum Null-Tarif, sondern kosteten der Stadt pro Jahr 33 000 Mark.

Wohl in dem Bewusstsein, dass die neuen Besitzer die Fußballer jederzeit vor die Tür setzen könnten, wurden Grundstücke unter anderem im Bereich der Georg-Schweiger-Straße erworben, wo allerdings nichts umgesetzt wurde. Auch eine Rückkehr auf das SGM-Gelände mit angedachter Erweiterung – die Fußballer waren nach der Fusion 1970 bekanntlich eine Abteilung der Sportgemeinschaft – scheiterte. Schließlich setzten sich die Planungen eines Sportzentrums im Stadtteil Bonau durch. Und da zwei Fußballvereine nebeneinander ein Unsinn gewesen wären, kam es im Jahr 2008 zur, auch von politischer Seite angestrebten, Fusion der Spielvereinigung mit dem FC Real Bonau.

Text: Margit Conrad

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