Noch sind die Tornetze – wie hier auf der Anlage des FCA Unterbruck – hochgeklappt. Darüber, ob und ab wann auf dem Rasen wieder mit Kontakt Fußball gespielt werden darf, ist mit Blick auf den Inzidenzwert offen.
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Noch sind die Tornetze – wie hier auf der Anlage des FCA Unterbruck – hochgeklappt. Darüber, ob und ab wann auf dem Rasen wieder mit Kontakt Fußball gespielt werden darf, ist mit Blick auf den Inzidenzwert offen.

Landkreis hat eine Inzidenz von 90,6

Landkreis Freising: Trainingsbetrieb nicht machbar

  • vonRedaktion Freising
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Die Sportvereine in Freising müssen weiter auf den Trainingsbeginn warten. Ein Training mit vorherigem Schnelltest ist für viele Vereine finanziell nicht machbar.

Landkreis – In kleinen Schritten sollen Bayerns Amateurfußballer zurück zu einer Art Normalität gelangen. Das Problem: Die Zahl der Neuinfektionen ist weiterhin hoch. Der Landkreis Freising stand am Sonntag bei einem Inzidenzwert von 90,6 – und damit ist klar: Fußballer über 14 Jahren müssen sich noch gedulden – Ausnahmen gelten nur für Kinder (siehe Kasten). Kontaktsport im Außenbereich ist im Hinblick auf das lokale Infektionsgeschehen frühestens ab dem 22. März möglich – und das auch nur unter der Voraussetzung, dass alle Trainingsteilnehmer über einen tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttest mit negativem Ergebnis verfügen. Für viele Fußballclubs ist das keine Option. Sie setzen erstmal weiter auf individuelle Fitness.

Landesliga: Viele Landkreise mit Inzidenz über 100

Die Fußballer haben wieder eine Öffnungsperspektive bekommen, wobei die im Landkreis Freising angesichts des 7-Tage-Inzidenzwerts auf tönernen Füßen steht. Die Landesliga-Mannschaft des VfB Hallbergmoos rechnet noch nicht mit einem baldigen Trainingsbeginn. Vor allem für den Ligabetrieb sieht der Sportliche Leiter des VfB, Anselm Küchle, aktuell eher schwarz: Er kennt Planspiele des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV), dass man für einen ordnungsgemäßen Abschluss der Runde etwa Ende April wieder mit der Liga starten müsse. Damit müsste Ende März das Training wieder beginnen. Küchle ist hier allerdings skeptisch – was auch die Infektionszahlen verdeutlichen: Landkreise wie etwa Altötting oder Rosenheim liegen derzeit oberhalb von 100 – da dürfen die Clubs definitiv nicht auf den Platz. Über Punktspiele kann man laut Küchle erst nachdenken, wenn alle unter 100 wären. Bei derzeit steigender Tendenz dürfte das noch dauern – und bei der Zusammensetzung der Landesliga Südost von den Landkreisen her müsste einiges passieren, damit wieder alle mit gleichen Chancen trainieren und später auch spielen dürfen.

VfB Hallbergmoos: Kampfloser Aufsteig rückt näher

Anselm Küchle weiß, dass ein kampfloser Aufstieg der Hallbergmooser in die Bayernliga im Falle eines Saisonabbruchs näher rückt. „Aber wir würden es lieber auf dem Platz schaffen. Das macht sicherlich mehr Spaß.“ Für den Herbst könne sich der Sportchef des VfB im Stadion am Airport wieder einen geregelten Spielbetrieb vorstellen – „doch beim Rest dieser Saison wird es wohl maximal ein Durchwursteln geben“. 

SE Freising: Training mit B42

Der Frühling kommt – und eigentlich würden sich auch die Fußballer des SE Freisinglängst auf spannende Ligaduelle freuen. Heuer herrscht allerdings Stillstand. Zumindest individuell arbeiten die Landesliga-Kicker an der eigenen Konstitution, auf Wunsch der Mannschaft stiegen auch die Lerchenfelder im Winter ins Training mit der B 42-App ein. „Wir haben das bewusst niemandem aufgebrummt“, betont SEF-Coach Alex Plabst. In unregelmäßigen Videokonferenzen holen sich Plabst und sein Co-Trainer Florian Bittner Rückmeldungen zum Fitnessstand des Teams ein. Damit es – wann auch immer – nicht bei Null losgeht.

Genau das ist jedoch die beherrschende Frage – auch in der Savoyer Au: Wann wird für Fußballer wieder ein wirklich reguläres Training möglich sein? Frühestens ab dem 22. März könnte es prinzipiell losgehen – bei einer stabilen Inzidenz zwischen 50 und 100 sowie mit einem tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttest mit negativem Ergebnis vor der jeweiligen Übungseinheit. Da werden die Gelb-Schwarzen jedoch erstmal nicht mitziehen: zu viel Aufwand. „Da sind wir bei 20 bis 30 Leuten ja mehr mit Tests als mit Trainieren beschäftigt“, argumentiert Plabst. „Außerdem entstehen da immense Kosten.“ Heißt: Bis zum nächsten Öffnungsschritt im April wird es beim SE Freising Trainingspläne zusätzlich zur B 42-App geben – erst dann kann sich Plabst ein wirkliches Fußballtraining vorstellen.

Plabst: „Das wird ein enger Terminplan“

Wie und ob die laufende Saison zu Ende gebracht wird, steht ebenfalls in den Sternen, alles hängt von den Inzidenzwerten ab. Plabst würde sich wünschen, dass die Runde – bis Ende Juni – fertiggespielt werden kann. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen sei das, was die Entscheidung über Auf- und Abstieg betrifft, nur fair. „Und zum anderen würde das für uns, da es bei uns um nichts mehr geht, den Vorteil haben, dass wir das wunderbar als Vorbereitung für die neue Saison nutzen können.“ Sportlich werde das Ganze aber so und so: Um die Saison bis zur Fußball-EM zu beenden, müsste es wohl Ende April mit den Punktspielen losgehen. „Das wird ein enger Terminplan“, befürchtet der SEF-Coach. ms

TSV Eching: Vorerst bleibt alles beim Alten

Die Sehnsucht nach einer Rückkehr auf den Platz ist auch bei den Bezirksliga-Fußballern groß. „Bei uns ändert sich aber erst einmal nichts“, sagt Gerhard Lösch (32), Trainer des TSV Eching, im Hinblick auf den Stufenplan der Politik. „Wir warten ab und peilen den 5. April an. Falls wir dann wieder mit Kontakt spielen dürfen, gehen wir auf den Platz.“ Erst wenn der Re-Start absehbar ist, wird der Tabellenführer der Bezirksliga Nord in seine Vorbereitung starten. Die ist durch die Lockerungsstrategie der Politik ein Stück näher gerückt, als sie es im Januar oder Februar war. „Wir wollen auf alles gefasst sein und nicht bei Null starten, wenn es wieder losgeht“, sagt der TSV-Coach.

Die Zeit ist vorbei, in der die Spieler der Zebras die Beine hochlegen konnten. Lösch hat Laufpläne verteilt. „Denn ab Montag sollen die Jungs dreimal pro Woche laufen. Erst ist die Grundlagenausdauer dran, dann kommen Intervallläufe.“ Andere Trainer gaben ihren Spielern deutlich früher Laufpläne mit. „Wir haben da nichts gemacht. Ich bin der Meinung, dass viel nicht immer viel hilft. Wir sind Fußballer und keine Marathonläufer“, sagt Lösch. Er setzt auf eine kurze und dafür knackige Einstimmung auf die Vorbereitung: „Mit den zwölf Läufen in den nächsten vier Wochen haben die Jungs erst einmal zu tun.“

SpVgg Kammerberg: Coach Koston setzt auf Eigenverantwortung

Die SpVgg Kammerbergwird ebenfalls abwarten. „Für unsere Planungen ändert sich nichts“, betont Spielertrainer Matthias Koston (30). Er und seine Spieler sehnen sich nach gemeinsamen Trainingseinheiten. „Es wäre schön, wenn wir wieder spielen könnten. Das müsste nicht einmal mit Kontakt sein – Fußballtennis wäre toll“, sagt Koston. Für eine gepflegte Partie Fußballtennis braucht es mindestens vier Personen. Die müssten beim aktuellen Inzidenzwert im Landkreis aus zwei Haushalten kommen – schwer umsetzbar. Koston und seine Kicker müssen sich gedulden.

Kammerbergs Trainer setzt aktuell auf Eigenverantwortung: „Wir haben keine Laufpläne verteilt. Die Jungs sind erwachsen – die wissen, dass sie sich fit halten sollten.“ Das machen sie. Co-Spielertrainer Benjamin Hofmann und Kapitän Tim Bürchner bieten online ein High-Intensity-Training für den Oberkörper und die Beine an. „Wenn wir wieder spielen dürfen, werden wir ein Angebot liefern und einmal pro Woche trainieren“, sagt Koston. Auf freiwilliger Basis: „Wenn es Spieler gibt, die aus beruflichen oder anderen Gründen nicht können oder wollen, ist das okay für mich.“ Was den Start der Vorbereitung betrifft, wäre die SpVgg spontan. „Sollten sämtliche Bedingungen erfüllt sein, könnten wir innerhalb von einer Woche den Trainingsbetrieb hochfahren.“

SVA Palzing: Torhüter Bullok organisiert Online-Training

Die Fußballer des SVA Palzing haben sich ihre erste Saison nach dem Aufstieg in die Bezirksliga ganz anders vorgestellt. „Die Jungs wollen alle spielen, die sehnen sich nach Fußball“, meint Trainer Sepp Summerer (65). Die Betonung liegt auf „spielen“ – also mit Zweikämpfen und allem, was die Sportart ausmacht. „Wenn wir uns nur mit einem negativen Test treffen können, ist das schwierig“, erläutert der Coach. Und weiter: „Wenn ab dem 22. März etwas möglich ist, werden wir spontan schauen und vielleicht einmal pro Woche trainieren.“

Bis dahin versuchen die SVA-Kicker, ihre Form auf ein gutes Niveau zu bringen. Torhüter Manfred Bullok hat ein Online-Training organisiert. „Er hat sich da etwas Gutes überlegt. Ausdauer, Kraft und Gymnastik – alles ist dabei“, sagt Summerer. Der 65-Jährige scheut den Vergleich mit seinen Spielern nicht und klinkt sich in die Video-Einheiten ein: „Es ist sehr anstrengend. Ich hatte einen schweren Muskelkater.“ Den würden sich er und die Spieler lieber auf dem Platz abholen. „Wenn vom BFV ein Signal kommt, dass die Liga startet, werden wir die Vorbereitung organisieren.“   

Kreisliga: Warten auf die fallende Inzidenz

Die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz am vergangenen Mittwoch sehen zwar auch Öffnungsschritte für den Sport vor. Große Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr in den regulären Trainingsbetrieb machen sich die Kreisligisten aus dem Landkreis aber noch nicht. „Im Prinzip hängt das ja alles am Inzidenzwert im Landkreis Freising“, erläutert Martin Ricks, Teammanager des BC Attaching. „Den Wert müssen wir die nächsten vier Wochen unter 100 halten, damit wir überhaupt mit den vom Verband versprochenen drei Wochen Vorbereitung beginnen können. Sollte die Inzidenz in dieser Zeit weiterhin unter 100 oder sogar 50 bleiben, könnten wir theoretisch Ende April spielen. Das sind jedoch noch sieben, acht Wochen. Da kann noch so viel passieren, dass ich da gar keinen Ausblick wagen möchte.“

Ein früherer Trainingsstart ab dem 22. März steht aktuell nicht zur Debatte: Da sich der Landkreis Freising derzeit bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 bewegt, wäre der nur mit aktuellen Schnelltests aller Trainingsteilnehmer möglich. „Wenn wir nur mit Tests trainieren dürfen, dann werden wir nicht trainieren, weil der Aufwand dafür einfach zu groß wäre. Und möglicherweise gibt es Bevölkerungsgruppen, die diese Tests dringender brauchen“, erklärt Ricks.

SC Kirchdorf: Tests sind zu teuer

„Das Günstigste, was ich bisher gehört habe, ist fünf Euro pro Test“, ergänzt Abteilungsleiter Stefan Lohmeier vom SC Kirchdorf. „Also glaube ich nicht, dass das für uns als Verein finanzierbar wäre. Von dem her ist das für uns keine Alternative. Sollte der BFV ein Kontingent zur Verfügung stellen, auf das die Clubs zugreifen können, könnte man darüber nachdenken. Aber daran glaube ich nicht wirklich.“

Sportleiter Martin Braun vom TSV Moosburg gibt zu bedenken, dass in den Vereinen dann wieder ein Ehrenamtlicher die Verantwortung dafür tragen müsse, dass gültige Selbsttests verwendet und sie auch richtig durchgeführt wurden. Außerdem liegt ihm die Chancengleichheit am Herzen. „Wenn ich meine A-Jugendlichen anschaue: Die haben eine Spielgemeinschaft mit Buch am Erlbach. Wenn der Landkreis Landshut einen Inzidenzwert von unter 50 hat, dürfte dort ohne Tests am 22. März mit Training begonnen werden. Dürfen dann die Spieler aus Moosburg nicht ohne Tests am Training teilnehmen oder dürfen sie, weil das Training in Buch stattfindet?“ Das gleiche Thema habe man in den Ligen, die aus Mannschaften aus verschiedenen Landkreisen bestehen. „Da könnte es sein, dass bei uns beispielsweise die Erdinger Teams bereits Wochen ohne Tests voll trainieren konnten, während wir noch darauf warten, dass der Inzidenzwert zwei Wochen lang stabil unter 100 bleibt. Das grenzt dann ja fast an Wettbewerbsverzerrung.“

„Derzeit ist das alles noch ein bisschen vage, es gibt viele Fragezeichen“, findet SCK-Abteilungsleiter Stefan Lohmeier. „Da müssen detaillierte Konzepte und klare Vorgaben für den Ablauf des Trainings- und Spielbetriebs erstellt werden. Der BFV und die Ministerien sind da gefordert. Für mich habe ich jetzt den 8. April als einigermaßen realistischen Termin für einen Trainingsstart ins Auge gefasst. Bis dahin muss man nicht groß überlegen oder planen.“ Zu viel sei noch unklar.

Auch Martin Braun vom TSV Moosburg sieht noch keine Priorität in der Frage nach dem Punktspielstart. „In meinen Augen müssen wir erstmal in allen Bereichen zu einem geregelten Tagesablauf und Leben zurückkommen, beispielsweise für die Schüler den Unterricht sicherstellen, den Arbeitgebern in Handel und Gastronomie eine Perspektive geben und nicht darüber philosophieren, ob die Fußball-Saison 19/21 zu Ende gespielt wird. Das ist zwar ein wunderschönes Hobby, aber es ist einfach nur ein Hobby. Daher ist der Amateurfußball halt nicht so wichtig.“  jfu

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