Hans Pflügler verteidigte im WM-Spiel gegen Kolumbien auf der linken Seite. 

Weltmeister von 1990 im Interview

Hans Pflügler: „Wer damals nicht mitgefiebert hat, war irgendwie fehl am Platz“

  • vonArthur Viol
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Vor 30 Jahren, es war der 8. Juli 1990 in Rom. Deutschland wurde Fußball-Weltmeister, ein Freisinger stand im damaligen Kader von Franz Beckenbauer. 

Freising – Am 8. Juli jährte sich der WM-Triumph der deutschen Nationalkicker in Rom zum 30. Mal. Mit im Kader damals: Hans Pflügler. Der Freisinger war als Achtjähriger vom SV Vötting zum FC Bayern gewechselt und legte dort eine äußerst bemerkenswerte Karriere hin. 277 Erstliga-Spiele, fünf Deutsche Meisterschaften (85, 86, 87, 89, 90) und drei Pokalerfolge (82, 84, 86) stehen u.a. in seiner sportlichen Vita. Die Nominierung für den WM-Kader durch Franz Beckenbauer war der Höhepunkt im Nationaltrikot, die Partie gegen Kolumbien seine insgesamt elfte für Deutschland. Im FT-Interview erinnert sich Hans Pflügler an die aufregendsten Momente der WM zurück.

„Wer damals nicht mitgefiebert hat, war irgendwie fehl am Platz“

Welcher Augenblick kommt Dir ganz spontan und als allererstes in den Sinn, wenn Du an die WM 90 zurückdenkst?

Hans Pflügler: Das war der Moment, als Andi Brehme den Elfmeter gegen Argentinien verwandelte.

Wie hast Du das Endspiel und den Schlusspfiff erlebt? Es gibt ja diese Fernsehbilder, wo man sieht, wie Du mitfieberst und ihr am Ende alle auf einem Haufen liegt.

Wer damals nicht mitgefiebert hat, war irgendwie fehl am Platz. Ganz Deutschland und auch Italien waren unter Strom. Die Italiener unterstützten uns, weil sie gegen Argentinien verloren hatten. Nach dem Schlusspfiff war keiner mehr zu halten.

Würdest Du die WM als absoluten Karriere-Höhepunkt bezeichnen, oder sind es mehrere? Mit den Bayern hat es im Europacup zweimal nicht ganz gereicht. In Rotterdam 1982 gegen Aston Villa, und 1987 gab es die Enttäuschung in Wien gegen Porto.

Ganz ehrlich gesagt war es sicherlich der Höhepunkt mit der Nationalmannschaft, aber die Double-Erfolge mit dem FC Bayern waren für mich persönlich wichtiger, weil ich in der Bundesliga immer gut 30 bis 32 Spiele, und im Pokal auch sechs von sieben Spielen absolvierte. Sowohl Rotterdam als auch Wien liegen mir heute noch schwer im Magen. Damals Europa-Pokalsieger der Landesmeister – das wäre ich noch sehr gerne geworden.

Zimmerpartner von Olaf Thon 

Im dritten WM-Gruppenspiel gegen Kolumbien hattest Du Deinen Einsatz über 90 Minuten. Wie und wann hast Du von Teamchef Franz Beckenbauer erfahren, dass Du spielst?

Andi Breme, der eigentlich der Mann für die linke Seite war, war durch zwei Gelbe Karten gesperrt. Franz Beckenbauer kam am Spieltag vor der gemeinsamen Besprechung auf mich zu und fragte wie ich mich fühle. Ich antwortete „gut“, und dann sagte er, dass ich in der Startelf bin.

Welche Erinnerungen von diesem Spiel sind noch frisch?

Es war leider kein besonders gutes Spiel von mir, aber wir waren durch die ersten beiden Siege schon sicher in der nächsten Runde.

Olaf Thon hat in einem Interview über diese WM in einem Interview erzählt, dass er Dein Zimmerpartner war.

Ja, richtig. Ich war mit Olaf auf einem Zimmer vor dem wichtigen Spiel im Halbfinale gegen England. Hier war es ähnlich, Franz kam nachmittags nach der Mittagsruhe auf unser Zimmer und fragte Olaf, wie er drauf sei und ob er sich das zutraue, heute zu spielen. Olaf antwortete mit „natürlich“ und hat dann auch ein tolles Spiel gegen England gemacht und einen Elfmeter verwandelt.

Jetzt – 30 Jahre danach – kannst Du es ja erzählen. Wie war die Feier danach, welche Vorfälle hat es gegeben, wie ging’s Dir am nächsten Tag?

Es war natürlich eine tolle und lange Feier. An besondere Vorfälle kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Ich, persönlich habe mich zurückgehalten. Ich denke, dass die Spieler, die fünf, sechs oder sogar alle sieben Spiele gemacht haben, mehr Grund hatten, ordentlich und ausgelassen zu feiern als Spieler, die ein oder gar kein Spiel machen durften. Beim Titel 2014 waren Spieler, die nicht gespielt hatten oder nur ein Spiel absolvierten, häufiger mit dem Pokal zu sehen, als jene, die alle Spiele machten.

„Ich traue dem FC Bayern den Champions League Titel zu“

Der ganze Kader von damals wollte sich vor ein paar Wochen am Final-Ort in Rom treffen, das ist jetzt wegen Corona ausgefallen. Holt ihr das nach?

Ja, es ist im Oktober ein Treffen aller Beteiligten in der Toskana geplant. Da freu ich mich schon.

Im Job beim FC Bayern hat es Veränderungen gegeben, wie ist jetzt Dein Aufgabenbereich?

Aktuell bin ich mit Klaus Augenthaler und drei weiteren Kollegen als internationaler Trainer unterwegs. Aktuell ruht das Ganze aufgrund der Corona-Krise etwas, aber die Zeit wird wieder kommen, wo wir auf Reisen gehen.

Für die Mannschaft steht im August die Champions League an, die Erwartungen im ganzen Verein sind groß. Wie ist Dein Tipp, kann die Mannschaft den Titel wirklich holen?

Das wäre natürlich der Hammer, wenn es einem so frischen, neuen Cheftrainer gelingen würde, in seinem ersten Trainer-Jahr das Triple zu holen. Ich traue dem Trainer, aber auch der Mannschaft diesen Erfolg, aufgrund ihrer Spielweise und Spielfreude, zu. Es macht einfach Spaß, die Spiele dieser Mannschaft zu verfolgen. Um die CL zu gewinnen, benötigt man aber auch das Glück zur rechten Zeit.

Im Amateurfußball soll es im September wieder losgehen. Du als alter Vöttinger – wird man Dich bei den Heimspielen wieder sehen?

Ja, sicherlich werde ich wieder die Heimspiele des SV Vötting verfolgen.

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