An vorderster Front: Josef Wesan und die „Rentnercrew“ erbrachten gut 2000 Stunden an Eigenleistung beim Sportheim-Neubau.
+
An vorderster Front: Josef Wesan und die „Rentnercrew“ erbrachten gut 2000 Stunden an Eigenleistung beim Sportheim-Neubau.

„Rentner-Crew“ hilft bei Sanierung des Vereinsheims

Josef Wesan: Vom aktiven Kicker zum Clubchef beim SV Langenbach

  • vonRedaktion Freising
    schließen

Josef Wesan hat dem SV Langenbach sein ganzes sportliches Leben verschrieben. Der 71-Jährige hat mittlerweile fast alle Ämter des Klubs innegehabt.

Langenbach – Das Fußballspielen hat Josef Wesan (71), den alle Sepp nennen, relativ spät angefangen. Erst mit zwölf Jahren hat er seine „Schleich“ (bayrisch: für Fußballschuhe) geschnürt. Das war damals noch für den SV Pulling. Die Treter waren ihm drei Nummern zu groß, sie stammten von seinem Bruder und er musste zwei Paar dicke Socken anziehen, damit er einigermaßen klar damit kam. Aber, der Nachzügler entwickelte technische Fähigkeiten und eiferte alsbald dem Libero schlechthin – Franz Beckenbauer – nach. Jedenfalls machte Josef Wesan als Verteidiger von sich Reden und spielte 1973 bereits in der Bezirksliga Ost. Und zwar für den FC Moosining. Sogar der Sportclub Freising wurde auf ihn aufmerksam. Aber Wesan entschied sich für den SV Langenbach, weil er sich mit Hochzeitsgedanken trug und sich zusammen mit seiner zukünftigen Frau Christine gerade ein Haus an der Pfannenstielstraße baute. Da wohnt er bis heute. Und bis heute ist er dem SV Langenbach verbunden. Als Sportsmann und als begeisterter Funktionär im Ehrenamt.

Unterstützung von der Familie

Der SV Langenbach ist für Wesan zum zweiten Zuhause geworden. Jüngst, während des Sportheimneubaus ging das sogar so weit, dass seine Frau zu ihm sagte: „Ich stell Dir jetzt ein Bett raus.“ Das war natürlich ein Scherz. Seine Frau Christine (71), Tochter Sabine (41) und Sohn Thomas (39) haben Wesan immer unterstützt, wenn es um den Verein und sein Engagement dafür ging. „Mei Papa, das musst Du machen,“ hieß es, als man 1992 beim SVL einen neuen Vorsitzenden gesucht hat. Beide Kinder, damals zehn und zwölf Jahre alt, waren sportlich im Verein aktiv und auch seine Frau hatte nichts dagegen, dass Josef Wesan sich der Verantwortung stellte. Bis 1999 stand er dem Verein vor. Danach trat Wesan ins zweite Glied zurück. Seither ist er Schriftführer und leidenschaftlicher Chronist, der alles fein säuberlich sammelt und dokumentiert, was mit dem SV Langenbach zu tun hat.

Die rüstigen Rentner packen mit an

Und Wesan packt tüchtig mit an, wenn es sein muss. Beim lang ersehnten Sportheimneubau war er Teil einer „Rentercrew“ die miteinander bestimmt 2000 Stunden Eigenleistung erbracht hat. „Da waren die Richtigen beieinander“, sagt der gelernte Bauingenieur und ehemalige Bahnangestellte. Zusammen mit SVL-Urgesteinen wie Charlie Oberprieler oder Torwartlegende Helmut „Steini“ Peter hat Wesan wesentlich dazu beigetragen, dass das neue Sportheim jetzt so gut wie fertig ist und sobald es Corona zulässt, feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden kann. Die rüstigen Renter haben die Treppen gebaut, Marmorsteine gesetzt, Brüstungen und Geländer montiert. Ganz zu schweigen von den Pflasterarbeiten, die man ebenfalls überwiegend selber gemacht hat. Mehr noch, Sepp Wesan war im eigens gegründeten Bauausschuss aktiv und er hat den aktuellen Vorsitzenden Christian Huber von Anfang an in dem Bemühen unterstützt, den gut 700 000 Euro teuren Neubau aus eigener Kraft zu stemmen. Und zwar mit Hilfe eines von der Gemeinde mitgetragenen und auf Beteiligung der Mitglieder basierenden Finanzierungsmodells. Wesan ist erklärtermaßen stolz darauf, dass man auf Verbands-Zuschüsse verzichtet hat und dadurch überwiegend mit ortsansässigen Firmen zusammenarbeiten konnte. Er selbst hat etwa die Planung einer Stahlkonstruktion für das Dach beigesteuert. „Ich bin ja Stahlbauer“, sagt er dazu und der Stolz, dass er seinen Teil zum Gelingen des ehrgeizigen Bauprojektes beitragen konnte, ist ihm anzumerken.

Nach dem Fußball das Tennisspielen entdeckt

Dass er sich damals als Fußballer für den SV Langenbach entschieden hat, das bereut Wesan bis heute nicht. Gerne holt er die alten Fotos hervor und erinnert sich daran, wie er als jungverheirateter Mann, zweimal die Woche mit Eifer trainiert und in der ersten Mannschaft des SVL in der B-Klasse seine ganze Technik ausgespielt hat. So manchen gegnerischen Angreifer hat er damit schier zur Verzweiflung gebracht. Bis heute wurmt es den Libero, dass man damals den Aufstieg in die A-Klasse knapp verpasst hat. Anfang der 1980er-Jahre neigte sich seine Karriere als Amateur-Fußballer allerdings dem Ende zu. Es zwickte in der Leiste und auch die Knie machten Probleme. So mir nichts, dir nichts aufgeben und die Fußballschuhe an den Nagel hängen, wollte Wesan aber nicht. Nach einem halben Jahr Pause probierte er es noch einmal in der ersten Mannschaft. Aber er musste aus gesundheitlichen Gründen leiser treten und wechselte deshalb 1984 zur AH. Später entdeckte Wesan dann das Tennisspielen für sich. „Weil man das dann da besser auspendeln kann“, erinnert er sich.

Einweihungsfeier das nächste große Kapitel

„Dass Kitzeln im Bauch“ vor dem Spiel, vor dem Anpfiff auf dem Fußballplatz, die Nervosität, das hat ihm lange gefehlt. „Aber dann war die Anspannung nicht mehr so da“, begründet Wesan seinen Entschluss, doch ganz mit dem Fußballspielen aufzuhören. Danach hat er seine Energie in die Vereinsarbeit, in seine Aufgaben als Vorsitzender und Schriftführer gesteckt. Seit er in Rente ist und nicht mehr in ganz Bayern als Brücken-Gutachter für die Bahn unterwegs ist, tut er das mit noch mehr Liebe zum Detail. Die dicke Vereinschronik (inzwischen Teil II: 2008 bis heute) mit penibel eingeklebten Fotos und Zeitungsartikeln hält er voller Wertschätzung in Händen. Und Sepp Wesan kann es kaum noch erwarten, bis er das nächste große Kapitel, die Einweihungsfeier des neuen Sportheimes darin aufschlagen kann. „Eigentlich hätte die ja bereits im Juni vergangenen Jahres über die Bühne gehen sollen. Zusammen mit dem Burschenverein, der ein Jubiläum zu feiern gehabt hätte. Jetzt unternimmt man heuer im Sommer einen neuen Anlauf. Kaum einen würde es wohl mehr freuen, wenn das klappen würde.

(Alexander Fischer)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare