Abbruch oder Fortführung: Alles ist möglich im Jugendfußball. Das Bild zeigt die torlose Partie der U19 des SE Freising (Leon Durmishi, l.) gegen den VfB Eichstätt in der Bezirksoberliga.  
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Abbruch oder Fortführung: Alles ist möglich im Jugendfußball. Das Bild zeigt die torlose Partie der U19 des SE Freising (Leon Durmishi, l.) gegen den VfB Eichstätt in der Bezirksoberliga.  

Corona verkompliziert den Übergang vom Jugend- in den Herrenfußball

Was passiert mit den A-Junioren, die im Sommer aufrücken?

  • vonJochen Jürgens
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Verbandsjugendleiter hat am vergangenen Wochenende in Webinaren verschiedene Szenarien vorgestellt. Wie es im Jugendbereich weitergeht, bleibt vorerst offen.

Landkreis – Während im Erwachsenenbereich verbandsseitig die Weichen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 1. September (oder notfalls auch später) gestellt sind und dabei bislang erreichte Tabellenplätze und Punktestände berücksichtigt werden sollen, gibt es für den Nachwuchs noch keine Lösung. Verbandsjugendleiter Florian Weißmann stellte am vergangenen Wochenende in einem wahren „Webinar-Marathon“ verschiedene Szenarien von Komplettabbruch bis hin zur Fortführung wie im Frauen- und Männerfußball vor. Die Frage, wie es denn für die Kinder und Jugendlichen weiter geht, bleibt aber vorerst offen.

Blick in den Jugendbereich gestaltet sich kompliziert

Nach dem letzten Stand werden die bayerischen Vereine eher nicht zur Erstellung eines Meinungsbildes wie bei den Senioren aufgefordert werden. Die gaben dem Verband mit ihrer „Ja-Stimme“ grünes Licht für eine Fortsetzung der ausgesetzten Saison 2019/20. Nun mag es gerade den kleineren Landkreisvereinen zumutbar gewesen sein, für ihre meist nicht mehr als zwei bis drei Damen- und Herrenteams eine Entscheidung zu treffen. Als deutlich komplexer entpuppt sich der nähere Blick auf den Unterbau, speziell für die A-Jugendlichen (U19). Denn das ist die Altersklasse, in der ein Großteil der Spieler zusätzlich bereits im Herrenbereich zum Einsatz kommen darf, aber auch jene, auf die schulisch bzw. beruflich häufig die bis dahin im Leben größten Herausforderungen und Veränderungen einprasseln. Befanden sich beispielsweise Schuljahr und Jugendfußballsaison bis zur Coronakrise wenigstens einigermaßen im Gleichlauf, ist der ordnungsgemäße Abschluss der Ligen im Sommer 2020 ausgeschlossen – und je nach zukünftigem Szenario – mindestens im Sommer 2021 ungewiss. Bedeutet: Durch den Beginn von Ausbildungen oder Semestern könnte es sein, dass Vereine auf Spieler, die bis zum Saisonende regulär zur Verfügung gestanden hätten, in einer möglichen Verlängerung ab dem 1. September verzichten müssen.

Malecki rechnet nicht mit zu großen Problemen

Rafael Malecki, U19-Trainer des Bezirksoberligisten SE Freising, rechnet dadurch in seinem Kader nicht mit zu großen Problemen. „Das sind eher Einzelfälle und die passieren unter der Saison auch“, so seine Einschätzung. Eine größere Gefahr lauere, falls es doch irgendwelche Möglichkeiten (wie ein verkürztes Transferfenster) zum Vereinswechsel geben sollte. „Das muss auf jeden Fall ans neue Saisonende verschoben werden, sonst droht Wettbewerbsverzerrung“, stellt Malecki klar und fragt sich, wie das Programm der ausgesetzten Saison überhaupt bewältigt werden könne. „Wenn wir dann an einem Mittwochabend in Murnau antreten müssen – wie soll das gehen?“

Mögliche Probleme für Spielgemeinschaften

Beim SV Langenbach, dessen Akteure gemeinsam mit Kickern aus Haag, Kirchdorf und Marzling in einer der zahlreichen Spielgemeinschaften des Landkreises auflaufen, sieht Abteilungsleiter Sebastian Zitzelsberger ein mögliches Problem in der Kommunikation der Vereine untereinander. „Jeder macht sich bestimmt schon seine Gedanken“, versichert Zitzelsberger, „doch so bald wie möglich sollten sich die Verantwortlichen an einen Tisch setzen.“ Denn ohne eine klare Sonderregelung durch den Verband befürchtet der Langenbacher Fußballchef, dass die Spielgemeinschaften im schlimmsten Fall auseinanderbrechen könnten, weil die A-Jugendlichen lieber im Herrenbereich ihrer Stammvereine auflaufen wollen oder sollen. „Wann immer zeitlich möglich, sollen die Jungs auch in ihren Herrenteams spielen“, stellt Zitzelsberger klar – nur dürfe das eben nicht komplett zu Lasten noch bestehender Teams gehen. Denn natürlich trainieren die U19-Kicker hier und da bereits im Erwachsenenbereich mit und helfen sonntags auch (dauerhaft) aus. „Die Jungs verabschieden sich mental vom Jugendfußball“, zeigt Andreas Locke, neben Christian Czypull und Gerhard Kain einer von drei Trainern der SG, Verständnis. Aufgrund „geselliger Aspekte“ fühlte sich der eine oder andere in dem Alter ja eh schon mehr den Herrenteams gegenüber verbunden.

„Organisatorisch wäre deshalb der Saisonabbruch möglich und vielleicht am einfachsten“, meint Locke. „Aber was macht man zum Beispiel mit der BOL?“ „Abwarten und die Teams mit Videokonferenzen und Online-Taktikschulungen“ zusammen halten, sagt Malecki abschließend.

Text: Jochen Jürgens

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