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Stefan Gomm: Der Schiedsrichter gibt einen Kommunikationsfehler zu.

Fußball - Kreisliga

Kirchasch vs. Kranzberg: Darum hat Schiedsrichter Gomm den späten Ausgleich annulliert

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Zuerst das Hoffen, dann der unbändige Jubel und am Ende die ganz große Wut – willkommen in der Gefühlswelt der Kirchascher Fußballfans. Mittendrin: ein Freisinger Schiedsrichtergespann.

Kirchasch/Kranzberg – Lange Zeit waren die Kreisliga-Kicker des SC Kirchasch gegen den SV Kranzberg einem 1:2-Rückstand hinterhergelaufen. In der Schlussminute gelang Sebastian Maier der Ausgleich. Dadurch hätte der Aufsteiger einen wichtigen Zähler im Abstiegskampf geholt. Alles schien gut – bis Referee Stefan Gomm den Treffer annullierte.

KSC-Pressesprecher Walter Pelzl war außer sich: „Wie kam er nur dazu? Der Linienrichter hatte doch nicht mal die Fahne gehoben.“ Der Kirchascher Pressesprecher konnte sich das nur so erklären: „Die Kranzberger haben den Linienrichter bedrängt. Das allein hätte der Schiri schon gar nicht zulassen dürfen.“ Pelzl ist sich sicher: „Nur wegen dieser Kranzberger Proteste ist der Linienrichter nochmal auf den Schiedsrichter zugegangen.“ Und ohnehin sei es keine gute Idee, „dass hier Schiedsrichter aus dem gleichen Landkreis wie der Gegner angesetzt werden“.

Das ärgerte Gomm mächtig. „Mal abgesehen davon, dass ich aus Langenpreising bin, hatten wir mit dem Spiel bis zu dieser Szene null Probleme.“ Dass er Obmann der Schiedsrichtergruppe Freising sei, liege daran, „dass wir Langenpreisinger früher oft in der Freisinger Gruppe gespielt haben – deshalb war die Verbindung da“. Er habe „natürlich mit den Kranzbergern genauso viel oder wenig am Hut wie mit den Kirchaschern“. Zudem habe er ja in der elften Minute einen Handelfmeter für den KSC gepfiffen und bis zur 90. Minute keine Probleme gehabt.

Gomm: Die Fahne war nur kurz oben

Nun aber kam die besagte Szene – „und da haben wir dann einen Fehler gemacht“, gibt Gomm zu. Wohlgemerkt einen „Kommunikationsfehler“, betont der 28-Jährige, der schon mit 13 seine ersten Fußballspiele leitete. Der Torschütze habe nämlich in der Szene kurz im Abseits gestanden. „Da hat der Assistent die Fahne gehoben, aber sie dann leider wieder runtergenommen, als Maier aus dem Abseits ging und dann das Tor schoss.“

Gomm zeigte zur Mitte, dann aber habe ihm sein Assistent die entscheidende Abseitsstellung mitgeteilt. „Da blieb mir gar keine andere Wahl, als das Tor zu annullieren. Als Schiedsrichter muss ich mich auf meinen Linienrichter verlassen“, sagt Gomm und fügt hinzu: „Und das kann ich auch.“ Schließlich arbeiten die beiden schon seit zehn Jahren zusammen. „Aber klar, die Fahne hätte er oben lassen müssen. Das weiß er auch selbst“, so Gomm weiter.

Er zeigte Verständnis dafür, dass die Kirchascher aufgebracht waren. Daher schreibe er auch keine Meldung an den Verband, „obwohl da sämtliche Wörter gefallen sind, die man nicht hören will, und einen Ordnungsdienst habe ich auch nicht gesehen“. Dass man dem Schiedsrichtergespann jedoch nun allein die Schuld für die Niederlage zuschiebe, kann Gomm nicht nachvollziehen: „Der KSC hat auch sehr viele Chancen vergeben.“ Und dass in Kirchasch ein Freisinger Gespann gepfiffen habe, sei völlig normal. In der Erdinger/Freisinger Kreisliga bediene man sich eben der Referees aus den beiden Landkreisen. Sieben bis acht Spiele im Jahr würden von Pfaffenhofener oder Ingolstädter Kollegen geleitet, „aber wir müssen schon auch schauen, dass wir unser Spesenbudget nicht überschreiten“.

Pelzl: Wir fühlen uns verschaukelt

Laut Pelzl wäre aber eben gerade die Konstellation dieser Partie – Abstiegskampf pur – ein Grund gewesen, ein auswärtiges Gespann zu nehmen. „Bei 08/15-Spielen haben wir schon Schiris aus dem Chiemgau und Schwaben gehabt.“ Der KSC-Pressesprecher bescheinigte übrigens Gomm eine gute Leistung „bis etwa zur 75. Minute. Dann haben wir auf den Ausgleich gedrückt, und es gab sehr viele Fouls. Da ist ihm das Spiel aus den Händen geglitten.“ Dass die Zuschauer nach der Entscheidung in der Schlussminute getobt haben, ist für Pelzl verständlich. „Wir haben uns verschaukelt gefühlt.“

Eins ist Gomm übrigens noch wichtig: KSC-Fußballchef Maxi Bals habe sich nach dem Spiel vorbildlich verhalten. Der wiederum versucht, den Ball flach zu halten: „Das war eine komische Situation. Vor allem von der Tribünenseite hat das saublöd ausgeschaut. Ich habe auch nicht gesehen, dass die Fahne auf der gegenüberliegenden Seite hochging. Und ich kann auch nicht beurteilen, ob der Torschütze im Abseits stand. Das war bei dem Getümmel sehr schwierig.“ Stefan Gomm habe den Kommunikationsfehler zugegeben – das zeige auch dessen Größe. „Ich kenne ihn schon lange als guten Schiedsrichter.“

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