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Verzwickte Situation: Alexander Beer (r.) und die Fußballer des TSV Eching würden nach der Quotientenregelung nicht in die Landesliga aufsteigen. Doch eine Korridor-Lösung könnte Abhilfe schaffen.

Welche Konsequenzen hätte ein möglicher Toleranzbereich?

Kreis Freising: Quotientenregel mit Toleranzbereich käme Vereinen zugute

  • vonMoritz Stalter
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Die Saison 2019/21 soll mittels Quotientenregelung abgeschlossen werden. Eine Regelung mit Toleranzbereich hätte für Vereine aus dem Kreis positive Konsequenzen.

Landkreis Freising – Die Saison 2019/21 wird nicht sportlich zu Ende gebracht. Das hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) bekannt gegeben. Der Paragraf 93 der Spielordnung, auch als „Abbruch-Paragraf“ bezeichnet, regelt, wer in diesem Fall auf- und absteigt. Das Zauberwort darin heißt Quotientenregelung. Der Quotient errechnet sich dabei aus der Anzahl der Punkte geteilt durch die Anzahl der absolvierten Spiele. Viele Vereinsvertreter finden diese Regelung nicht fair – Rudolf Hauke, Vorsitzender des TSV Eching, nennt sie gar „unsäglich“. Die Zebras führen seit einer halben Ewigkeit die Tabelle der Bezirksliga Nord an, dürften jedoch nicht aufsteigen. Unten hätte der SVA Palzing dagegen Glück – und würde sich den SV Sulzemoos vom Leib halten, ohne in den Saisonendspurt zu müssen. Die Sulzemooser sind sauer.

Bevorstehender Saisonabbruch: BFV befürchtet überfüllte Ligen

Anstelle der Bezirksliga Nord würde auch die Landesliga Südost oder die Kreisklasse 3 als Beispiel taugen. Auch dort gibt es – wie in vielen Ligen – Verschiebungen. Betroffene Vereine in Bayern liefern in Eigenarbeit Konzepte für eine alternative Regelung. Sie werden aber nicht gehört vom Verband, der Kampagnen mit Titeln wie „Pro Amateurfußball“ fährt. „Wir sind auf jeden Fall gut beraten, uns nicht auf völlig überfüllte Ligen einzulassen. Das würde mit großer Wahrscheinlichkeit schiefgehen“, warnt BFV-Präsident Rainer Koch.

Mit ein bisschen Kreativität wären aber Alternativen zum § 93 möglich – ohne zu aufgeblähte Ligen. Warum nicht einen Toleranzbereich hinter den direkten Aufstiegsplätzen und dem letzten Abstiegsrelegationsplatz einführen? Damit würde der BFV verhindern, dass die Ligen in der kommenden Spielzeit zu voll werden. Und nicht Vereine belohnen, die den Klassenerhalt sportlich nicht verdient hätten. Clubs wie den Türkischen SV Ingolstadt in der Bezirksliga Nord. Die Ingolstädter holten in 23 Partien nur drei Punkte. Auch der FC Finsing hat bei 14 Zählern Rückstand zum rettenden Ufer keine realistische Chance. Profitieren würden Vereine wie der SV Sulzemoos. Die Sulzemooser haben einen um 0,05 Zähler schlechteren Quotienten als Palzing. Ein Hauch von Nichts.

Quotientenregelung: Toleranzbereich würde für mehr Gerechtigkeit sorgen

Würde ein Korridor etwa auf 0,10 Zähler festgelegt werden, wäre Sulzemoos gerettet. In der Bezirksliga Nord würden statt drei Teams nur zwei absteigen. Dem TSV Eching würde dieser 0,10-Punkte-Korridor nicht weiterhelfen: Denn bei einem Quotienten-Rückstand von 0,14 auf den FC Schwaig würden die Zebras am Aufstieg vorbeischrammen. Die Größe des Toleranzbereichs könnte jedoch auch 0,20 Zähler umfassen. In diesem Fall hätten die Echinger Glück.

Saisonabbruch: Regelung mit Tolenzbereich würde erheblichen Aufwand bedeuten

Auch auf andere Ligen mit Teams aus dem Kreis Freising hätte so eine Regelung positive Auswirkungen. Nach § 93 würde es im Tabellenkeller der Kreisklasse 3 dramatisch werden: Der SC Freising (1,06) würde die punktgleiche SpVgg Mauern (1,00) vom Relegationsplatz stoßen und die Klasse halten. Der zweite Absteiger neben Mauern wäre Schlusslicht SG Eichenfeld. Bei einer Korridor-Lösung mit einem Toleranzbereich von 0,10 wäre Mauern gerettet. Eichenfeld, das in der gesamten Saison nur einen Punkt holte, würde absteigen. Statt zwei gäbe es nur einen Absteiger. In der Landesliga Südost müsste der ASV Dachau laut BFV-Regelung runter, mit der Korridor-Lösung wäre er gerettet. Also gäbe es mit Schlusslicht Waldkirchen lediglich einen Verein, der in den sauren Apfel beißen müsste.

Ob dieser Vorschlag nur im Keller angewendet wird oder ebenso an der Tabellenspitze, wäre Thema einer weiteren Diskussion. In der Landesliga Südost würde nach § 93 der aktuelle Zweite VfB Hallbergmoos (Quotient 1,93) den TSV Eintracht Karlsfeld (1,86) von Rang eins verdrängen. Der SV Erlbach (1,88) wäre damit neuer Zweiter. Nach der Korridor-Variante gäbe es drei Aufsteiger – genauso wie in der Kreisklasse 3: Neben dem TSV Au (2,26) wären es der SV Vötting (2,22) und der TSV Nandlstadt (2,21).

Für eine endgültige Lösung und Größe des Toleranzbereichs müssten alle Amateurligen betrachtet werden. Ein erheblicher Aufwand. Den investieren viele Vereinsvertreter seit Monaten, um Vorschläge zu erarbeiten. Drei Oberfranken zum Beispiel präsentierten dem BFV kürzlich ein aufwändiges Modell zur Umstrukturierung der Landesligen. Und der unterfränkische Landesligist ASV Rimpar richtete sich mit einem Positionspapier direkt an Präsident Rainer Koch. Thema: keine Absteiger im Fall eines Saisonabbruchs. Rasch unterzeichneten 50 Mitstreiter den Vorschlag. Die Vereine machen sich also Gedanken. Auch deshalb existiert eine Erwartungshaltung an die BFV-Oberen, die zweifellos gerade einen alles andere als leichten Job haben.

Auch die Korridorvariante würde nicht alle Vereine zufriedenstellen

Der BFV könnte allerdings ein positives Zeichen in Richtung der Vereine setzen. Weg von juristisch abgesicherten Regelungen hin zu „Pro Amateurfußball“. Fakt ist: Es wird auch bei anderen Konzepten wie der Korridor-Variante Grenzfälle geben. Und der BFV würde es auch nach dieser Vorgehensweise nicht allen Teams recht machen. Er hätte aber pro Liga ein paar Teams mehr zufrieden gestimmt und immerhin verhindert, dass die Ligen in der neuen Saison allzu aufgebläht wären.

(Moritz Stalter)

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