Ein Saisonabbruch wird immer wahrscheinlicher.
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Ein Saisonabbruch wird immer wahrscheinlicher.

Verantwortliche im Kreis Freising äußern sich

Gerry Lösch: „Alles läuft auf einen Saisonabbruch hinaus“

  • vonRedaktion Freising
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Die Klubverantwortlichen im Kreis Freising äußern sich zu einer möglichen Saisonfortsetzung. Durch die Verlängerung des Lockdowns wird ein Saisonabbruch wahrscheinlicher.

Landkreis – Das Wort „Notbremse“ ist in aller Munde. Im Landkreis Freising greift sie ab dem heutigen Mittwoch, weil seit dem Wochenende die 7-Tage-Inzidenz jenseits von 100 liegt. Das bedeutet: Mannschaftssport ist untersagt, Öffnungsschritte sind außen vor. Zudem haben Bund und Länder den Lockdown nicht nur bis 18. April verlängert, sondern in Teilen auch noch verschärft. Wie die Corona-Lage nach den Ferien aussieht, ist unklar. Für die Fußballer heißt das: Der Spielraum, die Saison zu Ende zu bringen, schwindet zusehends. Wie soll der Bayerische Fußball-Verband (BFV) nun reagieren? Wie stehen die Chancen, dass die Runde 2019/21, ob mit oder ohne Ligapokal, bis 30. Juni fertiggespielt werden kann? Würde eine weitere Verlängerung der Saison Sinn machen? Oder sollte man auch hier die Notbremse ziehen und die Spielzeit lieber gleich abbrechen? Das FT hat sich bei den Landkreis-Vereinen umgehört.  

Anselm Küchle, Sportlicher Leiter des Landesligisten VfB Hallbergmoos:

„Eigentlich hat sich nichts geändert. Ein Start Ende April ist vom Tisch – und das hätte es laut meinen Verbandsinformationen gebraucht, um die Saison bis Ende Juni zu Ende zu bringen. Ich sehe daher keine Möglichkeiten mehr, diese Runde fertigzuspielen. Für alle Clubs und auch die Entscheider beim Verband wäre es nun gut, diese Kaugummi-Saison ad acta zu legen. Natürlich wird es dann auch verärgerte Vereine geben, die ihre Ziele nicht erreicht haben. Der Verband hat genau für diese Situation die Abbruchszenarien geregelt. Bei einer weiteren Streckung der Saison würde dann auch gleich die nächste Spielzeit wieder belastet beginnen.“  

Alex Plabst, Trainer des
Landesligisten SE Freising:

„Schwierige Frage, ob es noch nachvollziehbar ist, dass bis 18. April kein Kontaktsport erlaubt ist. Das ist eine schwierige Entscheidung. Hinterher ist man immer schlauer. Genauso tue ich mich schwer bei der Frage, ob die Saison zu Ende gespielt werden soll. Allein aus Fairnessgründen ja. Sportlich wäre es gerechter, es auf diesem Weg zu entscheiden und nicht mit der Quotientenregel. Was ich sehr kritisch sehe, ist, dass angeblich nur drei Wochen Vorbereitung angedacht sind – da muss der Verband mehr zugestehen. Die Frage ist auch, ob ein BFV-Funktionär das verantworten möchte. Hier sollte schon eine gewisse Verantwortung den Vereinen und Spielern gegenüber im Bezug auf Verletzungen da sein – insbesondere bei Clubs, bei denen es noch um etwas geht. Wir können es uns leisten, unsere Spieler zu schützen. Die Ergebnisse wären in einer möglichen Restsaison zweitrangig.“  

Gerhard Lösch, Trainer des Bezirksligisten TSV Eching:

„Vor zwei, drei Wochen hatte ich ein gutes Gefühl, aber jetzt läuft alles auf einen Abbruch der Saison hinaus. Bei drei Wochen Vorbereitung – das ist das absolute Minimum – und in unserem Fall noch sechs Spielen müsste man spätestens in der letzten April-Woche starten, um bis zum 30. Juni fertig zu sein. Es gibt allerdings auch Teams, die noch sieben oder acht Partien haben. Das ist nicht umsetzbar. Vor allem sehe ich nicht, dass wir in absehbarer Zeit spielen können. Wir würden aufgrund der Quotientenregel hinter Schwaig auf den zweiten Platz zurückfallen. Ich finde die Regel nicht ganz fair. Wir hätten zum Beispiel noch Schwaig im direkten Duell – und es gibt Mannschaften mit leichterem und schwererem Restprogramm. Das verzerrt. Bei einem Abbruch würde ich mir für die Jungs wünschen, dass die Teams auf dem direkten Aufstiegsplatz und dem Relegationsrang aufsteigen dürfen. Und dass es außerdem keinen Absteiger gibt.“  

Sepp Summerer, Trainer des Bezirksligisten SVA Palzing:

„Wenn du am 20. April anfangen darfst, könnte es noch für eine Vorbereitung und für die restlichen Spiele reichen. Ich denke, dass sie erst mal den Ligapokal canceln. Die fairste Lösung wäre auf jeden Fall, die Saison durchzuziehen. Sieben Spiele müsste man schon irgendwie über die Bühne kriegen. Die Frage ist natürlich: Was passiert mit der Relegation? Die Situation ist schon außergewöhnlich. Man hofft, dass es losgeht, stellt sich gedanklich auf eine Vorbereitung ein – und dann kommt die nächste Absage. Da verzweifelt man schon ein bisschen. Ich bin mir allerdings sicher, dass sich der Verband bemüht.“ 

Matthias Koston, Coach des Bezirksligisten SpVgg Kammerberg:

„Für mich gibt es zwei Lösungen: Entweder, man bricht ab und startet eine neue Saison. Oder man zieht diese Runde irgendwie durch – wenn nötig auch über den 30. Juni hinaus. Aus unserer Sicht kann man das Thema entspannt angehen. Wir haben weder mit dem Auf- noch mit dem Abstieg etwas zu tun. Alle Trainer schauen natürlich durch die Vereinsbrille. Und ich denke, dass Trainer von Teams, für die es um nichts mehr geht, eher für einen Abbruch plädieren. Für diejenigen, die entscheiden müssen, ist es natürlich schwer. Schön wäre es, wenn es eine klare Linie geben würde. Aber eine Saison über zwei, drei Jahre fände ich nicht cool.“  

Philipp Jordan, Abteilungsleiter des Kreisligisten TSV Allershausen:

„Ich hatte schon gedacht, dass wieder so etwas rauskommt. Das ist einfach ohne Perspektive für den Amateursport. Ich glaube, für die unteren Amateurklassen wäre es theoretisch noch möglich, die Saison zu Ende zu spielen. Aber da bräuchte man jetzt einmal ein konkretes Ziel, dass Mitte April mit richtigem Training angefangen werden kann. Ansonsten wird es irgendwann schwierig, die Saison zeitlich bis zum 30. Juni unterzubringen. Für die höheren Amateurligen geht sich das wohl jetzt schon nicht mehr aus. Ich merke inzwischen im Fußball eine große Frustration bei Trainern und Spielern. Dieses ,Scheibchenweise mal Hoffnung schüren und dann wieder nicht‘ wirkt zermürbend auf den Amateursport. Mittlerweile nimmt das jeder nur noch so hin – die Vorfreude, dass es endlich wieder losgehen könnte, ist bei den meisten verflogen. Momentan ist gar keine Perspektive vorhanden. Wir sind genauso weit wie vor einem Jahr – und da hatten wir noch keine Maskenpflicht und keinen Impfstoff. Jetzt sind wir zwölf Monate weiter, und es ist genau das Gleiche. Kein Fortschritt. Nicht nur im Amateursport, sondern in allen Bereichen. Das ist frustrierend.“  

Michael Rosenwirth, Coach des Kreisligisten FC Moosburg:

„Das mit der Liga 2019/21 ist jetzt natürlich schwierig und praktisch kaum mehr umsetzbar. Denn es ist ja nicht davon auszugehen, dass wir ab dem 18. April wieder voll mit Training loslegen dürfen. Dann geht uns so langsam die Zeit aus, um die drei Wochen Vorbereitung und sieben Spieltage mit anschließender Relegation realistisch unterzubringen. Ich denke, es war eine richtige Entscheidung vom Verband, sich mit dem 30. Juni auf einen Endpunkt für die aktuelle Saison festzulegen. Eine erneute künstliche Verlängerung der alten Spielzeit fände ich nicht richtig. Wenn ich mir was wünschen könnte, dann wäre es, dass der Verband auch ein fixes, letztmögliches Re-Start-Datum nennt. Entweder geht es ab dem Zeitpunkt bayernweit mit Vollkontakt-Training los, oder die Saison wird für beendet erklärt, und man fokussiert sich auf die neue Spielzeit.“  

Jan Strehlow, Trainer der Bezirksliga-Fußballerinnen des TSV Eching:

„Der Verband sollte aufzeigen, wie man den Fußballsport in der Krise durchführen kann. Dementsprechend sollte auch die Saison nicht vorzeitig abgebrochen werden, um die Wettkampfmöglichkeit offen zu halten. In unserer Liga sind nur etwas mehr als die Hälfte der Spiele durch, weshalb ich nicht glaube, dass die Saison bis zum 30. Juni beendet werden kann. Vor allem, weil sich Englische Wochen wegen der erhöhten Verletzungsgefahr nicht durchführen lassen. Es wäre sinnvoll, möglichst viele Partien stattfinden zu lassen und am Ende die Quotientenregel greifen zu lassen. Eine Saisonverlängerung macht nur Sinn, wenn der Saisonbeginn langfristig geändert wird.“ 

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