Eine der ganz wenigen Sternstunden für den FC Moosburg: Kirchdorfs Keeper Johannes Maier musste beim 2:6 gleich mehrfach hinter sich greifen.
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Eine der ganz wenigen Sternstunden für den FC Moosburg: Kirchdorfs Keeper Johannes Maier musste beim 2:6 gleich mehrfach hinter sich greifen.

Teams aus dem Landkreis Freising im Überblick

Kreisliga 2: Nur der BC Attaching mischt vorne mit

  • vonMatthias Spanrad
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Die Freisinger Landkreis-Teams haben sich mit großen Hoffnungen, aber auch nicht minder kleinen Abschiedssorgen, in die Winterpause verabschiedet. Ein Überblick.

Landkreis – In der Kreisliga 2 im Kreis Donau-Isar ist bereits ein Großteil der Saison gespielt, im November verabschiedeten sich die 14 Vereine mit großen Hoffnungen, aber auch nicht minder kleinen Abstiegssorgen, in die Winterpause, aus der sie, wenn es schlecht läuft, gar nicht erst herauskommen werden. Wir werfen trotzdem einen Blick auf die ersten 15 Spieltage und haben analysiert, wo die Stärken und Schwächen der sechs Landkreis-Teams liegen und wer das Zeug dazu hat, in der Rückrunde für Gesprächsstoff zu sorgen.

Der Profiteur

Gibt es eine Mannschaft, die davon profitieren könnte, wenn der Verband aufgrund der coronabedingten Auszeit den Deckel draufsetzt auf die Saison 2019/2020, dann ist es der FC Moosburg. Die Bonauer sind aktuell Tabellenletzter mit nur mageren sieben Zählern, eine Annullierung der Saison käme einer zweiten Chance gleich. Schlechter als beim FCM kann eine Vorrunde kaum laufen, denn nicht nur die Punkte-Ausbeute ließ zu wünschen übrig, auch die Tordifferenz ist mit minus 17 schlecht, was vor allem daran liegt, dass die drei eingesetzten Keeper insgesamt 33 Mal hinter sich greifen mussten – also mehr als zwei Mal pro Spiel. Doch woran lag’s, dass der FC nach dem Bezirksliga-Abstieg Gefahr läuft, durchgereicht zu werden und Trainer Christoph Ball im Winter seinen Hut nehmen musste? Da waren einmal gravierende, personelle Veränderungen im Sommer. Mehr als zehn Akteure, einige davon Stammspieler, verließen den Klub, wirklich namhafte Zugänge gab’s keine. Nachrücker aus der eigenen Jugend sprangen in die Bresche - dafür gab es die Quittung in einer gnadenlos ausgeglichnen Kreisliga. Zudem griffen wohl auch die Mechanismen des Strudels, nachdem der FC das Jahr zuvor in der Bezirksliga schon kein Land gesehen hatte.

Die Anti-Aspiranten

Unaufgeregt, unauffällig und unspektakulär – das trifft es vielleicht am besten, wie sich die Fußballer des BC Attaching bisher präsentiert haben. Schafft es ein Klub, die Phalanx der Erdinger Teams zu durchbrechen, dann sind es die Freisinger Vorstadtkicker. Dabei haben die Ambitionen die Mauern des Klubheims noch nicht verlassen, gebetsmühlenartig übt sich Spartenchef Sigi Brunnhuber in Zurückhaltung. „Wir schauen nach wie vor auf den Klassenerhalt“, resümierte der Funktionär erst kürzlich wieder. Dabei sind die Attachinger bis auf vier Zähler an den Platz zur Aufstiegsrelegation herangekommen, das Ensemble um Coach Enes Mehmedovic harmoniert. Trotz einiger Abgänge und verletzungsbedingter Ausfälle schaffte es der Trainer, seine Spielphilosophie durchzusetzen. Hinzu kommt ein seit jeher sattelfestes Teamgefüge. Dass es (noch) nicht für ganz oben reicht, das ist der fehlenden Konstanz geschuldet. So gewann man gegen Tabellenführer Lengdorf mit 3:1 (die einzige Niederlage für den FC bisher), doch nur eine Woche später ging man gegen Langengeisling mit 2:5 Baden. Wenn nicht heuer, dürften die Attachinger spätestens nächstes Jahr zum Favoritenkreis gehören.

Die Spätstarter

In der Winterpause 2018/2019 stand bei den Fußballern des TSV Moosburg bereits fest, wer im kommenden Jahr das Sagen haben würde: Christian Grüll, einer, den man in der hiesigen Fußballszene kennt. Mit Grüll sollte endlich Ruhe einkehren nach Jahren des Umbruchs und gewisser Irrungen und Wirrungen. Nur: Zu Beginn der Saison lief es nicht, von den ersten zehn Ligaspielen gewannen die Rot-Schwarzen nur zwei. „Das wird dauern, bis die Mannschaft meine Philosophie umsetzen kann“, mahnte Grüll geduldig zur Ruhe. Das sollte sich auszahlen, spätestens ab Oktober griffen die Rädchen ineinander. Mit drei Siegen in Folge kehrte endgültig Ruhe ein im TSV-Lager. Aktuell rangieren die Neustädter auf Rang acht mit fünf Zählern Polster auf den Regelationsrang.

Das Fahrstuhl-Team

Sie waren schon eine Schau in der letzten Saison: Aus der Kreisklasse aufgestiegen, mischte der SC Kirchdorf beinahe die gesamte Kreisliga auf, nicht viel hatte gefehlt, und dem Team um Trainer Andi Apold wäre der Durchmarsch in die Bezirksliga gelungen. Und heuer? Lesen sich die Ergebnisse der Ampertaler wie ein bunter Flickenteppich, eine wirkliche Serie gönnten sich die Blau-Weißen bisher nicht, Sieg, Niederlage und Remis wechselten sich zuverlässig ab. Gipfel des hohen Kirchdorfer Unterhaltungswertes? Am bisher letzten Spieltag setzte es eine 2:6-Niederlage gegen das bis dahin chancenlose Schlusslicht FC Moosburg. Den Kirchdorfern ist die Leichtigkeit abhanden gekommen. Akteure wie Youngster Thomas Hadler waren weitestgehend Unbekannte in der Kreisliga-Landschaft, heuer fehlt das Selbstbewusstsein, dafür nimmt die Sorglosigkeit zu. Die Gefahr des Abstiegs besteht nicht, deswegen können die Kirchdorfer recht entspannt der Verbandsentscheidung entgegenblicken.

Die Neulinge

Erwartungsgemäß zu kämpfen hatten bisher die Aufsteiger aus Kranzberg und Allershausen. Vor allem für das Team um Trainer Anton Kopp fährt die Kreisliga noch einen Gang zu schnell. Am ersten Spieltag gingen die Kopp-Mannen sang- und klanglos mit 0:6 in Wörth unter. Den Laden also gleich zusperren? Mitnichten, der SVK zahlte zwar Lehrgeld, holte aber auch Achtungserfolge, wie beim 2:1-Sieg im Derby in Kirchdorf. Und auch am Ende glückten den Kranzbergern zwei wichtige Siege gegen Moosburg und Kirchasch.

Etwas mehr erwartet hätte man vom zweiten Neuling aus dem Ampertal, dem TSV Allershausen. Zum einen hatte die Elf von Michael Stiller noch die Relegations-Euphorie im Rücken, zudem besitzt der Kader mehr Erfahrung. Allein Kapitän Dominik Kopp (fehlte jedoch lange verletzt) kommt auf fast 200 Partien in der Kreis- und Bezirksliga. Doch Allershausen benötigte eine Eingewöhnungszeit, aus den ersten acht Partien holte die Stiller-Elf lediglich fünf Punkte. Dann aber rettete eine Serie von vier Siegen den TSV über den Strich.

Die Torjäger

Nichts mitzureden haben die hiesigen Akteure heuer bei der Vergabe der Torjägerkrone in der Kreisliga. Nur ein Spieler steht unter den Top Fünf der treffsichersten Spieler: Daniel Schuhmann vom SC Kirchdorf kommt momentan auf neun Buden. Weit vorne liegen Wörths Torgarantie Florian Rupprecht mit 16 Treffern und Lengdorfs Lebensversicherung Martin Lechner, der 15 Mal eingenetzt hat. Ansonsten schaffen es noch Attachings David Beljan (8 Tore), Daniel Prokisch (7 Tore), Markus Lachner (Allershausen, 6 Tore) und Dario Turkman (6 Tore, Kirchdorf) in die Top-Ten.

Die Kartensammler

Ebenfalls weitestgehend im Mittelfeld halten sich die Landkreis-Teams in der Fairplay-Tabelle. Fleißigste Kartensammler sind etwa der FC Langengeisling mit allein 47 Gelben Karten (über drei pro Spiel), dicht gefolgt vom TSV Allershausen mit 45 Verwarnungen (Spitzenreiter ist Christopher Trautmann mit allein sieben). Fairstes Landkreis-Team ist der SV Kranzberg, der auf Rang zwei der offiziellen Fairplay-Tabelle liegt. Zwar kassierten die Ampertaler schon 31 Mal den gelben Karton, dem gegenüber steht aber auch nur ein Platzverweis – für Stefan Schleypen am 6. Spieltag im Duell mit dem FC Erding. Kräftig gefreut hat sich dagegen die Mannschaftskasse bei den beiden Moosburger Teams. Vor allem beim TSV mussten fünf Akteure frühzeitig zum Duschen (nur der FC Erding hat mit sechs einen Platzverweis mehr). Allein Tobias Gessler holte sich drei Mal die Ampelkarte. Und auch die Bonauer leisteten sich vier Platzverweise, Rot gab es für Youngster Vitus Hilz am elften Spieltag.

Die Zuschauerkönige

Haben die Landkreis-Teams in der Liga grad nichts zu melden, ist wenigstens auf den hiesigen Plätzen Betrieb. Sowohl der TSV Allershausen (230 Zuschauer im Schnitt), der SC Kirchdorf (224 Fans) und der TSV Moosburg (172 Zuschauer) führen das Ranking an. Die beiden Ampertal-Derbys zwischen Allershausen und Kirchdorf sowie Allershausen gegen Kranzberg hatten 320 beziehungsweise 390 Zuschauer ins Stadion am Amperknie gelockt. Schlusslicht in dieser Statistik ist der BC Attaching, bei dem im Schnitt lediglich 88 Leute kommen.

Unsere Prognose

Sollte es irgendwann weitergehen und es keinen Saisonabbruch geben, dürfte sich am Bild der Tabelle nicht viel ändern. Der FC Moosburg wird den Rückstand, auch auf die Relegationsränge, nur schwer und konstant aufholen. Und auch Kranzberg wird, gemessen an den bisherigen Leistungen, die Saisonverlängerung nicht vermeiden. Ganz im Gegenteil zum TSV Allershausen, bei dem sich irgendwann die Erfahrung sicher durchsetzen wird.

Text: Matthias Spanrad

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