Martin Eberl steht in der Kabine des SV Pulling und hält ein Fußballtrikot mit der Nummer vier hoch.
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„Für mich ist der SV Pulling eine kleine Familie.“ Martin Eberl engagiert sich seit Jahren als Betreuer der Fußball-Mannschaften. Doch nach einem Relegationsspiel hätte er fast alles hingeschmissen.

Sport und Ehrenamt

Martin Eberl: Der gute Geist beim SV Pulling

Martin Eberl verkörpert das Ehrenamt beim SV Pulling wie kein Zweiter. Trotzdem dachte er einmal daran, alles hinzuschmeißen. Auslöser war ein Skandalspiel.

Pulling – Er ist ein Faktotum beim SV Pulling. Martin Eberl (51) hat schon vieles im Verein gemacht, eigentlich alles. Doch für einen Vorstandsposten an vorderster Front hat er nie kandidiert – das ist nicht sein Ding. Er wirkt lieber im Hintergrund, gilt als „Hausmeister“, „Mädchen für alles“ oder „Mutter der Kompanie“, wie er selbst sagt. Eberl mäht den Rasen, pflegt die Trikots und bestückt die Kabinen vor den Partien der Ersten und Zweiten Fußball-Mannschaft. Er pflockt die Eckfahnen ein, vermittelt, wenn es Zwist mit Schiedsrichtern oder unter den Spielern gibt. Aber egal, was er auch macht: Martin Eberl, der einst 1986 als Verteidiger vom SV Vötting zum SV Pulling gewechselt war, macht es gern, ohne irgendwelche Ansprüche zu stellen.

Vom Kicker zum Roadie

Vorsitzender Michael Pellmeyer musste auf die Frage, wer das Ehrenamt beim SV Pulling wohl am besten verkörpert, nicht lange nachdenken. „Klar, der Male“, kam es wie aus der Pistole geschossen. „Male“ ist der Spitzname von Eberl. Alle, von Jung bis Alt, nennen den aus Lageltshausen bei Sünzhausen stammenden, gelernten Werkzeugmacher so. „Und so kennt man mich im ganzen Landkreis“, scherzt der gute Geist beim SV Pulling über seinen Bekanntheitsgrad. Dazu haben seine Nebenjobs, „Schanzerl“, wie man in Bayern sagt, maßgeblich beigetragen. Da ist beispielsweise die beliebte Schlagerparty beim Sportverein, die er stets begleitet, zu nennen. „Male“ baut alles mit auf und auch wieder ab. Er stammt aus einer Landwirtschaft, ist Zupacken und Mithelfen von Kindesbeinen an gewöhnt.

Ganz in seinem Element: Der 51-Jährige ist Arbeiten von Kindesbeinen an gewöhnt und stellt sich nicht nur in Sachen Platzpflege in den Dienst des Vereins.

Einen Namen hat er sich aber auch als Fußballspieler gemacht. Zunächst in der A-Jugend und später in der Ersten Mannschaft des SV Pulling, die seinerzeit in der B-Klasse spielte. Eberl war Verteidiger, hat aber auch den Libero gegeben. Dann hat er jedoch eine längere Pause eingelegt und sich bei der bekannten Freisinger Showband Dolce Vita als Roadie, also als einer, der die Anlagen auf- und wieder abbaut, verdingt. Eine bewegte Zeit, die Eberl nicht missen möchte. Fünf Jahre lang ging das – für den Sport war wegen des vollen Terminkalenders keine Zeit mehr.

Chefposten in der Fußball-Abteilung

Mit 27 Jahren kam es dann zur Rolle rückwärts. Der „Male“ kehrte auf den Fußballplatz zurück. Jetzt hielt er die Knochen für die Zweite Mannschaft hin. Bis ihn eine Verletzung des Sprunggelenks endgültig dazu zwang, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Seither kann er nicht mehr Vollspann schießen. Fast selbstverständlich für einen wie Eberl: Er wechselte prompt in die Führungsebene und bekleidete den Posten des Fußball-Abteilungsleiters. Ein echter Allrounder, der bis heute im Verein so ziemlich alles macht, was mit den Mannschaften, mit Schiedsrichterbetreuung und mit dem Arbeitsdienst beim SV Pulling zu tun hat.

Streitschlichter mit viel Überzeugungskraft

Seit über 20 Jahren macht der Junggeselle das nun bereits. Wenn’s pressiert, springt Martin Eberl auch als Linienrichter ein. „Fahnderlschwingen, das ist für mich kein Problem“, erzählt der 51-Jährige. Ein Ende seines Engagements ist nicht abzusehen. „Das ist mein Lebensinhalt, ich mag so etwas“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Und ohne mit der Wimper zu zucken, fügt er hinzu: „Für mich ist der SV Pulling eine kleine Familie.“

Deshalb ist er auch stets um Harmonie bemüht. Wenn es einmal auf oder abseits des Fußballplatzes Streit gibt, ist Martin Eberl schon mal als Schlichter gefragt. „Es ist hitziger geworden, jeder gibt heutzutage seinen Kommentar ab“, betont er. Gerade die Schiedsrichter hätten darunter zu leiden. Dergleichen löst Eberl gleich nach dem Schlusspfiff. Da geht er schon mal dazwischen, nimmt den Spieler zur Seite und verlangt: „Entschuldige dich!“ Meist ist die Sache damit aus der Welt geschafft.

Wie die Lage auf dem Platz bisweilen eskalieren kann, das hat sich im Juni 2017 beim Relegationsspiel zwischen Unterbruck und Pulling in Hohenkammer gezeigt. Da kam es zu einer Massenschlägerei. So etwas geht Eberl total gegen den Strich. „Ein absolutes No-Go“, sagt der Sportsmann. Dass sich die Atmosphäre dermaßen aufheizt, gelte es unbedingt zu vermeiden. Das sei das Schlimmste gewesen, was er miterlebt habe. Da habe er wirklich mit dem Gedanken gespielt „hinzuschmeißen“.

Schöne Momente, schlimme Momente

Dass er es sich noch einmal überlegt hat, das liegt an den schönen, unvergesslichen Momenten, die er mit dem SV Pulling erlebt hat. Das Höchste der Gefühle war für Eberl zweifelsohne der Erfolg der beiden Mannschaften in der Saison 2015/16: Die Erste des SV Pulling stieg damals in die Kreisklasse, die Zweite Mannschaft gleichzeitig in die B-Klasse auf. „Das war einmalig für Pulling. Da haben alle an einem Strang gezogen“, erinnert er sich. Wenn er an diese Zeit denkt, sieht man bei ihm auch heute noch dieses Leuchten in den Augen.

Aber wie lange will Eberl das alles noch machen? Sich im Verein engagieren? „Ich komme mit allen hier klar, von 18 bis 80“, erzählt der Ehrenamtler aus Leidenschaft. „Und die Anerkennung ist da“, sagt er. Das bekomme er immer wieder zu hören. Auf der Weihnachtsfeier werde er regelmäßig gefragt, ob er denn noch in alter Frische weitermachen wolle. Er sage dann immer: „Noch ein Jahr, die halbe Saison und die andere auch noch.“ Für ihn selbst gebe es nur eine Bedingung dafür. Und die lautet: „Solange mich die Leute so akzeptieren, wie ich bin.“

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