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Nach seinem Mittelfußbruch ist Maximilian Thalhammer (r.) erste Wahl beim Zweitligisten SC Paderborn. Am 15. Januar beim 1:1 in Fürth spielte er durch.

Fußball

Maximilian Thalhammer: Von der Savoyer Au in den Profifußball

  • vonMatthias Spanrad
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Fußballprofi Maximilian Thalhammer aus Freising startet beim SC Paderborn richtig durch. Mit dem Pokalhit gegen Dortmund steht ihm ein echtes Highlight bevor.

Freising/Paderborn – Erstens kommt es manchmal anders und zweitens, als man denkt. Als Maximilian Thalhammer, heute 23 Jahre jung, im Sommer 2014 seine Siebensachen packt und sich nach Ingolstadt aufmacht, ist noch lange nicht abzusehen, dass der Freisinger im Jahr 2021 ein gestandener Zweitliga-Kicker sein würde, mit dem SC Paderborn im Achtelfinale des DFB-Pokals steht und den Traum lebt, von dem viele junge Burschen träumen: Fußballprofi zu sein.

Noch bei den U17-Junioren trägt Thalhammer das Trikot des SE Freising, gehört natürlich immer zu den Perspektivspielern seiner Teams, am Ende steht der Klassenerhalt in der Landesliga. Trotzdem oder vielleicht wegen dieser Motivation, es auch in höheren Ligen zu schaffen, wechselt Maximilian Thalhammer damals im Sommer nach Ingolstadt – der FCI, mittlerweile einer der Top-Adressen im Nachwuchsbereich, hatte gerufen. Und der Domstädter, noch keine 17 Jahre alt, will sich dort versuchen. „Zu der Zeit habe ich mir, ehrlich gesagt, noch wenig Gedanken darüber gemacht, ob ich Fußballprofi werden würde.“

U19-Bundesliga als Sprungbrett

Bei den Ingolstädtern kann Thalhammer zunächst in der A-Junioren-Bayernliga auflaufen. Wenn es denn überhaupt reichen sollte für den bezahlten Fußball, „dann war das sowieso schon ein sehr später Schritt“, blickt Thalhammer zurück. Andere haben sich in diesem Alter längst einen Namen gemacht. Offensichtlich war es allerdings nicht zu spät: Das erste Jahr läuft gut, der gebürtige Freisinger kommt auf zahlreiche Einsätze in seinem neuen Team. Und – vielleicht mit einer der entscheidendsten Stufen auf der Karriereleiter: Den Ingolstädtern gelingt der Aufstieg in die Junioren-Bundesliga. Thalhammer darf nicht nur bleiben, sondern steht 2015/16 auch regelmäßig bei den Partien im U19-Oberhaus auf dem Platz – in der Liga, die zum Sprungbrett für ambitionierte Jungfußballer werden kann.

Schritt für Schritt auf dem Weg nach oben

Nach seiner Zeit im Juniorenbereich muss sich Maximilian Thalhammer aber erst einmal hinten anstellen. Zwar kickt der talentierte Mittelfeldspieler weiter in der Audistadt, vorerst haben die Verantwortlichen für ihn jedoch nur einen Platz in der Zweiten Mannschaft vorgesehen, die in der Regionalliga Bayern aufläuft. Genau das könnte allerdings, im Nachhinein betrachtet, das große Glück für Maximilian Thalhammer gewesen sein. „Es war vielleicht der richtige Weg“, resümiert der schlaksige, 1,92 Meter große Fußballprofi heute selbst. Zum einen konnte er sich in der vierten Liga erstmal an den Männerbereich gewöhnen und durfte zumindest in der Rückrunde auch schon im Zweitliga-Team mittrainieren. Und zum anderen hieß sein Coach in der Reserve-Mannschaft damals Stefan Leitl.

Begonnen hatte alles beim SE Freising. 2012 etwa spielte Maximilian Thalhammer (hinten, 3. v. l.) bei der U15-Hallenkreismeisterschaft.

Zweitliga-Debüt am 3. Februar 2018

Leitl soll im August 2017, nach der kurzfristigen Entlassung von Maik Walpurgis nach nur drei Saisonspielen, zum Trainer der Zweitliga-Truppe befördert werden. Und er erinnert sich recht bald an seinen ehemaligen Zögling, den damals 20-Jährigen Maximilian Thalhammer. Bereits am neunten Spieltag steht Thalhammer im Zweitliga-Kader – und am 3. Februar 2018, im Derby gegen Greuther Fürth, feiert der Freisinger schließlich sein Debüt für den FCI. Er steht sogar in der Anfangself und wird erst nach 66 Minuten ausgewechselt. Seitdem ging der Weg steil nach oben: Mittlerweile stehen 30 Zweitliga- und 32 Drittliga-Spiele in der Vita des heute 23-Jährigen. Thalhammer spielt aktuell für den SC Paderborn, den Tabellenzehnten der 2. Bundesliga, hat dort einen bis Ende Juni 2022 datierten Vertrag unterschrieben.

Viele Fürsprecher und Förderer

Und doch fällt im Gespräch mit Maximilian Thalhammer immer wieder das Wort Glück. Glück, diesen Weg einschlagen zu können, Glück, immer wieder Förderer gefunden zu haben, die das Potenzial des defensiven Mittelfeldspielers erkannt und gefördert haben. Wie etwa Stefan Leitl beim FC Ingolstadt oder auch andere bei Jahn Regensburg. Dorthin lässt sich der junge Mann im Jahr 2018, nach seinem ersten Profi-Halbjahr in Ingolstadt, ausleihen. Zu viele erfahrene Akteure hatte er beim FCI vor der Brust, Einsatzzeiten waren nicht garantiert.

Auch in Regensburg sitzt Thalhammer zunächst nur auf der Bank, düpiert dann aber beim 5:0-Sieg gegen den altehrwürdigen Hamburger SV – und ist alsbald nicht mehr wegzudenken aus der Jahn-Elf von Trainer Achim Beierlorzer. Der Freisinger wird einer der Dreh- und Angelpunkte im Mittelfeld. Und doch dauert sein Gastspiel beim Zweitligisten nur ein Jahr. „Ich wäre schon gerne geblieben“, blickt Thalhammer anderthalb Jahre später zurück.

Denn dem FC Ingolstadt ist nicht verborgen geblieben, was für ein Talent man da in die Oberpfalz verliehen hat. Thalhammer muss zurück zu den Oberbayern und den Weg in die 3. Liga gehen, in die der FCI abgestiegen ist. Sicherlich ein schmerzhafter Schritt für einen aufstrebenden Fußballer, ein glücklicher jedoch für die Ingolstädter. Thalhammer verpasst kaum ein Saisonspiel, schießt drei Tore – und wird auch beim FCI ein wichtiger Teil des Mannschaftsgefüges.

Brutale Niederlage in der Relegation

Und doch sollte der Freisinger bei den Ingolstädtern den schmerzlichsten Moment seiner noch jungen Karriere erleben: Am Ende kratzen die Ingolstädter an der Rückkehr in die 2. Bundesliga, verpassen zunächst knapp Platz drei und damit die direkte Qualifikation. Dann haben die Audistädter auch in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg das Nachsehen: Das Hinspiel im Juli 2020 geht mit 0:2 verloren, zu Hause führt Ingolstadt bereits mit 3:0 – und kassiert erst in der Nachspielzeit das bittere 3:1, der Nicht-Aufstieg ist besiegelt. „Wir waren am Boden zerstört“, erinnert sich Thalhammer. „Man hat gesehen, wie brutal der Fußball sein kann.“

Den schmerzlichsten Moment seiner Karriere erlebte Maximilian Thalhammer (M.) in seiner Zeit in Ingolstadt (hier eine Szene aus der Ligapartie 2020 gegen die Löwen) mit dem Last-Minute-K.o. in der Relegation.

Viel Zeit, darüber nachzudenken, hat er nicht. Auf seinen eigenen Wunsch hin endet das Kapitel in Ingolstadt, auch wenn sich Thalhammer, einen Tag nach seinem 23. Geburtstag, zu gerne im Rahmen einer Aufstiegsfeier verabschiedet hätte und vielleicht sogar geblieben wäre. So aber verlängert er seinen Vertrag nicht und wechselt zum SC Paderborn. „Ich wollte unbedingt in die 2. Bundesliga“, betont Thalhammer. Doch beim Sportclub läuft es zunächst nicht rund: Zu Saisonbeginn zieht sich der Neuzugang einen Mittelfußbruch zu, fällt monatelang aus.

Pokal-Coup gegen Union Berlin

Erst Ende Dezember feiert Thalhammer sein Comeback, erst in der Liga, dann sogar beim Sensationscoup im DFB-Pokalkick beim Bundesligisten Union Berlin. „Eine Einsatzgarantie hat in der Mannschaft niemand“, sagt Thalhammer. Jedoch habe er bereits vor seinem Wechsel gewusst, „dass ich ein vollwertiges Mitglied des Teams bin“. Beim SCP halten sie große Stücke auf den 23-Jährigen: „Maximilian verfügt über zahlreiche Vorzüge, die für unser Spiel sehr wichtig sind. Neben sehr guten Zweikampfwerten und einem starken Kopfballspiel ist er auch im Passspiel stark.“ So begrüßte der Club seinen Neuzugang im Sommer. Und Thalhammer zahlt das Vertrauen zurück, gibt in jedem Training Gas, ackert und schuftet nach der ersten großen Verletzung seiner Karriere für den Erfolg.

Was jetzt noch kommt? Natürlich hat Maximilian Thalhammer einen langfristigen Plan, irgendwann will er in der 1. Bundesliga spielen. Bis dahin hat der 23-Jährige, dessen Marktwert bei etwa einer halben Million Euro liegt, aber erst einmal mittelfristige Ziele auf der Agenda: „In erster Linie will ich mit Paderborn erfolgreich sein“, erzählt der Freisinger. Aktuell steht der Sportclub, 2014/15 und 2019/20 immerhin Erstligist, zwar nur auf Rang zehn. In der 2. Bundesliga sei heuer aber alles extrem eng – „wir wollen die Saison so lange wie möglich offen halten“, betont der 23-Jährige.

Vorfreude auf den Signal-Iduna-Park

Zudem winkt im DFB-Pokal ein echtes Highlight, nachdem Paderborn in der zweiten Runde, mit Thalhammer in der Startelf, den starken Bundesligisten Union Berlin mit 3:2 aus dem Wettbewerb gekegelt hat. „Natürlich wäre es eine super Sache, sich mit einem der ganz Großen zu messen“, träumte der Freisinger noch vor der Auslosung des Achtelfinales. Fortuna schien zugehört zu haben – am 2. Februar werden Thalhammer und die Paderborner im Dortmunder Signal-Iduna-Park auflaufen. Der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere.

Dennoch wirkt der Lerchenfelder nicht wie ein typischer Fußballprofi aus einer schillernden Glitzerwelt. Zwar ist der 23-Jährige auch in den Sozialen Netzwerken zu finden, lässt seine Anhänger zumindest ein wenig über Instagram an seinem (Privat-)Leben teilhaben. Dort präsentierte er vor Wochen etwa sein neues, blau-schwarzes Dress mit der 23 drauf, auch ein Urlaubsfoto mit Freundin Annika war mal dabei. Insgesamt jedoch führt Thalhammer ein ruhiges Leben in Nordrhein-Westfalen. „Wirklich erkannt werde ich noch nicht“, sagt Thalhammer, „und irgendwie bin ich auch froh darum.“ Seine Partnerin Annika ist mit nach Paderborn gezogen. „Sie“, gesteht Thalhammer, „ist hier ein großer Pfeiler für mich.“ Denn es ist nicht leicht für Fußballprofis, sich an immer wieder neuen Orten zurechtzufinden, sich an ein anderes Umfeld zu gewöhnen.

Vorsorge für die Zeit nach dem Fußball

Darüber hinaus sorgt Thalhammer auch schon für die Zeit nach der Karriere vor: In Ingolstadt hat der Freisinger an der Fachoberschule die 13. Klasse und damit das Allgemeine Abitur absolviert, nach dem Fachabitur in Freising. Aktuell belegt er ein Fernstudium in Finanzmanagement, hat auch schon Sportmanagement ausprobiert. „Mir ist es wichtig, dass ich die freie Zeit neben dem Fußball gut fülle.“ Zudem soll ein Standbein für die Jahre nach der Profi-Zeit vorhanden sein.

Starke Verbundenheit mit dem Heimatverein

Seinen Heimatverein, den SE Freising, hat Maximilian Thalhammer übrigens nie aus den Augen verloren. Immerhin spielt sein Bruder Sebastian (25) im SEF-Landesliga-Team. Die Ergebnisse vor dem Lockdown verfolgte der Lerchenfelder fleißig, wenngleich für Spieltagsbesuche keine Zeit mehr blieb. Zudem berichtet Bruder Sebastian immer wieder aus der bayerischen Amateurliga. „In Freising ist sehr viel Potenzial da“, lobt Maximilian Thalhammer. „Der Aufstieg in die Bayernliga wäre natürlich eine schöne Sache.“ Nach der Zeit als Profifußballer könne er sich ein Engagement bei seinem Heimatclub durchaus vorstellen. „Ich habe darüber schon mal nachgedacht. Das könnte durchaus etwas sein, wenn ich dann in Freising lebe.“

Bis es soweit ist, will Maximilian Thalhammer aber noch einige Kapitel in seinem Buch des Profi-Fußballs schreiben. Im DFB-Pokal gegen den großen BVB und vielleicht auch einmal gegen den FC Bayern München in der Bundesliga. Wer weiß, wohin der Weg ihn noch führen wird.

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