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Der Höhepunkt einer erfolgreichen Zeit: Robert Eichler führte Pulling 2016 als Spielertrainer in die Kreisklasse.

Fußball - A-Klasse

Robert Eichler und der SV Pulling: Vorzeitige Trennung nach fünf „supergeilen“ Jahren

Robert Eichler legt das Traineramt beim A-Klassisten SV Pulling nieder. Der Verein hat eine interne Lösung bis Saisonende gefunden.

Pulling – Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung, ist Robert Eichler nun knapp fünf Jahre als Trainer für die Geschicke des Fußball-A-Klassisten SV Pulling verantwortlich. Im Winter wird diese erfolgreiche Zeit, gekrönt vom Aufstieg in die Kreisklasse in seiner Premierensaison 2015/16, nun vorzeitig zu Ende gehen.

„Ich hatte letztlich einfach das Gefühl, dass ich die Mannschaft nicht mehr zu 100 Prozent erreiche“, so die Begründung des scheidenden Pullinger Coaches. Ausschlaggebend für seine Entscheidung, sein Amt niederzulegen, seien vor allem auch die letzten Spiele vor dem Lockdown gewesen. Insbesondere die 1:6-Schlappe im Ligapokal gegen den TSV Allershausen II hatte dem 35-Jährigen sauer aufgestoßen: „Ich habe gemerkt, dass meine Ansprachen nicht mehr fruchten und Dinge, die ich explizit angesprochen habe, nicht umgesetzt wurden. Ich denke, dass der Verein jetzt frischen Wind braucht. Daher habe ich diese Entscheidung getroffen.“

Eichler: „Der Verein hat meinen Wunsch akzeptiert und verstanden.“

Die folgenden Gespräche über die aktuelle Situation sowie die Zukunft des SVP seien sehr offen und ehrlich gewesen. Getrennt habe man sich im Guten, sagt Eichler: „Wir waren uns schnell einig. Der Verein hat meinen Wunsch akzeptiert und verstanden. Klar ist dieser Schritt schmerzhaft, weil es einfach so eine lange und intensive Zeit war.“

Wie lange und wie intensiv, zeigt ein Blick auf Eichlers Vita als Coach: Diese begann als Spielertrainer beim TSV Eching II, wo er zwischen 2012 und 2014 in der Kreisklasse aktiv war. Anschließend war er ein Jahr beim SV Hohenkammer, ehe er 2015 seine Mission in Pulling begann. Direkt in der ersten Spielzeit gelang ihm sein Meisterstück und der Aufstieg in die Kreisklasse, die in den beiden folgenden Jahren gehalten werden konnte. Nach einem Jahr Coaching-Pause, in dem Pulling wieder in die A-Klasse abstieg, übernahm er zum Start der aktuellen Runde 2019/20/21 wieder als Trainer.

Eichler selbst bezeichnet die knapp fünf Jahre beim SVP als „supergeile Zeit mit vielen neuen Freundschaften“, auf die er rundum positiv zurückblickt: „Alles in allem waren das sehr erfolgreiche Jahre – vor allem, wenn man die Pullinger Grundvoraussetzungen miteinbezieht. Auch nach dem Abstieg aus der Kreisklasse haben wir trotz vieler Abgänge eine sehr gute Mannschaft geformt. Pulling hat in meiner Trainerlaufbahn ganz klar den höchsten Stellenwert. Mir ist es deshalb sehr wichtig, mich bei allen Helfern, Gönnern und Fans für die gemeinsame Zeit zu bedanken.“

Korbinian Ziegltrum (33) steigt in der Rückrunde vom Co- zum Interimstrainer auf.

Aufseiten des Vereins kam Eichlers Entscheidung etwas überraschend, betont Abteilungsleiter Thomas Pellmeyer: „Natürlich haben wir gemerkt, dass beim Robert am Ende die Luft ein wenig raus war – vor allem im Ligapokal. Für uns gab’s dennoch keinen Handlungsbedarf, weil wir in der Liga als Fünfter und auch punktetechnisch ganz gut dastehen. Viel anbrennen kann nicht mehr.“ Böses Blut wegen der vorzeitigen Trennung gebe es definitiv nicht, auch wenn ihm wegen der coronabedingten Planungsschwierigkeiten in den kommenden Monaten ein Wechsel im Sommer lieber gewesen wäre. Sein Fazit: „Fußballerisch hatten wir sehr erfolgreiche Jahre unter dem Robert. Die Meisterschaft mit neun Punkten Vorsprung in der Saison 2015/16 war natürlich das absolute Highlight. Aufstiege in die Kreisklasse hatten wir in Pulling schon mehrere. Aber Meister zu werden und dann auch noch so deutlich, das war schon etwas Spezielles. Vielen Dank für die gemeinsame Reise.“

Doch wie geht es nach dem Eichler-Abgang nun beim SV Pulling weiter? Der kurzfristige Plan ist bereits aufgestellt: Für die Rückrunde ab Frühjahr 2021 soll Korbinian Ziegltrum vom Co- zum Interimstrainer werden. „Er ist ein Ur-Pullinger und hat eine Trainer-C-Lizenz“, sagt Spartenchef Pellmeyer über den 33-Jährigen. „Er hat auch vor der Winterpause bereits die letzten Trainingseinheiten geleitet, weil der Robert krankheitsbedingt nicht zur Verfügung stand. Sein Training ist top, und da wir in der Rückrunde keinen Druck haben, ist das aktuell die beste Lösung. Unser Ziel ist es, dann ab Sommer einen neuen Mann zu haben.“

SV Pulling: Trainersuche gestaltet sich noch schleppend

Bisher ist noch kein Nachfolger gefunden. Die Pullinger Verantwortlichen sind allerdings schon intensiv auf der Suche und haben sich unter anderem auf der Trainerbörse des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) umgeschaut. „Wir wollen die Augen in alle Richtungen offen halten“, erklärt Pellmeyer. „Über die Börse des Verbandes hatten wir bereits erste Kontakte per E-Mail und Telefon. Der erste Eindruck ist hier jedoch, dass man schon sehr lange suchen muss, um einen geeigneten Kandidaten zu finden, bei dem auch die Rahmenbedingungen wie unser Fußballkreis oder unsere Spielklasse passen würden.“ Deshalb höre man sich auch im Landkreis um, ob jemand in absehbarer Zeit frei werden würde. Laut Pellmeyer sind die interessantesten Leute derzeit gebunden, doch auch frühere Weggefährten wären eine Option.

Die Trainersuche läuft bisher also alles in allem noch schleppend. Eine klare Vorstellung, was der neue Mannschaftsverantwortliche mitbringen soll, hat der Spartenchef aber natürlich im Kopf: „Ideal wäre ein Externer, der das Team nicht kennt und frischen Wind mitbringt. So müssen sich alle Spieler neu beweisen. Wir wollen einen ambitionierten Trainer finden, mit dem wir um den Aufstieg mitspielen.“

Und was hat Robert Eichler nun vor? Der 35-Jährige freut sich auf die Zeit des Durchschnaufens. Er hat aber noch lange nicht genug vom Fußballtrainergeschäft: „Ich bin nach wie vor geil auf Fußball und brenne auf eine neue Aufgabe. Pulling soll und wird nicht meine letzte Trainerstation gewesen sein.“ Er mache gerne als Coach weiter, werde allerdings auch nicht das erstbeste Angebot annehmen. „Ich glaube, dass ich mit meinen Erfahrungen als Spieler und Trainer auch in der Kreisklasse oder höher trainieren kann, und freue mich auf die Zukunft.“

Sebastian Dobler

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