Abteilungsleiter Erik Hillenbrand vom SC Freising ist für einen Re-Start ohne Zuschauer.

Stimmen aus dem Landkreis Freising

SC Freising für Re-Start ohne Zuschauer - Dietersheim und Pulling für Frühjahrsstart

  • vonSebastian Dobler
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  • Redaktion Freising
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Im Landkreis Freising gehen die Meinungen der Verantwortlichen zum Re-Start und zur Online-Abstimmung des BFV auseinander.

VON JOSEF FUCHS, SEBASTIAN BERGSTEINER UND SEBASTIAN DOBLER

Landkreis – Der Bayerische Fußball-Verband ist erzürnt. Am Dienstag hat sich die Staatsregierung trotz Vorlage eines Hygiene-Konzepts und Hinweis auf die Ungleichbehandlung gegenüber anderen Veranstaltungen und Bundesländern nicht zum Re-Start im Amateurfußball geäußert. Nun sollen alle bayerischen Vereine per Online-Umfrage ein Meinungsbild zum weiteren Vorgehen abgeben. Dabei will der Verband unter anderem wissen, ob eine Mehrheit dafür ist, dass der BFV den Klageweg beschreitet.

BFV: Florian Neubert hält nichts von Spielen ohne Zuschauer

Spielgruppenleiter Florian Neubert konnte zu den Themen in der Vergangenheit kein einheitliches Meinungsbild bei den Vereinen in seinem Verantwortungsbereich erkennen. „Das wird auch nie so sein. Der BFV und die Staatsregierung werden es nie schaffen, es allen recht zu machen.“ Er persönlich hält nichts von Spielen ohne Zuschauer. Denn in den Vorbereitungsspielen habe sich bereits gezeigt, dass sich das sowieso nie ganz vermeiden lässt. „Wenn die Punktspiele wieder losgehen, wäre es schon wegen der Emotionen nicht verkehrt, wenn zumindest ein paar Zuschauer zugelassen werden. Ich glaube da wird auch mehr Abstand gehalten, als wie wenn alle beim Wirt auf der Terrasse oder hinter dem Zaun auf der Straße stehen.“

SC Freising: Hillenbrand wünscht sich „Antwortoption Re-Start ohne Zuschauer“

Beim SC Freising wurde hingegen auf den offenen Brief direkt reagiert. „Ich habe gleich für uns abgestimmt.“, erzählt Abteilungsleiter Erik Hillenbrand, der dem BFV in allen drei Anliegen unterstützt. „Auch wenn ich eigentlich die Vorsicht der Regierung gegenüber Veranstaltungen verstehe, kann ich das Argument, dass ein Gleichbehandlungsgebot existiert, nachvollziehen.“ Auch die Testspielerfahrungen der letzten Wochen hätten eine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt. „Wir trauen es uns zu, den Spielbetrieb nach Hygienevorgaben zu stemmen. Dafür haben wir mit einer großen Anlage und der kleinen Tribüne gute Voraussetzungen. Auch bei Freundschaftsspielen klappt bisher alles gut.“ Eine Sache hat Hillenbrand aber am offenen Brief irritiert. In den Abstimmungsmöglichkeiten argumentierte der Verband mit der Vereinbarkeit von Zuschauern bei den Spielen. Von einer möglichen Spielfortsetzung ohne Fans ist nicht die Rede. „Mein Standpunkt war eigentlich, dass wir jetzt erstmal ohne Zuschauer starten und diese je nach Lage nach ein paar Wochen wieder dazunehmen dürfen oder nicht.“ Dass in der Umfrage jedoch die Wiederaufnahme des Ligabetriebs und die Zulassung von Zuschauern untrennbar verknüpft worden sei, sei verwunderlich. „Ich hätte gerne die dritte Antwortoption Neustart ohne Zuschauer gehabt.“ Dass vor allem höherklassige Vereine die mangelnden Einnahmen in den finanziellen Ruin treiben würden, versteht Hillenbrand. Die finanziellen Einbüßen seien trotzdem in jedem Fall stemmbar. „Dafür haben wir Rücklagen. Auf unserem Niveau ist man finanziell nicht so abhängig von Zuschauereinnahmen.“

SpVgg Zolling: Bei Saisonverzögerung fehlt das „Ziel vor Augen“

Eine klare Meinung vertritt die SpVgg Zolling: „Wir werden uns nochmal besprechen, aber eigentlich sind uns alle einig, dass wieder gespielt werden soll“, erklärt Abteilungsleiter Markus Bauer. Dementsprechend unterstütze man auch, dass der BFV die Saisonfortsetzung notfalls einklagen wolle. „Mittlerweile wird ja wegen allem geklagt. Warum soll der Fußball dann immer wieder zu kurz kommen? Von der bisherige Hinhaltetaktik profitiert keiner.“ Außerdem sei der aktuelle Zustand für die Mannschaften nicht angenehm: „Die Jungs trainieren seit zwei Monaten wieder sehr hart. Wenn die Saisonfortsetzung verzögert wird, fehlt einfach das Ziel vor Augen. Man fragt sich, wofür man das alles tut.“ Sollte tatsächlich bis zum Jahresende kein Pflichtspiel mehr stattfinden, sieht Bauer vor allem die Mitgliederzahlen kritisch. „Da finden sich neue Interessen, es könnte sein, dass gerade Kinder ganz aufhören.“

SV Marzling: Mehrheitsentscheidung kann problematisch sein

Beim SV Marzling werde man alle Mannschaften in die Entscheidungsfindung miteinbeziehen, erklärt Abteilungsleiter Jochen Jürgens. „Wir holen uns jetzt erst einmal ein begründetes Meinungsbild von allen unseren Trainern und Verantwortlichen ein, werden dann abwägen und die Entscheidung treffen.“ Argumente gäbe es letztendlich auf beiden Seiten: „Eigentlich ist es kein Problem, Zuschauer über Anlagen weiträumig zu verteilen. Ob Abstände dann eingehalten werden, ist eine andere Frage.“ Tendenziell werde man dem BFV wohl das Go für die weiteren Schritte geben. Schließlich merke man einfach, „dass in den Spielen gerade die fünf bis zehn Prozent fehlen, die erst der Ansporn durch Punkte und Tabellenplätze ermöglicht.“ Dass Vereine in die Vorgehensweise durch eine Abstimmung involviert werden, findet Jürgens grundsätzlich lobenswert: „In diesem Fall ist eine Mehrheitsentscheidung natürlich problematisch, weil individuelle Perspektiven sich unterscheiden und nie perfekt in einer Mehrheitsentscheidung repräsentiert werden können. Wir als SV Marzling haben ganz andere Bedürfnisse als beispielsweise der VfR Garching.“

SpVgg Mauern: Fortsetzung ohne Zuschauer vielleicht gute Zwischenlösung

Bei der SpVgg Mauern werde man erstmal das Wochenende abwarten. „Ich werde erstmal schauen, wie sich die Lage in den nächsten ein, zwei Tagen verändert.“, erzählt Abteilungsleiter Alex Karl. Nachdem man bei der Entscheidung zu den Freundschaftsspielen einen Rückzieher gemacht habe, will Karl nicht ausschließen, dass sich etwas an der Entscheidung verändern werde. Dies würde der Abteilungsleiter natürlich begrüßen. „Die wenigen Spiele im Herbst sind eine gute Möglichkeit, mal den Ernstfall zu proben. Vielleicht wäre auch eine Fortsetzung ohne Zuschauer eine gute Zwischenlösung.“ Schließlich ginge es vor allem um die Spieler: „Fußball ist ein Hobby für die Jungs, das ihnen Spaß machen soll. Ohne Wettkampf wird die Freude aber nicht größer. Das Lächeln aus den ersten Testspielen ist nach dieser Entscheidung wohl nicht mehr im Gesicht.“

FVgg Gammeldsdorf: Alles ein wenig unrund

Die Abteilungsleitung der FVgg Gammelsdorf werde sich zusammensetzen und beraten, welches Votum man als Verein treffen wolle, erzählt Abteilungsleiter Florian Pichlmaier. „Wir können beide Seiten absolut nachvollziehen.“ Einerseits wolle man den Spielern unbedingt sportlichen Wettkampf ermöglichen, auf der anderen Seite stehe der Infektionsschutz über allem. Gerade in Testspielen merke man, dass die Hygienemaßnahmen umzusetzen, nicht so einfach sei. „Es ist einfach alles ein wenig unrund. Man würde halt auch wieder gern nach dem Spiel auf ein paar Bier zusammenkommen. Zu vermitteln, dass es momentan nur nach unseren Regeln geht, ist nicht so leicht.“, so Pichlmaier. Unabhängig wie man sich entscheiden werde, ist man in Gammelsdorf sehr zufrieden, vom Fußballverband miteinbezogen zu werden. „Wir sind da sehr d’accord mit dem BFV, dass er sich die Meinung der Vereine einholt.“

SV Dietersheim: Positive Nachricht bei rechtlichen Schritten sehr unwahrscheinlich

Beim SV Dietersheim glaubt man nicht an eine Aufnahme des Spielbetriebs im Herbst 2020. „Es wäre, glaube ich, für alle Vereine einfacher, die Saison im Frühjahr zu spielen. So wartet man alle 14 Tage auf irgendeine Reaktion und ist dann wieder enttäuscht“, so Abteilungsleiter Mario Spoljaric. Die geplante Klage möchte der Spartenchef wegen geringer Erfolgsaussichten ebenfalls nicht unterstützen: „Ich würde keine rechtlichen Schritte einleiten, da eine positive Nachricht sehr unwahrscheinlich ist. Natürlich tragen wir die Entscheidungen des Verbandes mit, egal in welche Richtung. Wir werden uns bei der Umfrage aber klar für eine Weiterführung der Saison im kommenden Frühjahr aussprechen!“

SGT Istanbul Moosburg: Saisonfortsetzung im nächsten Jahr das Vernünftigste

Ähnlich sieht das Stimmungsbild beim A-Klassisten SGT Istanbul Moosburg aus, wo Fußballobmann Hasan Zorlu die zeitlichen Aspekte moniert: „Wenn sich die Vereine für die Klage aussprechen, dauert es sicher einige Wochen, bis ein finales Urteil gefällt wird.“ Sollte die Saison im Oktober starten, fiele der Ligapokal ohnehin aus, und „die circa zehn verbleibenden Ligaspiele braucht man dann auch nicht mehr aufteilen. Sportlich gesehen wäre es das Vernünftigste, diese im nächsten Jahr unter den normalen Verhältnissen durchzuführen.“

SV Pulling: „Wünschen uns eine klare Ansage“

Auch Dominik Grimm vom SV Pulling spricht sich für einen Restart im neuen Jahr aus, lobt aber gleichzeitig die Vorgehensweise des Verbandes, sich Meinungen der Vereine einzuholen: „In erster Linie finden wir es positiv, dass die Vereine ein kleines Mitspracherecht haben. Wir hoffen aber nicht, dass sich der BFV dann hinter unserer Abstimmung versteckt oder rausredet, wenn eine Klage hinfällig wird. Wir beim SV Pulling glauben nicht an einen baldigen Re-Start und auch eine Wiederaufnahme Anfang Oktober halten wir für ungut, da Mitte November wegen der Witterung direkt wieder Pause wäre.“ Aus diesem Grund spricht sich der SVP in der Umfrage auch klar für eine Verschiebung auf das Frühjahr 2021 aus. „Wir vertrauen dem Weg und Handeln der Regierung und richten uns danach. Wegen des ständigen Hin und Hers wünschen wir uns eher eine klare Absage, als ein weiteres wöchentliches Aufschieben“, so Abteilungsleiter Grimm.

SV Oberhaindlfing: „Aktuellen Regularien machen uns kaputt“

„Wir können die bisherigen Entscheidungen der Staatsregierung überhaupt nicht nachvollziehen“, ärgert sich dagegen Werner Diemaier, Abteilungsleiter des SV Oberhaindlfing und merkt an, dass die bisher durchgeführten Testspiele „überhaupt kein Problem“ dargestellt hätten. Auch die Zulassung von 100 bis 150 Zuschauern würden die Vereine vor keine allzu großen Schwierigkeiten stellen. Laut dem Haindlfinger Spartenchef stehen die Chancen für eine erfolgreiche Klage nicht schlecht: „Das Alkohol- und Demon–strations-Verbot wurde ja auch relativ schnell wieder aufgehoben. Die aktuellen Regularien machen uns kaputt. Das ist nicht mehr vertretbar und muss geändert werden.“

FCA Unterbruck: „Nochmalige Aufschiebung ist keine Option“

Ähnlich unzufrieden ist man beim FCA Unterbruck. „Dass die Gesundheit aller Beteiligten Vorrang hat, steht außer Frage. Dass aber Trainings und Vorbereitungsspiele möglich sind, ein Ligaspiel jedoch nicht, ist nur schwer nachvollziehbar“, so Fußballchef Christian Stanglmeir, der die Hinhalte-Taktik von Verband und Regierung Leid ist. Eine kurzfristige Entscheidung solle nun her. „Eine nochmalige Aufschiebung ist keine Option: Entweder startet der Ligabetrieb nun wie geplant am 19. September, alternativ Anfang Oktober oder man verschiebt das Ganze auf das neue Jahr.“ Bezüglich der geplanten Umfrage wird der FCA klar Farbe bekennen und stimmt für die baldige Aufnahme des Wettkampfspielbetriebs im Jahr 2020 sowie die Gleichbehandlung mit Freiluft-Kulturveranstaltungen in Bezug auf Zuschauerzahlen. Trotz des Wunsches Vieler, eine schnelle Freigabe des Spielbetriebs zu erzielen, warnt Stanglmeir jedoch: „Eine schnelle Entscheidung muss her, aber die viel zitierte Vorlaufzeit von zwei Wochen ist wichtig. Wir haben drei Herrenmannschaften und eine Damenmannschaft im Ligabetrieb. Da ist eine genaue Planung der Kabinennutzung und -Reinigung zwingend notwendig. Wir sind alle nur ehrenamtlich tätig, da benötigt es einfach etwas Zeit, um den Anforderungen gerecht zu werden.“ (JOSEF FUCHS,
SEBASTIAN BERGSTEINER
UND SEBASTIAN DOBLER)

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