Aktivposten: Spielertrainer Freddy Böhlert am Ball (m.) mit Heinrich Adler (vorne), Sandor Sabo und Peter Fischer (hinten von links).
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Aktivposten: Spielertrainer Freddy Böhlert am Ball (m.) mit Heinrich Adler (vorne), Sandor Sabo und Peter Fischer (hinten von links).

SCF macht sich das Leben selbst schwer

SC Freising: Trainer-Rücktritt und Elfmeter-Drama im Jahr 1993

  • vonArthur Viol
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1993 hatte der SC Freising die Chance zum Aufstieg. Nach einem Elfer-Drama musste Vize-Meister in der A-Klasse bleiben. Ein Rückblick auf das Spiel gegen den SV Untermenzing.

Freising– Die Fusion war noch ein paar Jahre entfernt, es war die Zeit, als sich SC und Eintracht Freising eher argwöhnisch beäugten. Eine Rivalität war schon allein deswegen vorhanden, da beide nach dem Abstieg der Eintracht aus der Bezirksliga für etliche Jahre in der A-Klasse gegeneinander kickten. So richtig erfolgreich war allerdings keiner, erst 1993 deutete sich eine erste Wende an.

Für die sorgte der Sportclub. In der Luitpoldanlage wollte man nach dem Abstiegskampf 1992 weg vom Image der grauen Maus. Bewerkstelligen sollte dies ein radikaler Umbruch innerhalb des Kaders, zu dessen Zweck man gut ein Dutzend neue Spieler und mit Manfred Böhlert auch einen neuen Trainer holte. So wechselten die Gebrüder Peter und Christian Stadler vom SV Marzling, die Echinger Ikone Hans Mühlbauer und der frühere Kranzberger Libero Peter Fischer, ein Landshuter und noch drei weitere Spieler aus Ismaning und dem Münchner Norden in die Domstadt. Und im gleichen Stil ging es ein Jahr später weiter. Der Landkreis staunte und fragte sich: Wer zahlt die Aufwandsentschädigungen? Einige Spieler kassierten 1000 Mark und mehr im Monat. Die Antwort: Alles wurde privat finanziert, der allergrößte Teil vom Konto einer einzigen Person aus der Funktionärsebene.

Spieler beschweren sich über harte Gangart von Freddy Böhlert

Der Saisonstart ging in die Hose (3:9 Punkte), nach der Winterpause jedoch blieb die Elf ungeschlagen. Nur der spätere Meister SVA Palzing war noch besser. Alles eitel Sonnenschein im SC-Lager, hätte man meinen können. Doch drei Spieltage vor Saisonschluss kam es zum hausgemachten Knall, man konnte sich nur wundern. Die Abteilungsleitung aus Anton Kratzl und Erwin Lanzendorfer hatte Trainer Freddy Böhlert auf einmal eröffnet, dass er nach Saisonende nicht mehr gebraucht und ersetzt werde. Nachfolger sollte Kratzls Schwager Edmund Warmuth (ein SCler aus den starken 70er-Jahren) werden. Es kam heraus, dass sich Spieler über die harte Gangart Böhlerts beschwert und bei der Abteilungsführung offensichtlich Gehör gefunden hatten. Ein damaliger Spieler erinnert sich an einen gemeinsamen Skiurlaub in Österreich, wo einige Neuzugänge mächtig gegen den Trainer geledert hatten.

Doch der Vertrauensbruch wurde zu einer Art Knieschuss für Abteilungsführung und die ganze Mannschaft. Böhlert schmiss verständlicherweise sofort hin, jetzt fehlte dem SC in der heißesten Phase nicht nur der Trainer. Er bildete zusammen mit Hans Mühlbauer ein gefährliches Duo im Mittelfeld. Damit war’s nun endgültig vorbei, auch weil Mühlbauer für die Zeit der Entscheidungsspiele Urlaub gebucht hatte und somit am 19. Juni fehlte. An diesem Tag ging es in Moosinning gegen den SV Untermenzing. Auf der Trainerbank hatte erstmals Edmund Warmuth Platz genommen, er sollte einen denkwürdigen Tag mit einer verpatzten Premiere erleben.

SC Freising verpasst Sieg im Elfmeterschießen

Inzwischen waren 17 Jahre vergangen, in denen der SC unterhalb der Bezirksliga kickte. Das sollte sich ändern, und die Partie an jenem heißen Nachmittag in Moosinning ließ sich gut an. Der SC war überlegen und verbuchte Chancen. Doch die meisten ließ man liegen, und so war der Ausgleichstreffer von Peter Stadler in der 65. Minute zwar hoch verdient, aber gemessen am Spielverlauf, viel zu wenig.

In der Verlängerung passierte nichts mehr, und so musste ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen. Und wieder standen die Schwarz-Weißen knapp vor dem Sieg. Der fünfte SC-Schütze, Peter Fischer, hatte die Entscheidung vor Augen, SC-Keeper Robert Puha hatte schon einmal abgewehrt. Nun war Fischer an der Reihe: Hätte er getroffen, wäre die Partie entschieden gewesen, doch sein Schuss knallte an das Lattenkreuz. Das Drama nahm seinen Lauf. Am Ende hatten jeweils zehn Schützen ihr Glück versucht, Christian Reiner, ein weiterer Neuzugang, hatte Pech, der Untermenzinger Keeper konnte halten. Was die Sache im Nachhinein noch viel ärgerlicher machte: Ein Sieg hätte zum Aufstieg gereicht, aufgrund der Konstellationen in den oberen Ligen wurde das zweite Spiel hinfällig.

Eintracht Freising lässt Schadenfreude freien Lauf

In der Savoyer Au hatte man am gleichen Tag mehr zu feiern. Die Eintracht gewann in Zolling ihr Entscheidungsspiel gegen den SC Kirchdorf 4:1 und verhinderte somit die Abstiegsrelegation. Und nach Bekanntwerden des Resultats vom Rivalen ließen zumindest zwei Eintrachtler ihrer Schadenfreude völlig freien Lauf. Der Clubchef und der Stammtorwart stimmten ein paar eindeutige Lieder an. Der Rest zeigte Mitleid, vielleicht auch, weil man ahnte, dass die Zeit beider Teams bald enden sollte.

Ein Jahr später fanden die ganz großen Feiern auf der anderen Seite der Isar statt: Der SC wurde mit 47:5 Punkten und 99 geschossenen Toren souveräner Meister, die Eintracht scheiterte wieder einmal in der Relegation – im dritten Spiel nach einem 0:2 gegen den SV Karlshuld.

(Arthur Viol)

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