SEF-Coach Jammali berichtet von verbalen Angriffen beim Spiel in Eichstätt

Rassistische Beleidigungen gegen SEF-Jugendspieler? VfB wehrt sich

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Land auf, Land ab wollen junge Menschen Wochenende für Wochenende nur eines: Fußball spielen.

VON MATTHIAS SPANRAD

Freising– Den C-Junioren des SE Freising verging am vergangenen Wochenende aber der Spaß: Wie der Verein berichtet, wurden die Jugendlichen beim Auswärtsspiel in Eichstätt fast über die vollen 70 Minuten der Partie massiv rassistisch beleidigt – von vielen Zuschauern, danach auch von den Spielern des Gastgebers. Der VfB Eichstätt dagegen wehrt sich, will von Beleidigungen aller Art nichts wissen – und kündigt rechtliche Schritte an.

Sami Jammali, Trainer der C-Junioren des SE Freising, weiß nicht so recht, wie er die Geschichte einordnen soll. Seine jungen Spieler würden aus vielen verschiedenen Kulturen stammen. Was die am Sonntag in der Eichstätter Schottenau erlebt hätten, entbehre jeder Jugendarbeit, jedem Verständnis von Vorbildfunktion und gemeinsamem Miteinander – auf und neben dem Fußballplatz. Das Spiel war noch keine zehn Minuten alt, „als die Zuschauer begonnen haben, meine Spieler rassistisch und fremdenfeindlich zu beleidigen“, erzählt Jammali. Ausdrücke wie „Pisser“ und „Opfer“ waren noch „harmlos“. Laut einer Stellungnahme des SE Freising, die dem FT vorliegt, wurden die Freisinger Spieler laut und deutlich auch als „Kanacken-Team“ und „Scheiß Nigger“ beschimpft. Und weiter: „Ihr Scheiß Ausländer seid alle mit dem Boot gekommen, und wir hoffen, dass ihr und eure Eltern alle vergast werdet.“

Das Schlimme: Irgendwann übertrugen sich die Emotionen der heimischen Zuschauer auf die Jugendlichen des VfB Eichstätt, „und auch diese haben angefangen, meine Spieler rassistisch zu beleidigen“, berichtet SEF-Coach Jammali weiter. Die Freisinger Akteure seien dagegen zunächst ruhig geblieben, das sei schon immer das Credo in seiner Mannschaft, erläutert Trainer Jammali. „Uns geht’s um Fußball.“

Explizit keinen Vorwurf wollen die Lerchenfelder an Schiedsrichter Erik Straubel richten. Dieser sei jung, verteidigt Jammali, und „hat es sogar geschafft, das Spiel vernünftig zu Ende zu bringen“. Auch, dass er Freisings Akteur Kenan Brzovic in der 41. Minute die Rote Karte gezeigt hatte, nachdem sich dieser doch irgendwann verbal gegen die anhaltenden Beleidigungen gewehrt habe, kann Freisings Coach akzeptieren. „Da muss er sich im Griff haben.“ Auch die Kinder vom VfB nimmt er in Schutz. Die hätten von der Hälfte, was sie an Beleidigungen gesagt hätte, doch eh keine Ahnung gehabt, was das bedeute, und nur die Erwachsenen nachgeahmt.

Zu einer Aussprache mit den Eichstätter Verantwortlichen kam es nach Spielende nicht – dazu sahen sich die Gäste aus der Domstadt nicht in der Lage. Schnell packten die Gelb-Schwarzen ihre Siebensachen, sagt Sami Jammali. Alle flüchteten in die Kabine – und dann heim nach Lerchenfeld. So wirklich abgehakt hat das Erlebnis aber noch niemand.

Auf eine Reaktion aus Eichstätt warten die Lerchenfelder bis heute. Zudem hofft Trainer Sami Jammali, dass die Ereignisse auch seitens des Bayerischen Fußballverbands aufgearbeitet würden. Alle müssten sich hinterfragen, vor allem Eltern und Verband. Denn: „Was verstehen wir unter Jugendfußball, wenn so etwas vorkommt?“ Der Verband hat sich auf FT-Nachfrage aber nicht geäußert.

In Eichstätt dagegen wehrt man sich massiv gegen die Vorwürfe aus der Domstadt. Er könne sich auch nicht erklären, betont Vereinsvorstand Thomas Hein auf FT-Nachfrage, „wie der SE Freising auf so etwas kommt“. Dezidiert Abstand nehmen wollen die Altmühltaler davon, rassistische Äußerungen getätigt zu haben. Heins Sohn spielt in der VfB-U15, zudem war die Frau des Vorsitzenden mit am Spielfeldrand „und hat nichts in diese Richtung gehört“. Vielmehr werde man, sollte der SEF auf den Vorwürfen beharren, anwaltlich vorgehen, kündigt Hein an. „Wenn es sein muss, bis zum Letzten. So etwas lassen wir uns nicht nachsagen.“

In der betroffenen Mannschaft, zeigt Hein auf, würden drei Spieler mit Migrationshintergrund spielen. „Zudem wurden wir erst für unsere Integrationsarbeit ausgezeichnet.“ Den SEF wolle man auf alle Fälle kontaktieren.

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