Spielszene mit Sebastian Waas, rechts im Bild.
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Seine Qualitäten werden der SpVgg fehlen: Sebastian Waas (r.) wechselte zum FSV Pfaffenhofen – dem neuen Club von Ex-Eching-Coach Gerhard Lösch. Mit Robin Streit und Tim Bürchner haben weitere wichtige Spieler Kammerberg verlassen.

Leistungsträger verlassen Bezirksligist

SpVgg Kammerberg: Bürchner, Waas und Streit verlassen den Klub - schwierige Saison steht bevor

  • vonMoritz Stalter
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Bezirksligist SpVgg Kammerberg muss künftig gleich drei Leistungsträger ersetzen. Der Verein baut weiter auf seine Transferphilosophie mit jungen Spielern.

Kammerberg – Prognosen sind im Amateurbereich schwierig. Das war schon vor der rekordverdächtig langen Pause von fast einem Dreivierteljahr der Fall. Während es im Profifußball kaum noch Geheimnisse gibt, können in Spielklassen wie der Bezirksliga Nord plötzlich Spieler auftauchen, die zuvor niemand auf dem Schirm hatte. Die SpVgg Kammerberg hatte in den vergangenen Jahren diesbezüglich eine hohe Trefferquote. An die muss der Verein in dieser Saison angesichts der Abgänge der Leistungsträger Robin Streit, Sebastian Waas und Tim Bürchner anknüpfen.

Die ersten Testspiele stehen fest

„Wir haben uns in der vergangenen Woche zweimal getroffen, um wieder reinzukommen“, sagt Matthias Koston, der in seine zweite Saison als SpVgg-Trainer geht. In dieser Woche steigert er das Pensum. „Wir werden zwei Wochen lang jeweils viermal trainieren – danach werden wir inklusive Testspiele auf vier Einheiten pro Woche kommen“, erklärt Koston. Die ersten Termine stehen: Am 19. Juni empfängt die Spielvereinigung den SC Oberweikertshofen aus der Bezirksliga Süd, drei Tage später geht es ebenfalls auf dem eigenen Platz gegen den Ost-Bezirksligisten FC Moosinning.

Die Schwierigkeiten dieser Vorbereitungsphase sind offensichtlich. Nach der langen sportlichen Pause benötigen die Akteure Zeit, um ihre Körper an die fußballspezifischen Anforderungen anzupassen. „Konditionell ist alles in Ordnung, aber schnelle Richtungswechsel sowie komplexe und reaktive Bewegungen wurden in den vergangenen acht Monaten nicht trainiert. Daran müssen wir arbeiten“, betont Koston. Die Verletzungsgefahr sei in dieser Saisonvorbereitung höher als sonst.

Kapitän Tim Bürchner zog es zurück zum ASV Dachau

Doch nicht nur die Muskeln, Sehnen und Bänder zwicken. „Dort, wo die Stollen drücken, ist normalerweise Hornhaut. Doch die hat sich zurückgebildet. Die Fußsohlen haben geschmerzt“, berichtet Koston. Die Freude darüber, wieder kicken zu dürfen, verdrängt die Wehwehchen. „Alle haben Lust, auch wenn sie wissen, dass die Vorbereitung hart wird“, sagt der Kammerberger Trainer. Und weiter: „Ich werde die Jungs langsam an die Belastungen heranführen und dann einen Riesenfokus auf die Fitness legen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir immer dann gut waren, wenn wir uns hart vorbereitet haben.“

Neu im Team: Stürmer Marius Cosa bringt Bezirksliga-Erfahrung mit.

In den kommenden Wochen müssen die Kammerberger auch ackern, um die Abgänge zu kompensieren: Drei Schlüsselspieler, vielleicht sogar die wichtigsten Akteure auf dem Feld, haben den Club verlassen. Kapitän Tim Bürchner zog es zurück zum ASV Dachau, von dem er vor fünf Jahren nach Kammerberg gewechselt war. Er wird dort unter Manuel Haupt spielen – dem Trainer, der ihn damals zur SpVgg gelotst hatte. Bürchner wird dem Team im Abwehrzentrum sowie als Führungsspieler fehlen.

Sebastian Waas läuft künftig für den FSV Pfaffenhofen auf, der nun vom ehemaligen Eching-Coach Gerhard Lösch trainiert wird und extrem aufrüstet. Waas erzielte in den vergangenen beiden Spielzeiten in 45 Matches 29 Treffer. Doch nicht nur seine Tore, auch das Tempo und die Qualitäten im Dribbling werden der Spielvereinigung fehlen. Häufiger als Waas traf seit der Saison 2018/19 bei den Kammerbergern nur Robin Streit: Der Stürmer brachte es auf 38 Tore und damit auf mehr Treffer in der Bezirksliga Nord als jeder andere Spieler. Dass Streit den Club verlässt, steht seit Februar fest: Er wechselt gemeinsam mit seinem Bruder Kevin zum TSV Schiltberg in die A-Klasse Aichach, wo beide Spielertrainer werden. „Robin und Kevin fehlen nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld. Beide sind charakterlich top“, sagt Koston. Den Abgang von Michael Zachskorn können die Kammerberger verkraften: Der Torhüter brachte es in zwei Spielzeiten auf elf Partien, in der vergangenen Saison hütete er nur einmal den Kasten.

Rückkehrer: Jascha Beck kickte zuletzt zwei Jahre beim TSV Arnbach.

Fünf Abgänge, fünf Zugänge – an der Kadergröße wird sich gegenüber der vergangenen Runde nichts ändern. Neu bei der Spielvereinigung sind Innenverteidiger Daniel Seybold (18, A-Jugend ASV Dachau), die Außenspieler Marcel Truntschka (21, TSV Indersdorf) und Christoph Spielberger (23, SV Petershausen) sowie Mittelstürmer Marius Cosa (34, FSV Pfaffenhofen) und Rückkehrer Jascha Beck (26, TSV Arnbach). Cosa und Beck bringen Bezirksliga-Erfahrung mit – den Talenten Seybold, Truntschka und Spielberger traut Koston den Sprung zu. „Wir holen keine Spieler, die sofort gesetzt sind. Wir wollen junge Leute entwickeln. Dafür müssen sie spielen – und diese Chancen wollen wir ihnen geben“, sagt der Trainer. Geschenkt bekämen sie aber nichts: „Ich erwarte, dass sie voll mitziehen. Dann darf es auch ein schlechtes Spiel sein.“

Wie schnell finden sich die Neuzugänge in der Bezirksliga zurecht?

Wie vor jeder Saison wird der Erfolg der Kammerberger davon abhängen, wie schnell sich die Neuzugänge in der Bezirksliga zurechtfinden. Sie an den Leistungen von Robin Streit, Waas und Bürchner zu messen, wäre nicht fair. Streit hatte sogar Bayernliga-Erfahrung nach Kammerberg mitgebracht, Bürchner und Waas hatten in der Landesliga gespielt. Die Neuen müssen sich eingewöhnen, „diese Zeit bekommen sie“, sagt Koston.

(Moritz Stalter)

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