Pechvogel (2): Durch den vergebenen Elfmeter von Martin Hack unterlag Moosburg gegen Sulzemoos.
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Pechvogel (2): Durch den vergebenen Elfmeter von Martin Hack unterlag Moosburg gegen Sulzemoos.

Relegationsdrama 1999

SpVgg Moosburg: Legendärer Spiele-Marathon in zwölf Tagen

  • vonArthur Viol
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1999 war die SpVgg Moosburg ganz nah dran. Doch nach einem wahren Spiele-Marathon scheiterte sie dramatisch in der Aufstiegs-Relegation.

VON ARTHUR VIOL

Moosburg - Seit nunmehr acht Jahren verharrte die SpVgg Moosburg nun schon in der Kreisliga, 1999 schien endlich die Zeit gekommen für eine Rückkehr in die Bezirksliga. Die Elf von Spielertrainer Gianni Lettieri (früher 1860 Amateure) lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem TSV Dorfen, und am Ende machte der Aufstiegskandidat aus dem Landkreis Erding den Moosburgern bei ihrem Bemühen nach dem Meistertitel einen Strich durch die Rechnung. Dorfen hatte nach 28 Spieltagen zwei Punkte mehr auf dem Konto, Moosburg musste in die Relegation. Es folgte ein Marathon mit vier Spielen, in denen die Dreirosenstädter immer zum falschen Zeitpunkt siegreich blieben.

Dem 3:1-Heimsieg am letzten Spieltag gegen den SE Freising II folgte eine Woche später das erste Relegationsspiel gegen den FC Croatia. Der hatte schon ein denkwürdiges Entscheidungsspiel hinter sich. Die Partie gegen den SV Nord-Lerchenau wurde beim Stand von 1:1 abgebrochen, der Gegner am grünen Tisch zum Sieger erklärt.

Die Moosburger nahmen die erste Hürde relativ problemlos, gewannen in Allershausen ohne ihren verletzten Abwehrchef Christian Berndl mit 2:0. Die Tore machte ausgerechnet Fabijan Hrgota, der nach der Partie dann auch Mitleid mit seinen Landsleuten zeigte, „weil ich sie abgeschossen habe“. Der Matchwinner bekam aber Sonderlob vom Trainer: „Was der abgeliefert hat, war erste Sahne“.

Wiederum nur vier Tage später hatten die Moosburger die Chance auf den Aufstieg. Der Sieger der Partie gegen den SV Sulzemoos war unwiderruflich droben. Die Elf aus dem Dachauer Kreis war ebenfalls Vizemeister geworden und hatte Begegnung eins gegen Etting in der Verlängerung für sich entschieden. Gespielt wurde wieder in Allershausen, gut 400 Besucher waren live im Ampertaler Stadion und sahen eine eine aus Moosburger Sicht sehr unglückliches Spiel, an dessen Ende man jedoch selbst mit sich haderte.

Anfangs schien alles nach Plan zu laufen. Vorne setzte erneut Hrgota die Akzente, und so ging die SpVgg mit einem verwandelten Foulelfmeter von Max Kiermaier nach Foul am Torgaranten in Führung (36.). Und es wurde aus personeller Hinsicht noch besser: Sulzemoos hatte ab der 67. Minute einen Mann weniger auf dem Feld – und machte trotzdem den Ausgleich. Auch weil sich die Moosburger zu sehr zurück gezogen hatten.

Mit Beginn der Verlängerung waren die Moosburger schon zwei Akteure mehr auf dem Feld (Lautenbacher sah in der 90. Minute Gelb-Rot). Doch anstatt den Gegner auszuspielen, zitterte sich die Lettieri-Elf durch die 30 Minuten, kassierte prompt den Rückstand. Und doch tat sich mit der allerletzten Aktion (inzwischen hatte ein weiterer Sulzemooser Gelb-Rot gesehen, und die Elf stand noch zu Acht auf dem Feld) noch einmal die Chance auf. Moosburg bekam einen Strafstoß zugesprochen, der Schiedsrichter aus München schickte einen vierten Sulzemooser vom Platz. Da Max Kiermaier seinen Strafstoß nur mit Glück verwandelte, suchte man einen weiteren Schützen. Die Wahl fiel auf Martin Hack. Die Sulzemooser ließen sich allerlei Irritationen einfallen – und hatten Erfolg damit. Hack traf bei seinem mit Spann getretenen Schuss nur den Torwart. Sulzemoos jubelte, Lettiere lag weinend am Boden, Hrgota zertrat einen Getränkeständer.

Doch es war noch nicht aller Tage Abend. In einer Trostrunde spielten vier Teams zwei weitere Aufsteiger aus. Drei Tage nach der Pleite ging es in Richtung Moosinning, wo der SV Zamdorf nach einem 0:3 gegen Waldkraiburg der nächste Gegner sein sollte. Der Sieger blieb im Rennen, der Verlierer durfte endgültig in die Sommerpause.

Es sollte der nächste Nervenkrieg werden mit einem besseren Ende vor 550 Zuschauern für die SpVgg Moosburg. Hrgota, wer sonst, hatte seine Elf in der 37. Minute in Front geschossen, Musti Cevi (40.) noch vor der Pause die Gemüter weiter beruhigt. Zamdorf kam zum Anschluss, doch diesmal retteten sich die Moosburger mit einem Mann weniger nach einer gelb-roten Karte für Elfinger (78.) übers Ziel.

Die Chance lebte also wieder, und es kam zum vierten Spiel innerhalb von zwölf Tagen. Gegner im nunmehr zweiten Endspiel war der SV Wolfratshausen, gespielt wurde in Zamdorf.

Die Fußball-Fans waren müde ob der in die Länge gezogenen Entscheidungsphase. Nur mehr 400 Besucher kamen und sahen ein recht ausgeglichenes Spiel, das zur Halbzeit 1:1 stand (Moosburger Ausgleich durch Mustafa Cevik). Dass dem Wolfratshausener Siegtreffer ein Fehler von Schlussmann Ralf Gschlössl vorausging, machte die Sache erneut tragisch. Der Keeper war über die letzten Spiele hinweg stets ein sicherer Rückhalt und auch in dieser Begegnung eigentlich bester Moosburger. In der Schlussphase hatte man erneut einen Mann mehr auf dem Feld, doch zu einer richtig guten Chance kamen die Dreirosenstädter nicht mehr.

Enttäuschung und Trauer saßen tief, doch Lettieri und Co rafften sich auf. Der Münchner revidierte seine Rücktrittsgedanken, auch Wast Gerlsbeck machte weiter und startete einen neuen Versuch in der A-Klasse.

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