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Seine Treffer werden der SpVgg fehlen: Robin Streit (l.) hat in der Saison 2019/21 in 22 Partien 20 Tore geschossen. Dass er bei seinem Potenzial den Weg in die A-Klasse geht, kann Kammerbergs Trainer Matthias Koston nicht nachvollziehen.

Fußball - Bezirksliga

Streit-Brüder wechseln: SpVgg Kammerberg verliert ein „echtes Dreamteam“

  • vonMoritz Stalter
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Paukenschlag beim Fußball-Bezirksligisten SpVgg Kammerberg: Kevin und Robin Streit wechseln zur neuen Saison als Spielertrainer zum A-Klassisten TSV Schiltberg.

Kammerberg – Schlechte Nachrichten für die Kammerberger Fußballfans: Kevin (29) und Robin Streit (25) werden nach der Saison die SpVgg verlassen. Eine Überraschung? Nicht wirklich. Robin, der jüngere der beiden Brüder, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der besten Torjäger der Bezirksliga Nord entwickelt. „Wir haben mit seinem Abgang gerechnet“, sagt SpVgg-Trainer Matthias Koston, schiebt aber nach: „Doch auf keinen Fall damit, dass er nach unten wechselt.“ Für die Streits geht es in die A-Klasse, zum TSV Schiltberg. Dort werden sie Spielertrainer.

Das Angebot erhielt Kevin Streit. Der wollte einen zweiten Mann an seiner Seite haben. Einen, dem er vertraut. Er überzeugte seinen Bruder Robin. Der sagt: „Wir konnten uns schon länger vorstellen, später mal als Spielertrainer einzusteigen. Die passende Möglichkeit hat sich jetzt mit Schiltberg ergeben.“ Ende Januar fällten die Brüder die Entscheidung.

In Schiltberg laufen die Fäden zusammen

Aber warum gerade Schiltberg? In der Gemeinde im schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg laufen die Fäden zusammen. Die Streits kommen aus Rapperzell, einem Dorf in der Gemeinde – der TSV ist ihr Heimatverein. Vater Fabian ist seit knapp einem Jahr Schiltbergs Bürgermeister. Ob Robin Streit auch zu einem anderen Verein drei Ligen nach unten gewechselt wäre? „Ganz klar nein“, sagt der Stürmer. Ob es ihm wichtig war, mit seinem Bruder zu wechseln? „Absolut. Wir verstehen uns auf und neben dem Platz blind, und ich könnte es mir mit keinem Besseren vorstellen.“

Kammerbergs Trainer Koston lernte die Streits als „echtes Dreamteam“ kennen: „Das sind Brüder, wie sie im Buche stehen – die kennen sich in- und auswendig.“ Kevin sieht er als „Ruhepol“, Robin als den „aktiveren“ der Brüder. „Kevin hat mal gesagt, dass ihn das Spielertrainer-Ding reizt“, erzählt Koston. Der ältere der Streit-Brüder war in der Saison 2017/18 Co-Trainer beim TSV Hilgertshausen, danach wechselte er nach Kammerberg. Sein Coach damals: Manuel Haupt, ein akribischer Arbeiter. Seit dieser Saison ist Koston nun Trainer der SpVgg. „Kevin hat sich bestimmt bei Manu Haupt und mir Dinge abgeschaut und hinterfragt“, sagt Koston. Und weiter: „Ich wünsche ihm den größtmöglichen Erfolg.“

Deshalb ist SpVgg-Trainer Matthias Koston enttäuscht

Der SpVgg-Coach wünscht auch Robin das Beste – von dem jüngeren der Streit-Brüder ist er aber enttäuscht. „Bei ihm wäre die Landes- oder die Bayernliga der logische nächste Schritt gewesen. Mich ärgert es ein bisschen, dass er runtergeht.“ Der Kammerberger Trainer spielte früher in der Landesliga beim ASV Dachau. „Und ich hatte nicht so viel Talent wie er. Es sollte doch erstrebenswert sein, so hoch wie möglich zu spielen“, sagt Koston, der Robin Streit „eine Menge Potenzial“ bescheinigt: „Er bringt alles mit, ist stark im Eins-gegen-Eins, beweglich und technisch sehr gut. Sein Schuss ist super. Und er hat noch Luft nach oben“, betont Koston. „Dazu kommt, dass er in der Bezirksliga oft gedoppelt oder sogar von drei Gegenspielern bewacht wurde. In der Landes- oder Bayernliga wäre das erst einmal nicht der Fall gewesen. Es wäre für ihn vielleicht sogar einfacher geworden.“ Robin Streit bestätigt Anfragen höherklassiger Clubs, etwas Konkretes sei aber nicht dabei gewesen. Er entschied sich anders, als sein Bruder auf ihn zukam.

Robin Streit winkt die Torjägerkanone

Die Spielzeit werden die Streits in Kammerberg fertigspielen – selbst dann, wenn sie über den Sommer hinausgehen sollte. „Wir werden die Saison in Kammerberg definitiv zu Ende bringen“, sagt Robin Streit. Der Zug in eine höhere Liga sei nicht abgefahren. „Ganz ausschließen will ich es nicht, erst einmal konzentriere ich mich aber voll auf meine neue Aufgabe.“ Und bis dahin versucht er, für die Kammerberger weiter zu treffen. 20 Saisontore in 22 Partien sind es bisher. Die Torjägerkanone winkt.

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