Florian Uffinger (l.) befürchtet weitere Austritte beim Nachwuchs und beklagt den Ausfall der Hallenturniere. Stefan Wöhrl (r.) Jugendleiter wundert sich über viele Absagen in den vergangenen Wochen und will in der Halle trainieren.

Die Wackelkandidaten brechen im Lockdown weg

Welche Folgen hat der fehlende Trainingsbetrieb im Nachwuchsbereich?

  • vonNico Bauer
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Es ist das Thema, das allen Trainern und Funktionären während des Lockdowns unter den Nägeln brennt. Wie soll man ohne organisiertes Sporttreiben den Nachwuchs fördern?

Landkreis – Ein Lockdown kann teuer werden. Die Jugendleiter im Landkreis wissen aus dem letzten Frühling noch genau, wie schwer es war, die Jugendmannschaften zusammenzuhalten und zu motivieren. Nun gibt es wieder eine Zwangspause, in den Clubs herrscht die klare Meinung vor, dass Kinder und Jugendlichen so schnell wie möglich wieder trainieren sollen.

„Wir haben Kinder und Jugendliche schon beim ersten Lockdown verloren“, sagt Florian Uffinger, Jugendleiter des TSV Eching, „die Wackelkandidaten brechen uns in solchen Phasen weg.“ In diesen Tagen sei die Zwangspause besonders schade, weil man noch ein paar Wochen im Freien hätte trainieren können, „und gerade bei kleinen Kindern ist die Infektionsgefahr doch sehr gering“. Derzeit halte man den Kontakt zu den jungen Fußballern mit Internet-Training und kleinen Bewerben. Nach dem Lockdown sieht er dann gleich das nächste Problem, die abgesagte Hallensaison. „Diese Hallenturniere und die Sommerturniere sind entscheidend für den Zusammenhalt in unserem Verein.“

SpVgg Zolling: Wöhrl wundert sich über Spielabsagen

Auch Michael Hofmann, Jugendleiter des TSV Moosburg, erinnert sich an „einen gewissen Schwund“ nach dem ersten Lockdown. Deshalb rechnet er auch jetzt damit, dass es schwer werde, die Nachwuchskicker zum Neustart wieder zu motivieren. Er blickt etwas wehmütig nach Mecklenburg-Vorpommern, wo Kinder und Jugendliche aktuell unter Auflagen trainieren dürfen: „Vielleicht haben wir auch dieses Glück, wenn die Zahlen wieder besser werden.“

Der Zollinger Jugendleiter Stefan Wöhrl findet die Diskussion etwas seltsam, weil viele Gegner der SpVgg Zolling in den vergangenen Wochen ihre Spiele abgesagt haben. So seien auch Spiele der Jugend abgesagt worden, weil die SpVgg Zolling einen Coronafall in seiner ersten Mannschaft hatte. Das alles sei schon verwunderlich, „nachdem wir alle ein halbes Jahr lang dafür gekämpft haben, wieder spielen zu dürfen“. Wöhrl meint dazu auch, „dass wir wohl keinen Lockdown gebraucht hätten, wenn sich alle etwas vernünftiger verhalten hätten.“ Sobald wieder etwas geht, wird die Jugend das Hallentraining starten, als Ersatz für die Turniere möchte Wöhrl Freundschaftsspiele gegen Nachbarvereine organisieren.

FCA Unterbruck: Tietje hofft auf Lockerungen im Dezember

Andre Tietje ist der Jugendleiter des FCA Unterbruck. Er kennt verschiedene Meinungen im Verein zum Jugendtraining trotz Lockdown. Der Funktionär vertritt den Standpunkt, dass man Kindern unter zwölf Jahren das Training möglich machen sollte: „Die sehen sich jeden Tag in der Schule und könnten dann auch trainieren.“ Ein weiteres Thema im Verein ist die Frage der Weihnachtsfeiern, die im bisherigen Rahmen nicht stattfinden können. Tietje hofft auf Lockerungen im Dezember, um dann wenigstens mannschaftsweise kleine Feiern abhalten zu können. Der Notplan ist, allen Kindern der Fußballjugend das Weihnachtsgeschenk direkt nach Hause zu bringen.

Alle Jugendleiter sind sich einig, dass jeder Lockdown den Vereinen Kinder und Jugendliche kosten wird. Deshalb wäre es der Super-Gau, wenn die Pause nach dem November verlängert würde und die Vereine erst 2021 wieder mit den Kindern Sport treiben können.

(Nico Bauer)

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