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Wollen mit Vatanspor etwas aufbauen: Sportleiter Mustafa Kaykac (l.) und Fußballchef Tamer Bulkurcu fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen.

Fußball

„Wir haben dieses Nomadentum satt“ – Vatanspor Freising ist derzeit obdachlos

Der Fußballclub Vatanspor Freising steht derzeit ohne Unterkunft da. Doch womöglich ist eine Lösung für ein Vereinsheim in Sicht.

Freising – Namhafte Neuzugänge sowie eine Kreisklassen-Mannschaft, die langsam zusammenwächst und seit über einem Jahr keine Niederlage mehr kassiert hat: Eigentlich läuft alles ideal bei Vatanspor Freising. Doch eine wichtige Sache fehlt dem Sportverein: eine Unterkunft. „Vatanspor ist – und es ist wirklich bitter, es so sagen zu müssen – derzeit obdachlos“, betont Abteilungsleiter Tamer Bulkurcu.

Vatanspor Freising und das Eigenheim – eine schier unendliche Geschichte. In der Luitpoldanlage, an der Kepserstraße, an der Haggertystraße – in den zurückliegenden 15 Jahren war der Club schon an mehreren Standorten untergekommen, aber immer nur zur Miete. Ein fester Sitz war Vatanspor nie vergönnt. „Wir wollten das Projekt nie aufgeben und haben es immer weiter versucht“, sagt der Sportliche Leiter Mustafa Kaykac. In den vergangenen drei Jahren war man an der Thalhauser Straße untergekommen. Nun will die Besitzerin das Gebäude abreißen lassen – und der Club musste zum 1. November ausziehen. Die Möbel sind aktuell auf begrenzte Zeit bei einem Bekannten untergebracht.

Vatanspor Freising: „Multikulti – das ist unsere Mission.“

„Wir haben dieses Nomadentum satt“, sagt Bulkurcu. Ein eigenes Vereinsheim sei dringend notwendig, um die Strukturen aufzubauen, die Vatanspor von anderen Kreisklassisten unterscheidet. „Wir werden oft gefragt, wann wir bei uns auch Jugendmannschaften anbieten. Aber dafür fehlt uns einfach die Infrastruktur. Wir brauchen einen Ort, wo wir ein kleines Büro haben und wo sich die Teams auch treffen können, damit sich die Spieler nicht immer in der Stadt oder in irgendwelchen Spielhöllen rumtreiben.“ Bei Vatanspor befürchtet man, dass trotz guter sportlicher Perspektive die Mitglieder davonlaufen. Dabei sei der Club ein wichtiges soziales Projekt. „Multikulti – das ist unsere Mission. Wir wollen hier Integrationsarbeit leisten. Doch die Stadt blockiert das.“

Seit 15 Jahren wende man sich bei der Suche nach einer Unterkunft regelmäßig an die Stadt Freising – bisher ohne durchschlagenden Erfolg: „Wir waren regelmäßig beim Bürgermeister zu Gast und haben unsere Situation geschildert. Geantwortet wurde uns mit einem Zweizeiler: ,Wir können euch nicht helfen. Ihr müsst privat etwas suchen.’ Aber privat kriegst du halt nichts. Weil du als Verein deine Einnahmen deklarieren musst. Doch das können wir nur mit einem Vereinsheim“, erzählt Bulkurcu. Ein Teufelskreis also.

Das sagen die Vertreter der Stadt Freising

Jürgen Mieskes, der Sportreferent im Freisinger Stadtrat, zeigt Verständnis für das Problem, erklärt jedoch: „Leider besitzt die Stadt wenige Gebäude, die überhaupt für ein Vereinsheim in Frage kämen. Und die wenigen, die es gibt, werden für öffentliche Einrichtungen verwendet.“ Das bestätigt auch Stadtpressesprecherin Christl Steinhart: „Vatanspor-Vorsitzender Mehmet Seyhan hatte in der Vergangenheit wiederholt die Gelegenheit, sein Anliegen beziehungsweise den Bedarf seines Vereins an geeigneten Räumen in Gesprächen auch mit Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher persönlich zu erörtern. In der Folge erging innerhalb der Stadtverwaltung selbstverständlich umgehend ein Prüfungsauftrag, ob in Frage kommende städtische Immobilien vorhanden seien. Leider, so das Ergebnis, ist das nicht der Fall.“

Daraufhin habe man darauf verwiesen, dass in einer Kooperation mit einem anderen Freisinger Verein ein erfolgversprechender Lösungsansatz gefunden werden könne. Auch Mieskes erklärt, die Lage sei für Vatanspor besonders schwer, da sich der Club nicht wie andere Fußball-Abteilungen an einen bestehenden Sportverein angeschlossen hätte. So hätte man sich in einen Verein eingliedern und von dessen Infrastruktur profitieren können. Bulkurcu meint aber, in Freising werde wohl kein Club Vatanspor bei sich haben wollen.

Trotz all dieser Schwierigkeiten hat Mieskes Vatanspor einen Vorschlag für ein Grundstück unterbreitet: In der Savoyer Au, direkt beim Sportheim des SE Freising, gebe es eine 90 Quadratmeter große Fläche, die man nutzen könne. Der nächste Schritt sei die Zulassung vom Bauamt, das nun vom Verein einen konkreten Plan fordert, um die baurechtlichen Fragen zu klären. Dies sei die Basis für den Vorbescheidsantrag und letztlich auch für eine Baugenehmigung. Angaben zum Projekt sind laut Steinhart Voraussetzung für das weitere Vorgehen: „Zur Vorbereitung eines zielführenden und konstruktiven Austauschs allein zu zentralen, grundsätzlichen Fragen braucht es schlicht und ergreifend Angaben zu einem konkreteren Konzept.“

Bulkurcu: „Wir sind weder Ingenieure, noch kommen wir vom Bau.“

Bulkurcu bezeichnet das als „reine Schikane. Wir sind weder Ingenieure, noch kommen wir vom Bau.“ Und außerdem wisse man nicht einmal, ob die Stadt das Grundstück überhaupt freigibt. „Wir haben das Gefühl, dass man Vatanspor weghaben möchte.“ Steinhart widerspricht da sofort: „Das können wir ausdrücklich nicht nachvollziehen. Vatanspor ist der Stadt so wichtig wie alle anderen Vereine.“ Das gute Miteinander zeige sich zum Beispiel daran, dass Vatanspor Freising auf das Stadion in der Savoyer Au zugreifen dürfe und sich OB Eschenbacher persönlich mit dem Vorsitzenden über das Vorhaben unterhalten habe. „Gleichwohl können wir Vatanspor ansonsten nicht anders behandeln als alle anderen Vereine auch – oder in diesem Fall: als alle Bauwerber, die ihre Vorstellungen schriftlich nachvollziehbar darstellen müssen.“ Und auch Mieskes betont: „Einen Plan zu erstellen, ist Aufgabe des Vereins, und die Stadt prüft diesen wie bei jedem anderen Bewerber. Wir als Kommune können dem Verein nicht seine Aufgaben abnehmen.“

Bulkurcu will nun nochmal den Kontakt mit der Stadt erneuern, um doch noch eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Und Mieskes ist weiter optimistisch, dass es noch mit dem Sportheim für Vatanspor klappt: „Wenn der Plan vorliegt, würde ich mich gerne mit den Zuständigen und dem Bauamt zusammensetzen – und das Vereinsheim in die Wege leiten.“

Sebastian Bergsteiner

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