Serie: Kickerinnen im Rampenlicht

Bayern-Star Sydney Lohmann: Bei den Jungs des SC Fürstenfeldbruck ist sie zum Profi gereift

Von Thomas Benedikt

Es läuft bei Sydney Lohmann. Die Mittelfeldspielerin ist beim FC Bayern zu einem Gesicht der aktuell sehr erfolgreichen Frauen-Mannschaft geworden.

Am Sonntag trifft Sydney Lohmann mit den FCB-Frauen im Spitzenspiel auf den VfL Wolfsburg. Im Interview erzählt das Ausnahme-Talent von seinem Werdegang.

Fürstenfeldbruck – Während ihre männlichen Kollegen etwas holprig in die Saison gestartet sind, dominieren die Frauen des FC Bayern die Bundesliga. Acht Siege aus acht Partien und ein Torverhältnis von 26:0 sprechen eine deutliche Sprache. Ein Gesicht des Erfolgs ist Sydney Lohmann. Mit sechs Toren und einer Vorlage ist Lohmann die Top-Scorerin im Münchner Kader. Bevor die 20-Jährige vor vier Jahren den Schritt in die U 17 des FC Bayern wagte, kickte sie sechs Jahre lang beim SC Fürstenfeldbruck. Allerdings nicht bei den Mädchen sondern bei den Jungs. Wie ihr die Zeit in der Kreisstadt auf dem Weg zum Profi geholfen hat und worin Fußballerinnen besser sind als die Männer, erzählt sie im Tagblatt-Interview.

Sydney Lohmann: „Es läuft gerade einfach richtig gut“

Vertragsverlängerung, unglaublicher Lauf in der Bundesliga, erstes Länderspieltor und das alles unter Corona-Bedingungen. Bleibt da gerade Zeit zum Reflektieren?

Werbung
Werbung

Ich versuche gerade, nicht allzu viel darüber nachzudenken. Es läuft gerade einfach richtig gut. Und wenn man in so einem Flow ist, fällt einem alles am leichtesten.

Wenn Sie zurückblicken auf ihre bisherige Karriere. Würden Sie sagen, sie haben alles richtig gemacht?

Ich habe ja noch einiges vor mir und bisher auch noch nichts Zählbares in Form von titel vorzuweisen. Aber zunächst war es nach meinem Wechsel zu Bayern mein Ziel, mich in der ersten Mannschaft durchzusetzen und mich in der Nationalmannschaft auf längere Sicht zu etablieren, wo ich auf einem guten Weg bin. Daher bin ich schon zufrieden.

Mit wie vielen Jahren sind Sie zum Fußball gekommen?

Ich war glaube ich vier Jahre alt, als ich das erste Mal beim SV Lengenfeld trainiert habe. das dürfte dann G- oder F-Jugend gewesen sein. Wir waren da von den Jahrgängen noch bunt gemischt und hauptsächlich Jungs in der Mannschaft.

Sydney Lohmann: Mit zehn Jahren wechselte sie nach Fürstenfeldbruck - zu den Jungs

Sechs Jahre lang war Lohmann für den SCF aktiv – mit einer Sondergenehmigung bei den Jungs.

Sechs Jahre lang war Lohmann für den SCF aktiv – mit einer Sondergenehmigung bei den Jungs.Wie sind Sie dann in der Jugend des SC Fürstenfeldbruck gelandet?

Ich bin zwischenzeitlich nach Kaufering gewechselt. Da haben wir immer wieder gegen Fürstenfeldbruck gespielt. Wir hatten auch gemeinsame Trainingstage mit den Bruckern. Als sich dann meine Mannschaft aufgelöst hat, bin ich zum SC Fürstenfeldbruck gegangen. Da war ich zehn Jahr alt. Dort bin ich sechs Jahre bis zu meinem Wechsel zum FC Bayern geblieben.

All die Jahre haben Sie nur mit Jungs in der Mannschaft gespielt. Hat Ihnen das geholfen oder haben Ihnen weibliche Teamkameradinnen gefehlt?

Mittlerweile kann ich mir das Spielen in einer Männer-Mannschaft gar nicht mehr vorstellen. Aber es hat mir gut getan, bei den Jungs mitzuspielen. Da ist das Tempo noch höher, die Spieler noch robuster und die Zweikämpfe werden noch aggressiver geführt. Als Mädchen lernst du da, dich durchzusetzen. Das sind alles Dinge, die mir dann beim Sprung zu den Frauen enorm geholfen haben.

Sydney Lohmann: „Mädchen sind häufig disziplinierter“

Abgesehen von der Physis. Worin unterscheiden sich Mädchen und Jungs beim Training?

Mädchen sind häufig disziplinierter. Jungs haben da eine gewisse Lockerheit. Hin und wieder habe ich mir schon gedacht „jetzt macht halt die Übung gescheit“. Dabei haben wir in Fürstenfeldbruck ja auch schon auf hohem Niveau trainiert. Aber es macht dadurch auch Spaß, mit ihnen zu trainieren.

Gibt es etwas, worin Frauen besser sind als die männlichen Kicker?

Ich würde sagen, dass wir taktisch weiter sind. Und dadurch, dass ich irgendwann körperlich einfach nicht mehr mithalten konnte, musste ich mir anders helfen. So bin ich cleverer geworden und habe gelernt, Zweikämpfen aus dem Weg zu gehen und trotzdem gut zu spielen. Das erzählen mir auch viele Kolleginnen, die einen ganz ähnlichen weg hinter sich haben.

Was würden Sie talentierten Mädchen raten, wo sie spielen sollen: Jungs- oder Mädchenteam?

Ich würde sofort sagen bei den Jungs. Für talentierte Mädchen ist auch oft das Problem, dass in ihrem Jahrgang die Leistungsdichte nicht so hoch ist.

Sydney Lohmanns Weihnachtswunsch: Die Meisterschaft mit dem FC Bayern

Haben Sie heute noch Kontakt zu ihren Mitspielern von damals?

Keinen regelmäßigen Kontakt, aber wir schreiben noch manchmal. Oft bekomme ich Glückwünsche nach wichtigen Siegen oder sie fragen mich, wie es mir geht. Hin und wieder schreibe ich auch noch mit meinem Jugendtrainer aus Brucker Zeiten Angelo Pucci. (Anmerkung: Pucci arbeitet mit seiner Fußballschule jetzt in Puchheim)

Weihnachten steht jetzt bald vor der Tür. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Ich will endlich einen Titel mit dem FC Bayern gewinnen, am besten die deutsche Meisterschaft.

Die Serie „Kickerinnen im Rampenlicht“

In der Berichterstattung und in der öffentlichen Wahrnehmung stehen die Frauen-Teams im Fußball oft im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Das wollen wir ändern. Wir stellen die Landkreis-Klubs und herausragende Spielerinnen aus der Region in loser Reihenfolge vor.

Mehr zum Thema

MünchenFürstenfeldbruckFC Bayern Damen
Kommentare zu diesem Artikel