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Ex-Olchinger Charmaine Häusl: Der Hoffnungsträger der Seychellen

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Von: Thomas Benedikt

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Sticht hervor, nicht nur wegen der Haarfarbe: Charmaine Häusl (Foto oben, 3.v.l. hinten) ist der einzige Nationalspieler der Seychellen, der im Ausland spielt.
Sticht hervor, nicht nur wegen der Haarfarbe: Charmaine Häusl (Foto oben, 3.v.l. hinten) ist der einzige Nationalspieler der Seychellen, der im Ausland spielt. © Privat

Charmaine Häusl ist ein Weltenbummler. Der Ex-Jugendspieler des SC Olching spielt für die Nationalmannschaft der Seychellen und hat dort einen besonderen Auftrag.

Olching/Berlin – Charmaine Häusl kickt in zwei Welten. Während der Ex-Olchinger mit seinem Berliner Regionalligaverein gegen Mannschaften wie Luckenwalde oder Meuselwitz spielt, trifft er als Nationalspieler auf Gegner wie die Malediven oder die Komoren. Der Defensivspezialist läuft seit Oktober 2019 für die Seychellen auf. Dort, wo andere Urlaub machen, hat Häusl eine Mission: Er soll den Fußball in dem kleinen Inselstaat voranbringen – und das nicht nur auf dem Platz.

Die Entscheidung dafür war wohl überlegt. Mehrmals habe er sich bei Heimatbesuchen – die Familie seiner Mutter kommt von dort – mit Vertretern des Verbands getroffen, erzählt der 25-Jährige. Immer ging es um die gleichen Fragen: Wie kann man den Fußball auf den Seychellen fördern und wie kann Häusl dabei helfen? Erst als er von dem Projekt überzeugt war, sagte er zu.

Charmaine Häusl will „ein Leader sein“

Seine Aufgaben definiert Häusl so: „Ein Leader sein und die jungen Spieler motivieren.“ Das beschränkt sich nicht nur auf das Geschehen auf dem Fußballplatz. Die jungen Männer der Seychellen müssten überhaupt erst für den Fußball begeistert werden, sagt der 25-Jährige. Sportart Nummer eins in dem gerade einmal 100 000 Einwohner fassenden Land ist Basketball. „Die sind hier alle verrückt auf die NBA“, erzählt Häusl. Ein Grund dafür sei die jahrzehntelange Erfolglosigkeit des Fußball-Nationalteams, meint der Defensivspieler. Er ist überzeugt: „Mit dem Erfolg kommt auch die Fußballbegeisterung.“

Doch die ersten Schritte in diese Richtung sind kompliziert. „Die Schwierigkeit besteht darin, aus den wenigen Einwohnern alle guten Spieler zusammenzukratzen.“ Er ist der einzige Nationalspieler, der im Ausland kickt. Alle anderen sind auf den Seychellen aktiv. Das Talent sei aber vorhanden, meint Häusl. „Es gibt sehr gute Spieler, die technisch was drauf haben.“ Wo es dagegen noch hapere, sei die taktische Ausbildung. Vor allem in der Defensive sieht der 25-Jährige Nachholbedarf.

„Die Schwierigkeit besteht darin, aus den wenigen Einwohnern alle guten Spieler zusammenzukratzen.“

Charmaine Häusl über das Projekt Fußball auf den Seychellen.

Hier kommt das Wissen ins Spiel, das sich Häusl über die Jahre angeeignet hat. In den Nachwuchsleistungszentren der Profi-Klubs reifte er zum Junioren-Nationalspieler.

Charmaine Häusl spielte in der Bundesliga-Reserve des FSV Mainz 05

Seine Karriere begann er in der Jugend des SC Olching. Über den SC Fürstenfeldbruck, Augsburg und die Münchner Löwen kam er schließlich zum FSV Mainz. Für die Reserve des Bundesligisten absolvierte Häusl 81 Spiele, ehe er nach einer kurzen Zwischenstation bei Sonnenhof Großaspach zum Berliner AK in die Regionalliga Nordost wechselte. In der U16 und U17 lief er zudem sieben Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf. Alles Erfahrungen, die ihm jetzt als Führungsspieler der Seychellen helfen.

Das Nationalstadion des kleinen Landes bietet Raum für 10.000 Zuschauer, immerhin zehn Prozent der gesamten Bevölkerung hätten dort Platz.
Das Nationalstadion des kleinen Landes bietet Raum für 10.000 Zuschauer, immerhin zehn Prozent der gesamten Bevölkerung hätten dort Platz. © Privat

Und Häusl hat große Ziele, wohin die Reise für den kleinen Inselstaat gehen soll. „Der Afrika Cup wäre ein Traum“, sagt er. Ob das mit dem aktuellen Team möglich sein wird, daran zweifelt er. Häusl schielt mehr auf die 2. Nationalmannschaft, also jenes Team, in dem die unter 18-Jährigen kicken. In den jungen Spielern sieht er eine Menge Potenzial. Das stellte zuletzt Lorenzo Hoareau unter Beweis. Mit gerade einmal 14 Jahren wurde er der jüngste Afrikaner, der bei einem Länderspiel getroffen hat.

All das muss Häusl derzeit aber vom Spielfeldrand mit ansehen. Beim Auswärtsspiel im September auf den Komoren krachte er bei einer Rettungsaktion gegen den Pfosten und brach sich das Schienbein. Nach einer rund 30-stündigen Odyssee wurde er schließlich in Berlin operiert. Jetzt hat er noch immer zwei bis vier Monate Reha vor sich.

All das muss Häusl aber derzeit vom Spielfeldrand beobachten. Wegen eines Schienbeinbruchs fällt er noch mindestens zwei Monate aus. 
All das muss Häusl aber derzeit vom Spielfeldrand beobachten. Wegen eines Schienbeinbruchs fällt er noch mindestens zwei Monate aus.  © Privat

Damit fehlt Häusl nicht nur seiner Nationalmannschaft sondern auch dem Berliner AK, der in der Regionalliga-Nordost auf Aufstiegskurs ist. Dabei würde Häusl so gerne wieder Drittliga-Fußball spielen, so wie er es schon für die Mainzer tat. Über seine eigenen Ambitionen sagt er: „Die 3. und auch 2. Liga traue ich mir definitiv zu.“

„Die 3. und auch 2. Liga traue ich mir definitiv zu.“

Charmaine Häusl über seine Ambitionen.

So bleibt jetzt aber mehr Zeit für andere Dinge, Französisch lernen zum Beispiel. Neben Kreol und Englisch ist es die Landessprache der Seychellen. „Ich habe es leider nie richtig gelernt“, sagt Häusl. Das will er jetzt endlich nachholen. Und zu Weihnachten will er auch wieder seine Eltern und seinen Bruder in Fürstenfeldbruck besuchen. (Thomas Benedikt)

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