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Hans Hahn nimmt gegenüber Geldgebern und Gläubigern offenbar kein Blatt vor den Mund.

SC FFB: Drohende Insolvenz verzögert Neuwahlen

SC Fürstenfeldbruck - Für die einen ist die Lage schlimmer als erwartet. Für andere weniger dramatisch.

Nach zweiwöchigen Recherchen der Ehrenpräsidenten hat der finanziell angeschlagene SC Fürstenfeldbruck nun seine Schuldenzahlen offen gelegt:

Langfristig sind es rund 150 000 Euro, kurzfristig rechnet Interims-Chef Johannes Mühlberger mit Rechnungen in Höhe von 60 000 Euro. Wegen der unübersichtlichen Lage wurde die für nächste Woche geplante Hauptversammlung samt Neuwahlen um zwei Monate verschoben.

Hans Hahn, Ex-Vorsitzender, Ehrenpräsident und Steuerberater, machte die Aussprache im Kreis von potenziellen Geldgebern und Gläubigern zu einer gnadenlosen Abrechnung. Im Mittelpunkt seiner Kritik stand der mittlerweile zurückgetretene Präsident Eckart Lutzeier. „Es wurde Geld ausgegeben, das gar nicht da ist. Wir mussten die Reißleine ziehen“, gestand der seit zwei Jahren als Vize und jetzt als kommissarischer Präsident tätige Mühlberger. Lutzeier selbst konnte die Vorwürfe nicht entkräften. Er ist seit Bekanntwerden der Krise in ärztlicher Behandlung und wird in verschiedenen Kliniken medizinisch- psychologisch betreut. Mühlberger, der mit ihm als einziger noch Kontakt hält, macht sich große Sorgen: „Der Ecki steht völlig neben sich.“ Nicht alles, so Mühlberger, was Lutzeier angelastet werde und andere verbockt hätten, könne auf ihn abgeladen werden.

Ungeachtet dessen rechnete Hahn mit teilweise drastischen Worten schonungslos ab. „Wir wurden nur angelogen und waren vor wenigen Tagen eigentlich schon in der Insolvenz.“ 90 Prozent der misslichen Lage kreidet er Lutzeier an. „Der Rest geht auf uns und wir haben deshalb auch ein schlechtes Gewissen.“ Dabei sah die finanzielle Lage vor einem Jahr noch ganz rosig aus. Das Gratis- Gastspiel des FC Bayern hatte 30 000 Euro in die Kasse gespült, die Vertragsverlängerung mit dem Namensgeber des Stadions fast die gleiche Summe. Mittlerweile ist alles weg, verschwunden in den Taschen von Spielern, denen „das Blaue vom Himmel versprochen wurde“.

Noch deutlicher wurde Heiner Beinhofer. Der ehemalige Finanzbeamte wurde vereinsintern mit der Aufarbeitung der Geldbestände beauftragt – noch bevor die reguläre Kassenprüfung ran darf. Für ihn ist klar: „Jeder hat gewurschtelt, nicht nur Lutzeier.“ Die Misswirtschaft habe schon vor Jahren begonnen. Als Günther Paul, der Hauptgeldgeber der finanziell vom Hauptverein unabhängigen Tischtennisspieler, das hörte, konnte der Chef eines internationalen Laser-Unternehmens nur noch den Kopf schütteln: „Was ist in diesem Verein bloß los?“ Stadionsprecher Stefan Knöchel hat als Konsequenz eine Satzungsänderung vorgeschlagen: „Kein Präsident darf mehr mit so einer Allmacht ausgestattet sein.“ Dem Sohn von Geschäftsführer Gerhard Knöchel, der seinen Job ebenfalls aufgeben will, schwebt die Gründung eines Kontrollgremiums vor.

Bis zu den Neuwahlen wollen Hahn und Ex-Präsident Albrecht Huber verstärkt um neues Vertrauen bei Sponsoren werben. Und: Die um den Klassenerhalt in der Landesliga kämpfenden Fußballer werden weiter keinen Cent mehr bekommen. Ohnehin sei die Mannschaft mit einem Jahresetat von 120 000 Euro „viel, viel, viel zu teuer“, so Mühlberger. Würde es noch Prämien geben, hätte allein der jüngste Heimsieg dem Verein 1500 Euro gekostet – und das bei nur knapp 100 Zuschauern, die für einen Eintrittspreis von sieben Euro vor Ort waren. Deshalb, so Hahn: „Wenn uns keiner sehen will, brauchen wir auch keine Klimmzüge machen.“ Über die Konsequenzen ist er sich mit Mühlberger einig: „Dann müssen wir eben eine Klasse tiefer spielen.“ Noch ist ein freiwilliger Rückzug allerdings nicht geplant – ungeachtet der sportlich ohnehin weiterhin angespannten Tabellenlage.

Wer sich ab Mai damit befassen soll, ist unklar. Bewerber für das Präsidentenamt sind in dieser prekären Lage keine in Sicht. Oder zumindest noch nicht. Denn nach dem offiziellen Ende des Offenbarungseides meldete sich im kleinen Kreis doch noch ein Interessent: „Ich könnte mir vorstellen, es zu machen“, verkündete der zum Sponsorenkreis gehörende Gastronom Hans Sattlegger, bei dem Teile der Vereinsspitze zuletzt auffällig oft getagt haben.

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Quelle: fussball-vorort.de

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