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Fünf Monate nach Kreuzbandriss wieder Startelf: Florian Bucher über Blitz-Comeback

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Von: Thomas Jank

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Florian Bucher entschied sich gegen eine OP nach seiner Verletzung
Florian Bucher entschied sich gegen eine OP nach seiner Verletzung © FuPa

11. Mai 2022, Aufstiegsspiel, 5. Minute: Florian Bucher liegt am Boden. Diagnose: Kreuzbandriss. Für viele Profis das Karriereende, doch Bucher keine fünf Monate später wieder Landesliga.

Kaufering – Florian Bucher ist beim VfL Kaufering eine wichtige Stammkraft. Vergangene Saison half er maßgeblich beim Aufstieg in die Landesliga mit. Ausgerechnet in dem Spiel, in dem sein Team alles klarmachen konnte, reißt sich Bucher das Kreuzband. Doch jetzt – 128 Tage nach der Schockdiagnose – steht der Offensivakteur wieder auf dem Platz. Unser Interview mit ihm.

Herr Bucher, Sie zogen sich eine schwere Verletzung am Kreuzband in dem Spiel zu, indem es möglich war, den Aufstieg klarzumachen. Was schoss Ihnen da durch den Kopf, als sie am Boden lagen und merkten, es ist ernst und geht nicht mehr weiter? 

Zuerst waren die brutalen Schmerzen im Vordergrund. Nach einer Minute habe ich dann nochmal versucht zu laufen, aber es ging wirklich nicht mehr. Mein Gedanke: Das kann ja jetzt wohl nicht wahr sein! Bei dem Spiel! 

Diagnose: Kreuzbandriss. Hört sich nach sehr langer Pause an - für viele das Karriereende. Was haben Sie sich gedacht, als der Arzt es Ihnen mitteilte? 

Es war ein riesengroßer Schock! Ein paar Tage drauf fuhr ich zum MRT nach München, mit eigentlich einem ganz guten Gefühl, weil es nicht mehr so weh tat und die erste ärztliche Prognose auf einen Innenbandriss hindeutete. In München wurde dann nicht nur das MRT gemacht, sondern mir wurde auch gleich wider Erwarten die Diagnose gestellt: vorderes Kreuzband gerissen. Das war dann ganz schön heftig für mich! Einige Termine bei verschiedenen Ärzten folgten. 

Wie haben Sie von dem Sieg mitbekommen? Konnten Sie sich trotzdem freuen oder lag der Fokus komplett auf der Verletzung?

Ich habe das komplette Spiel angeschaut. Mein Bein wurde gekühlt, hochgelagert etc. und ich bin dann erst am nächsten Tag zum Arzt gegangen. Grundsätzlich konnte ich mich natürlich schon sehr über den Aufstieg freuen und auch mitfeiern, aber im Hinterkopf war natürlich schon immer auch die Verletzung.

Florian Bucher nach Kreuzbandriss: Warum kam sein Comeback so schnell?

Wann haben Sie das Team dann wiedergesehen und wie war das? 

Wir haben uns direkt am Samstag danach beim nächsten Spiel gesehen, aber da hatte ich die Diagnose noch nicht. Die folgte in der Woche drauf, als ich direkt nach dem MRT zum Training fuhr und es den Trainern und dem Team mitteilte.

Für Sie war dann erstmal Pause. Wie und wann haben Sie angefangen, sich fit zu halten? 

Nachdem ich bei verschiedenen Ärzten war, habe ich mich für den Weg ohne OP entschieden. Einer der Ärzte und meine Physiotherapeutin waren nämlich der Meinung, dass das so funktionieren kann, da ich keine Begleitverletzungen hatte und mein Knie so stabil war. Funktioniert es nicht, könnte man immer noch operieren. Ich habe sofort nach meiner Entscheidung für die konservative Therapie mit Krankengymnastik, Kältetherapie, Lymphdrainage und Mobilisationen begonnen. Als die Schwellung komplett weg war, habe ich ziemlich schnell mit zwei bis drei Mal wöchentlicher Therapie bei einer Sportwissenschaftlerin und Physiotherapeutin begonnen. Zusätzlich habe ich täglich die Übungen noch zuhause gemacht. Also viel Eigenwille, auch jetzt noch! Man muss immer dran bleiben und spezifisch trainieren, da das Kreuzband ja fehlt. Ich war auch zusätzlich in fast jedem Mannschaftstraining und habe meine Übungen gemacht. Das war dann das geilste Gefühl als ich wieder mal mit um den Platz laufen konnte und durfte.

Die meisten Fußballer - auch die im absoluten Profibereich - kommen nach so einer Verletzung (wenn überhaupt) trotzdem erst nach neun Monaten zurück. Was war der Grund dafür, dass so schnell ging bei Ihnen? 

Mein Knie war zum Glück eben von Anfang an sehr stabil und ich hatte nie wirklich ein Instabilitätsgefühl, was für den Kopf wahrscheinlich sehr gut war. Außerdem hatte ich nie wirklich Zweifel, dass ich es nicht schaffe. Bestärkt und motiviert hat mich auch immer super gut meine Therapeutin und mein Umfeld, ohne die es vielleicht nicht so funktioniert hätte.

Das war dann das geilste Gefühl als ich wieder mal mit um den Platz laufen konnte und durfte.

Florian Bucher über seine erste Trainingseinheit mit dem Team nach der Verletzung

128 Tage nach Ihrer Verletzung wurden Sie am 12. Spieltag in der Landesliga gegen Weißenburg in der 62. Minute erstmals wieder eigewechselt. Wie fühlte sich der Moment an? 

War natürlich ein richtig schöner Moment, vor allem weils auch zuhause war und sich auch die Zuschauer und alle anderen Beteiligten sich sehr mit mir gefreut haben.

Nach einer weiteren Einwechslung am nächsten Spieltag standen Sie von da an wieder in vier von fünf Spielen in der Startelf. Sie sind also sofort nach Ihrem Comeback wieder ein Leistungsträger und eine Stammkraft der Mannschaft. War das für Sie klar? 

Nein. Ich habe es natürlich gehofft, aber dadurch, dass ich in ein gut funktionierendes Team zurückkehrte, war das natürlich nicht klar. Aber ich freue mich natürlich total und umso mehr, dass ich in so kurzer Zeit wieder spielen kann und darf.

„Für immer VfL Kaufering“: Florian Bucher denkt nicht über einen Wechsel nach

Sie stehen mit dem VFL Kaufering als Aufsteiger auf dem vierten Tabellenplatz (vier Punkte hinter dem Tabellenführer) der Landesliga Südwest. Ist es zu früh, von einem Direktaufstieg zu reden? Wie sind die Ziele? 

Saisonziel Nummer 1 war es so schnell wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Wir freuen uns natürlich sehr über den bisherigen Verlauf und möchten am liebsten gegen jede Mannschaft gewinnen.

Wie sehen Sie ihre Zukunft? Für immer Kaufering oder vielleicht ein Transfer in eine höherklassige Liga - eventuell sogar in den Profibereich? 

Für immer VfL Kaufering, da ich schon seit 11 Jahren in dem Verein spiele und schon jahrelang mit den gleichen guten Kumpels zusammenspiele.

Das Interview führte Thomas Jank.

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