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Florian Obst hat sich durchgebissen. Der Emmeringer Zehnkämpfer ist erstmals Deutscher Meister.

Zehnkampf

Florian Obst: Deutschlands König der Athleten kommt aus Emmering

Deutschlands neuer König der Athleten kommt aus Emmering: Florian Obst (26) eroberte im württembergischen Bietigheim-Bissingen den Meistertitel im Zehnkampf.

Emmering „Das ist mein erster deutscher Meistertitel, und das bedeutet mir schon sehr viel“, freute sich der 26-Jährige nach seinem großen Auftritt. „Es war ein sehr spannender, nicht immer einfacher Wettkampf, hat aber viel Spaß gemacht und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.“ Obst profitierte freilich von der Abwesenheit der kompletten deutschen Zehnkampf-Elite, die sich bereits auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Darunter Kai Kazimrek, Niklas Kaul, Tim Nowak, Manuel Eitel und Mathias Brugger, die heuer einzigen 8000-Punkte-Knacker in Deutschland. Obst hatte diese magische Hürde im Vorjahr geschafft, war danach aber verletzungsbedingt gehandicapt. Weshalb der Titel auch ohne Star-Gegner hoch eingestuft werden darf. „Natürlich hatte ich den Sieg als festes Ziel, auch wenn ich meinen derzeitigen Leistungsstand noch nicht so richtig einschätzen konnte“, so Obst.

Im Sportpark Ellental zeigte der Emmeringer im Trikot des SSV Ulm bereits am ersten Tag einen starken Auftritt, lag aber nur auf dem vierten Rang. Vorausgegangen waren 11,30 und 50,38 Sekunden über 100 und 400 Meter sowie 6,33, 15,05 und 1,82 Meter bei Weitsprung, Kugelstoßen und Hochsprung. „Am meisten habe ich mich über das Kugel-Ergebnis gefreut. Denn nach einer kleinen Technik-Umstellung war es mir in letzter Zeit sehr schwergefallen, weit zu stoßen. Die Leistung zeigte nun endlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Der zweite Tag entwickelte sich zu einer Aufholjagd. Bereits beim Aufwärmen habe er bemerkt, dass er den Vortag gut überstanden und kaum Muskelkater hatte. Irgendwie hatte er sogar richtig Lust, die ungeliebten Hürden zu laufen. „Alles andere hat sich dann so nach und nach ergeben.“ Dafür legte sich Obst auch mächtig ins Zeug, spurtete die 110 Meter Hürden in 14,97 Sekunden, arbeitete sich im Diskuswurf auf 44,11 Meter, überquerte 4,60 Meter im Stabhochsprung, schleuderte den 800 Gramm schweren Speer auf 55,86 Meter und quälte sich nochmals zu einer neuen persönlichen Bestzeit (4:43,69) auf der abschließenden 1500-Meter-Strecke.

„Nach dem durchwachsenen ersten Tag habe ich eine Zeitlang gar nicht mehr auf die Punktzahlen geschaut und mich einfach auf die Disziplinen und nicht auf meine Platzierung konzentriert“, erklärte der 26-Jährige. „Deshalb war es dann sogar für mich eine kleine Überraschung, dass ich über die 1500 Meter um den Sieg mitlaufen konnte.“ In der Endabrechnung sammelte Florian Obst 7413 Punkte. Platz zwei ging an Felix Hepperle von der LG Neckar-Enz ( 7341) vor Nico Beckers (Aachen, 7317).

Die Freude über Gold war deshalb so überschwänglich, weil die bisherige Saison nicht gerade positiv für den Emmeringer verlief. „Leider hatte ich immer wieder kleinere Wehwehchen.“ Verletzungen an Ellbogen, Ferse und Innenband erschwerten seine Vorbereitungen und verhinderten einen früheren Start bei einem Vorbereitungs-Zehnkampf. „Nun bin ich gesundheitlich wieder fit, konnte seit zwei Wochen wieder alle Disziplinen trainieren und mich so ganz gut auf diese Titelkämpfe vorbereiten.“ So war vor allem der zweite Tag trotz seiner gelungenen Aufholjagd rechnerisch ein wenig holprig, denn „so manche Disziplin zeigte deutlich, dass meine ideale Form eigentlich noch gar nicht so da ist“.

Der Weg zum Gold war auf jeden Fall aufwendig. Momentan absolviert Obst bei Bundestrainer Christopher Hallmann in Ulm neun Trainingseinheiten pro Woche zu je zwei bis drei Stunden. „Außerdem tragen die Jungs in Ulm einen ganz großen Teil bei. Mit ihnen ist das Training nie langweilig und außerdem kann ich mir auch noch einiges abschauen.“

Gefeiert hat der neue deutsche König der Athleten übrigens noch nicht. Denn nach der Siegerehrung wurde Obst sofort zur Dopingkontrolle mitgenommen, und anschließend ging es gleich in Richtung Heimat. Gestern ging’s dann weiter zum einwöchigen Urlaub nach Italien, wo auch gebührend nachgefeiert wird.

LUDWIG STUFFER

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