Wegen seines Organisationstalents war der pensionierte Post-Beamte beim TSV West auch immer für das Ausfüllen der Spielberichte zuständig. 
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Wegen seines Organisationstalents war der pensionierte Post-Beamte beim TSV West auch immer für das Ausfüllen der Spielberichte zuständig.

Er war 44 Jahre lang Mädchen für alles

Urgestein Werner Lenk hört beim TSV West auf – Das Vereinsgeschehen verfolgt er weiter

  • Peter Loder
    VonPeter Loder
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Werner Lenk ist ein Urgestein des TSV Fürstenfeldbruck-West. Jetzt legt der 77-Jährige alle seine Ämter nieder und geht nach 44 Jahren in den Ruhestand.

Fürstenfeldbruck – Um das Sprachrohr des TSV Fürstenfeldbruck-West ist es seit Saisonbeginn still geworden. Werner Lenk (77) hat all seine Ämter niedergelegt und sich – gesundheitlich etwas angeschlagen – nach 44 Vereinsjahren in den Ruhestand verabschiedet. Zumindest offiziell. Tatsächlich aber verfolgt der Ex-Technische-Leiter, Ex-Betreuer, Ex-Schiedsrichter und Ex-Pressesprecher (Spitzname „Sexy“) auch weiterhin das Geschehen bei dem Klub, der just nach Lenks Ausscheiden nun in einer tiefen sportlichen Krise steckt.

Einerseits mit Sorge, weil die Elf in der Kreisklasse keine große Zukunft mehr hat, was der guten Seele des Vereins „im Herzen weh tut“. Andererseits auch mit Zuversicht, weil er den bald fälligen Umzug ins neue Sportzentrum mit einem Neuaufbau verbindet.

Schon drei Jahre nach der Vereinsgründung geht Lenk zum TSV West

Am 1. Januar 1975 (drei Jahre nach Gründung des Vereins) wurde Werner Lenk vom damaligen Kassenwart Rudi Gschwandtner – dessen Sohn Peter (71) aktuell die Mannschaft wieder trainiert – zum TSV West gelotst. Als aktiver Fußballer in jungen Jahren war der mittlerweile 77-Jährige „nicht unbedingt ein Ass“, wie er gesteht. Doch trotz seiner nur knapp 1,70 Meter stand Lenk im Tor der zweiten Mannschaft des SC Fürstenfeldbruck, dessen erste Garde seinerzeit zur bayerischen Spitzenklasse gehörte. So war es mit Andi Schmölz auch ein damals in der Bayernliga gefürchteter SCF-Verteidiger, dem Lenk zum TSV West folgte.

„Ein gesundes und harmonisches Vereinsleben ist viel wichtiger.“

Werner Lenk

Vier Jahre nach seinem dortigen Einstieg ins Ehrenamt feierte Lenk den ersten Aufstieg. Es folgten zwei weitere, doch weiter als in die Kreisliga ging’s nicht hinaus. Sportliche Höhenflüge sind für den Betreuer aus Leidenschaft aber auch nicht das Maß aller Dinge. „Ein gesundes und harmonisches Vereinsleben ist viel wichtiger.“ Weshalb er sein Leben beim und mit dem TSV West als „wunderschöne Zeit“ empfindet. Nur einmal gab es ein Störfeuer in Form eines Vertrauensbruchs („Ein Ehrenwort und der Zusammenhalt – das ist alles, was für mich zählt“).

Bis auf ein kurzes Intermezzo in Schöngesing war Lenk dem TSV West immer treu

Auch zum Bälle schleppen war sich Werner Lenk nie zu schade.

Als das 1989 mal nicht mehr passte, ging Lenk für zwei Jahre zum SC Schöngeising. Doch die Scherben waren rasch wieder gekittet, als der Ruf aus der Heimat für den in der Buchenau lebenden Multifunktionär unüberhörbar war. Zurück bei den Westlern, kümmerte sich der pensionierte Post-Beamte seitdem nicht nur um die Mannschaften, sondern organisierte auch alljährlich Benefizturniere mit vierstelligen Einnahmen zugunsten benachbarter Kindergärten.

Den Jahresurlaub legte er stets in die spielfreie Zeit im Januar und verbrachte ihn mit seiner Ehefrau Petra entweder auf Teneriffa oder Lanzarote. Seit 30 Jahren sind sie verheiratet, nachdem sie zuvor schon ein Jahrzehnt verlobt waren. „Ohne Petra geht es nicht.“ Doch gleich mit dem nächsten Atemzug nennt der Langzeit-Funktionär treue Weggefährten wie Torjäger Muzzi Gür, die Ex-Trainer Thomas Stehle und Qemajl Beqiri, Vereinschef Anton Maletz und seinen Betreuerkollegen Sepp Saal, die Lenks Dasein beim Multikulti-Verein begleitet haben.

Über die Tiefen des Vereins schweigt Lenk eisern: „Dafür bin ich viel zu gutmütig“

Bei der 40-Jahr-Feier des Vereins wurde Werner Lenk (Mitte) für 30 Jahre Mitgliedschaft beim TSV West ausgezeichnet.

Über sein 44-jähriges Leben beim und mit dem TSV West könnte der 77-Jährige ein Buch schreiben. Die Höhen würden darin ausführlich beschrieben. So etwa die schon FC-Bayern-reife Serie von 25 ungeschlagenen Spielen in Folge (1982). Über die Vereins-Tiefen, die es gab und gibt, schweigt sich Lenk aber beharrlich aus: „Dafür bin ich viel zu gutmütig.“

Ein gut gehütetes Geheimnis lüftet er zum Ende seiner Laufbahn aber doch noch: Wie er zum Spitznamen „Sexy“ gekommen ist. Dahinter steckt nichts Anrüchiges, versichert Werner Lenk, sondern eine besondere Kunstfertigkeit auf der Kegelbahn: „Ich habe immer nur ,alle Sechse‘ getroffen.“ Und darauf mit einem „Rüscherl“ angestoßen. (VON PETER LODER)

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