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Bei den Mädchen wird ab Herbst wieder gespielt.

Nur bei den Junioren wird abgebrochen

Jugendfußball: Doppel-Strategie für Mädchen und Buben

  • Thomas Benedikt
    vonThomas Benedikt
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Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat beschlossen, die aktuell ausgesetzte Saison bei den Junioren abzubrechen.

Landkreis – Bei den Juniorinnen soll die Saison ab 1. September – wenn die staatlichen Vorgaben es ermöglichen – analog zum Spielbetrieb bei den Herren und Frauen fortgesetzt werden. Der BFV-Vorstand folgt damit dem Vorschlag der Lösungs-Arbeitsgruppe Spielbetrieb Liga und Pokal Junioren und Juniorinnen.

Bei den Junioren werden die Abschlusstabellen auf Basis einer Quotientenregelung gebildet: Die bestplatzierte aufstiegsberechtigte Mannschaft und das auf einem Aufstiegsrelegationsplatz stehende Team steigen auf. Absteiger soll es nur dann geben, wenn Teams in der laufenden Saison bis dato punktlos geblieben sind. „Dass wir bei den Junioren zu dem Ergebnis kommen, die laufende Spielzeit abzubrechen, während bei den Erwachsenen und den Juniorinnen die Saison zu Ende gespielt wird, mag auf den ersten Blick überraschen“, sagt Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann. 

BFV: Große Unterschied zwischen Junioren und Juniorinnen

Zu groß seien jedoch die Unterschiede beim Spielbetrieb der Mädchen und Buben. „Das fängt damit an, dass bei den Junioren über die Hälfte der 14 100 Mannschaften im C- bis F-Juniorenbereich im nichtaufstiegsberechtigten Spielbetrieb und damit im reinen Breitensport aktiv ist“, so Weißmann. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die gezielte und jahrgangsübergreifend verzahnte Talentförderung. Zugleich müssen die uneinheitlichen Spielklassen- sowie die unterschiedlichen Ligen-Strukturen auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene Berücksichtigung finden.

Bei den Juniorinnen spielt laut BFV indes ein anderer gewichtiger Faktor eine extrem große Rolle, der klar gegen einen Abbruch spricht. „Das Thema ‚Bindung’ der Spielerinnen hat bei den Juniorinnen für die Vereine ein viel größeres Gewicht, als bei den Erwachsenen oder Junioren“, erklärt Sandra Hofmann, die als Vorsitzende des Verbands-Frauen- und -Mädchenausschusses in der Untergruppe Juniorinnen mitarbeitete. Das liege nicht nur daran, dass viel weniger Juniorinnen im Spielbetrieb teilnehmen als bei den Junioren. „Für das Gros der Mädchen spielt trotz allem sportlichen Ehrgeiz die soziale Komponente eine immense Rolle“, sagt Hofmann. Das gemeinsame Spiel in einer gewachsenen Mannschaft stünde oft über dem Leistungsgedanken. Von Beginn an war für die Vereinsvertreter eine der größten Sorgen, bei einem Saisonabbruch und dem darauf folgenden Umbruch vor dem Saisonneustart massiv Spielerinnen zu verlieren und womöglich gar keine Mannschaft mehr stellen zu können.

Kommentar: Wertschätzung des Frauenfußballs sieht anders aus

Thomas Benedikt, Sportredakteur des Fürstenfeldbrucker Tagblatts.

Der Bayerische Fußballverband hat wegen der Corona-Krise beschlossen, die Punktspielrunde für die männlichen Nachwuchskicker abzubrechen. Die Mädchen dürfen voraussichtlich ab September ihre Saison zu Ende spielen. Was zunächst nach einem Vorteil für die Fußballspielerinnen aussieht, ist letztlich nichts anderes als eine Geringschätzung des Frauenfußballs. Begründet wird das unterschiedliche Vorgehen damit, dass bei den Buben die fußballerische Ausbildung über allem anderen stehe. Die Mädls würden viel mehr Wert auf den geselligen Aspekt als auf den Wettkampffußball legen. Eine solche Aussage ist ein Schlag ins Gesicht für jede Spielerin, die um die gleiche Anerkennung wie ihre männlichen Kicker-Kollegen kämpft. Für einen Verband, der sich die Förderung des Frauen- und Juniorinnenfußballs auf die Fahnen schreibt, ist diese Ungleichbehandlung ein Armutszeugnis. So ist es nur logisch, dass andere Nationen dem ehemals dominierenden deutschen Frauenfußball mehr und mehr davonziehen.

Thomas Benedikt

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