Auch nach dem 60. Geburtstag ist die Einsatzbereitschaft beim Fußball immer noch da.
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Auch nach dem 60. Geburtstag ist die Einsatzbereitschaft beim Fußball immer noch da.

„Wir wollen uns und anderen schon noch beweisen“

Puchheim-Senioren mit großer Freude und Tatendrang beim Hobbykick

  • vonHans Kürzl
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Das Ü60-Team der Puchheimer ist noch immer mit Enthusiasmus beim Fußball dabei. Bei Zweikämpfen wird nicht zurückgeschreckt.

Puchheim – Mittwochabend, Trainingszeit auf der Fußballanlage des FC Puchheim. Während einige Buben mit dem Ball durch einen Hütchen-Parcours dribbeln, macht sich eine ungewöhnliche Trainingsgruppe bereit für ein Spielchen: Bei allen von ihnen ist das Haar schon grau. Sie alle sind über 65 Jahre alt, der älteste sogar 81. Jeden Mittwoch treffen sie sich zu einem Trainingsspiel – einige von ihnen schon seit über 40 Jahren.

Reinhard Riederer ist so etwas wie der Manager der Ü65-Herren. Er ist seit der Gründung der Puchheimer AH-Mannschaft (Alte Herren) im Jahr 1979 Teil des Teams. „Das mach Spaß und hält fit“, sagt Riederer. Die hart gesottenen Freizeit-Kicker lassen sich nicht einmal im Winter von ihrem Fußballplatz vertreiben. In die Halle gehen sie auch bei Schnee und Minus-Graden nicht.

Ü60-Fußball in England nur im Stehen - Laufen strikt verboten

Und so kann keiner aus der Runde verstehen, was man sich ausgerechnet im Mutterland des Fußballs in England ausgedacht hat: Dort sollen über 60-Jährige beim Kicken nur noch stehend den Ball zuspielen . „Laufen also verboten“, sagt Hubert Waner, ein weiterer Mitstreiter seit 1979. schüttelt den Kopf und erklärt fast trotzig: „Wir wollen uns und anderen schon noch beweisen, was wir noch so alles drauf haben.“

Als sich der Kern des Puchheimer Ü 65-Teams vor 41 Jahren zusammengefunden hat, war die Fußballwelt noch eine andere. Schon 1979 klingt fast schon ein Jahr aus ferner Zeit. Der Hamburger SV holte da seinen ersten Bundesligatitel und Fortuna Düsseldorf den Pokalsieg. Mit Katsche Schwarzenbeck und Berti Vogts beendeten zwei Weltmeister von 1974 ihre aktive Laufbahn.

Kurt Bauer: Mit den damals neuen Stollenschuhen im Mittelfeld des FC Puchheim

Um die Anfänge von FCP-Urgestein Kurt Bauer zu finden, muss man sogar noch ein paar Fußballergenerationen zurückgehen. 1953 ist der jetzt 76-Jährige in die Schülermannschaft der Puchheimer eingetreten. Die Fußballer hatten damals gerade damit begonnen, mit Schuhen mit Schraubstollen zu spielen. Ein technischer Vorteil, mit dem Deutschland ein Jahr später beim Wunder von Bern seinen ersten Weltmeistertitel holen sollte. Kurt Bauer erlebte den Triumph als Schüler mit.

Bauer hat später im Mittelfeld in der ersten Mannschaft des FCP gespielt. Im März 1979 hat er dann als Technischer Leiter mitgeholfen, die AH-Mannschaft zu begründen. In diesem Bereich hat der FCP respektable Erfolge verzeichnet, einer davon war der Aufstieg in die Münchner Stadtoberliga etwa in der Mitte der 1980er-Jahre.

Ü60-Gegner lassen sich nicht mehr so leicht finden

Seit gut eineinhalb Jahrzehnten kickt man allerdings nicht mehr in Ligen um Punkte oder auf Turnieren. Teils rein altersbedingt, weil Ü50-Gegner auf Dauer doch zu jung sind. Und Gegner im gleichen Alter zu finden, ist für die Puchheimer Oldies nahezu unmöglich. „Wir haben aber auch im Training noch unsere Gaudi“, sagt Riederer.

Und da gehen die Männer durchaus mit Ehrgeiz zu Werk. Die Puchheimer führen Zweikämpfe, oder lassen den Gegner dem noch immer gut zirkulierenden Ball hinterher hecheln. Sie ärgern sich, wenn ein Pass nicht ankommt oder eine Chance vergeben wird. Aber das ist ein paar Sekunden später schon wieder vergessen. „Ich habe immer zugesehen, dass die Leute in der Mannschaft menschlich zusammenpassen“ erklärt Bauer.

Helmut Grass: Fit dank Fußball mit 81 Jahren

Wenn man spiele, wollen man gewinnen. Aber krankhafter Ehrgeiz sei völlig fehl am Platz. So hat ein Hobbykicker wie Helmut Grass genauso seine Chance. Der ist erst mit knapp 30 Jahren in die Kickerei angestiegen. Nun ist er mit 81 Jahren der älteste. „Hier kann ich mich mit Spaß fithalten“, sagt er.

In Puchheim ist man aber auch noch auf etwas anderes besonders stolz. „Wir waren als Verein und als Mannschaft immer eigenständig“, betont Riederer. Wo andere Verbindungen oder Spielgemeinschaften bildeten, um überhaupt antreten zu können, schafften das die Puchheimer all die Jahre hindurch stets allein. Allenfalls ein paar Germeringer hätten mal mitgemacht, weil bei ihnen keine Mannschaft mehr zusammen gekommen war.

Fußball und Geselligkeit als Elixier für die älteren Herren

Geselligkeit und ein gutes Klima nennt Riederer als wichtige Gründe, warum die „Alten Herren“ beim FC Puchheim ein so langes Leben haben. Bei den Trainingskicks kommen immer so viele, dass es locker für ein Spiel reicht. Mindestens acht würden immer da sein. „Und danach sitzen wir zusammen, gemütlich, lachend und ohne Stress“, erzählt Riederer.

Bei der Gründung der AH-Mannschaft war es eigentlich gar nicht vorgesehen, dass man so lange zusammen bleiben würde. „Es hat sich halt so ergeben“, sagt Riederer. Man habe halt immer wieder ein Jahr drangehängt. „Und nun machen wir so lange weiter, wie es uns Spaß macht“, sagt Erwin Eiser, ein weiteres AH-Urgestein. Standfußball wie in England ist nicht das Ding der Puchheimer Ü 65-Kicker. Und so werden sie weiter jeden Mittwochabend bei Wind und Wetter die Fußballschuhe schnüren und dem runden Leder hinterherjagen, wie sie es seit über 40 Jahren tun.

(HANS KÜRZL)

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