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Riesen-Ärger um Jugendmannschaften: Trainer verlässt Verein und nimmt drei Teams mit

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Von: Hans Kürzl

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Die Kreissieger-Mannschaft des SV Germering beim Merkur CUP gehört zu jenen Teams, die Trainer Arne Höhenauer mit nach Freiham genommen hat.
Die Kreissieger-Mannschaft des SV Germering beim Merkur CUP gehört zu jenen Teams, die Trainer Arne Höhenauer mit nach Freiham genommen hat. © Peter Weber

Von Mäzenen und Gönnern abhängig sein – etliche Vereine haben daraus schmerzliche Erfahrungen ziehen müssen. Dass das auch mit Trainern so sein kann, sogar im Jugendbereich, hat der SV Germering lernen müssen.

Germering/Freiham – Die Überlegenheit erinnerte an jene Tage, als der SC Fürstenfeldbruck zu den dominierenden Nummern im Merkur CUP gehörte. 6:0 siegte der SV Germering im Halbfinale des diesjährigen Kreisfinales gegen den FC Eichenau, gar 9:0 im Endspiel gegen den FC Puchheim. „Für diese Truppe wäre im großen Finale das Halbfinale drin gewesen“, sagt auch Christian Patsch, Jugendleiter des SV Germering. Doch statt Halbfinale dann das: Der SVG zog nur einen Monat später seine D1-, D4- und F5-Mannschaft vom Spielbetrieb zurück. Die D4-Truppe hatte im Merkur CUP so für Furore gesorgt. Hintergrund war der Vereinswechsel des Trainers samt Stab und aller ihm anvertrauten Nachwuchsspieler, hieß es von den Veranstaltern des Merkur CUPs.

Verantwortlich für den Wechsel war Trainer Arne Hohenauer – nach Aussagen Beteiligter, deren Weg er gekreuzt hat, bekennender Fußball-Papa. Hohenauer hat zwei Söhne, Jahrgang 2010 und 2014. Der 45-Jährige trainiert seit Jahren ohne Übungs- oder Trainerschein, weil Vereine froh sind, dass sich Eltern überhaupt engagieren. Das ist nun auch bei seinem neuen Verein der Fall, dem FC Freiham, der erst 2020 gegründet wurde. Dorthin ist Hohenauer mitsamt den drei Mannschaften gewechselt.

Das sagt der SV Germering

Patsch ist knapp zwei Monate, nachdem er die Meldung vom Rückzug rauslassen musste, immer noch verärgert: „Nach außen hin macht das für den Verein ein schlechtes Bild, wenn du gleich drei Teams auf einmal verlierst.“

Nachdem erste Gerüchte zu einem Vereinswechsel aufgetaucht waren, hätten ihn viele Eltern gebeten, Kontakt zu Hohenauer aufzunehmen, so Patsch. „Nach den ersten Gesprächen hatte ich ein gutes Gefühl.“ Doch dann habe Hohenauer auf eine schnelle Entscheidung gedrängt und nachgefragt, ob seine Forderungen erfüllt würden. Welcher Art die Forderungen waren, führt der Jugendleiter nicht aus.

Patsch zeigte sich erst irritiert, dann enttäuscht. Seiner Kenntnis nach hatte Hohenauer den Kontakt nach Freiham „schon lange in der Schublade“. Nun sagt Patsch: „Ich habe mich angelogen gefühlt.“ Er berichtet davon, dass Hohenauer noch etliche Spieler angegraben habe, die seit Längerem beim SVG gespielt hätten. Hohenauer selbst war – nach einem kurzen Zeitraum 2016 – dort seit 2019 tätig, hat aber mittlerweile Hausverbot. Zwischenzeitlich hatte er schon beim SC Unterpfaffenhofen angeheuert. Mit im Schlepptau waren immer die Mannschaften, in denen seine Buben spielten.

Das sagt der FC Freiham

Neue Heimat des Trainers und seiner drei Mannschaften ist der Sportpark von Freiham.
Neue Heimat des Trainers und seiner drei Mannschaften ist der Sportpark von Freiham. © Hans Kürzl

Zu den Vorgängen beim SV Germering will Markus Schade, Vorsitzender des FC Freiham, keine Stellung beziehen. Man orientiere sich an Toleranz, Respekt und Fairness sowie Spaß am Miteinander und Freude am Fußball. „Vor diesem Hintergrund maßen wir uns nicht an, Vorgänge anderer Vereine zu beurteilen oder gar Aussagen zu deren Amtsträgern zu treffen“, so Schade.

Den Aufbau einer Jugendabteilung bezeichnet er als nächsten logischen Schritt in der noch jungen Vereinsgeschichte. Die Teams von Hohenauer scheinen dabei willkommen. „Nach vielen konstruktiven Gesprächen und Planungen freuen wir uns sehr, in der kommenden Saison gleich mehreren Jugendmannschaften ein Zuhause bieten zu können und die Entwicklung unserer Jüngsten aktiv begleiten zu dürfen“, erklärt Schade.

Das Tagblatt hat Arne Hohenauer Gelegenheit gegeben, sich zu den Vorgängen zu äußern. Zunächst war er noch bereit dazu. Wenig später wurde aber seitens des FCF-Vorsitzenden Markus Schade per Mail gebeten, keinen persönlichen Kontakt zu den Trainern des FCF aufzunehmen. Daraufhin zog Hohenauer seine Bereitschaft zurück, sich zu äußern.

Die Lehren des SV Germering

„Die Mannschaften, die mit Hohenauer mitgekommen sind, haben sich nie mit dem SVG indentifiziert“, sagt Jugendleiter Patsch. Auf überambitionierte Eltern und Trainer werde man daher künftig verzichten. „Wir werden auch keine Flut von Kindern oder Jugendlichen aus anderen Vereinen mehr aufnehmen“, betont Patsch.

Er spricht von einer Art Warnstufensystem, das man nun entwickelt habe, um ähnlichen Vorgängen rascher als bisher entgegenzutreten. Dazu gehört, dass zwischen Verein, Eltern, Trainern und Spielern Offenheit herrscht. „Man muss erkennen, dass sich einer für den Verein engagieren mag, auch mal über den Fußballplatz hinaus“, sagt Patsch. (Hans Kürzl)

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